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Zufriedene Gesichter und große Erwartungen

Zufriedene Gesichter und große Erwartungen

Mehr Grasschnitt, gute Getreidequalitäten, höhere Schweinefleischpreise und keine Hagelschäden bei Weinreben: Die Bauern und Winzer in der Region Trier ziehen vorläufig eine positive Ernte-Bilanz fürs laufende Jahr.

Trier. Der flächendeckende Regen der vergangenen Tage hat Gras, Getreide und Reben gut getan. So gut, dass die Bauern und Winzer in der Region Trier mit dem Wetter wieder versöhnt sind. "Wir sind in der Region zwar bei der Ernte oftmals später dran als andere Regionen im Land. Dies kommt uns in diesem Jahr, nach dem langen trockenen Frühjahr, zugute", sagt Michael Horper, Vizepräsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau aus Üttfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Dabei stellt sich die aktuelle Zwischenbilanz für die einzelnen Landwirtschaftsprodukte so dar:

Grünland: "Für die Futterbaubetriebe in der Region ist 2014 bislang ein richtig gutes Jahr", sagt Horper, gleichzeitig Vorsitzender des Kreisbauernverbands Bitburg-Prüm. Alles sei optimal verlaufen, fast alle Betriebe hätten bereits den zweiten Grasschnitt des rund 92 000 Hektar bewirtschafteten Grünlands in der Region Trier einfahren können. "Sowohl von den Inhaltsstoffen als auch von der Menge her haben wir ein gutes Ergebnis", sagt der Eifeler Milchviehhalter. Manch ein Betrieb stehe gar vor dem dritten Grasschnitt. "Eine Seltenheit in der Landwirtschaft", urteilt er.

Feldfrüchte: Auch beim Mais - ob als Futterpflanze genutzt oder zur Energiegewinnung gelagert - sieht die Situation gut aus. "Manche Gegenden sind der Entwicklung gar ein Stück voraus", sagt Bauernfunktionär Horper. Der Regen der vergangenen Tage habe die Wasservorräte auf der rund 15 000 Hektar großenFläche für Mais in der Region gut aufgefüllt.

Getreide: Die Ernte der ersten Wintergerste hat bereits begonnen, anschließend steht Raps an. "Wir erwarten gute Erträge, wenn auch zu etwas niedrigeren Preisen als bisher. Auch hier ist der Regen rechtzeitig gekommen", sagt Michael Horper. Nun noch ein paar Tage Trockenheit, und die Bauern seien zufrieden. Denn gerade das Brotgetreide, das zunehmend in der Region Trier angebaut werde, brauche noch Zeit zur Reifung. "Dank des Regens können die Getreidebauern sogar backfähige Qualitäten liefern."
Landesweit wird dagegen höchstens von einer "mittelmäßigen Getreideernte", gesprochen, wie Norbert Schindler, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, sagt. Auch wenn es einige Ernteausfälle gebe, so seien die Bauern noch "mit einem blauen Auge davongekommen". Auf Landesebene spricht der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau bei Getreide und Raps bereits von einer voraussichtlichen Mengeneinbuße von bis zu sieben Prozent bei einer Getreidemenge im vergangenen Jahr von rund 1,7 Millionen Tonnen.

Fleischpreise: Was kaum einer weiß: Die warmen Temperaturen im Frühjahr haben den Fleischbauern geholfen. Vor allem den Schweinehaltern. War in den vergangenen Jahren der Frühling meist regnerisch und kühl, gingen auch die Schweinefleischpreise tendenziell zurück, so die Entwicklung laut Michael Horper: "Dies war für die Bauern eine Katastrophe. In diesem Jahr nun konnte man bereits Ende April sehen, dass die Preise aufs Wetter reagieren - und um bis zu vier Cent je Kilogramm steigen." Dies habe die Lage etwas entspannt. Der Grund: Bei warmen Temperaturen steigt der Fleischkonsum, etwa am Grill.

Wein: Auch wenn die eigentliche Wachstumsphase für die Weintrauben erst noch bevor stehe und eine Vorhersage zur Qualität des Jahrgangs noch nicht möglich sei, so beurteilt Ansgar Schmitz, Geschäftsführer des Moselwein e.V., die Lage dennoch als "gut". Die Wetterlage sei gut, und die Traubenblüten seien im Frühjahr von größerem Hagel verschont geblieben. "Das sieht von der Menge her schon besser aus als in den Vorjahren", sagt er. Denn die Mostmengen der Jahre 2012 und 2013 haben so wenig Wein hervorgebracht, dass die Winzer von Mosel, Saar und Ruwer die Nachfrage kaum decken konnten. Entsprechend entspannt sei deshalb auch die Stimmung unter den Winzern.
Die Vorzeichen für Menge und Qualität des Jahrgangs 2014 "stehen gut, entscheidend ist nun der Spätsommer", sagt Schmitz. Wunschwetter für die Winzer wäre ein trockener und nicht allzu heißer September, damit sich Fäulnis in den Trauben nicht ausprägt und die Menge nicht schrumpft. "Die Hoffnung der Winzer liegt auf einem guten Jahrgang 2014", sagt er.
Das hoffen auch die national und international tätigen Moselwein-Vermarkter, sagt Albrecht Ehses, Wein-Experte der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier. Denn die geringen Weinmengen der vergangenen Jahre hätten auch die Bedeutung des regionalen Weines in der Welt schrumpfen lassen: "Die Winzer und Kellereien erwarten eine normale Ernte, um Marktanteile zurückgewinnen zu können."