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Mit Mütze, Musik und jeder Menge Stolz

Mit Mütze, Musik und jeder Menge Stolz

Sie gelten als die Exoten schlechthin bei der Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft (26. Juni bis 17. Juli). Bis zum Turnierstart versuchen die Spielerinnen Äquatorial-Guineas, sich in Bitburg an die "Kälte" in Deutschland zu gewöhnen. Mit enormer Geheimniskrämerei will das westafrikanische Miniland zum Erfolg kommen.

Bitburg. Die Sportschule auf dem Gelände des ehemaligen Militärflughafens gleicht einem Hochsicherheitstrakt. Die Zäune rings um die Sportplätze in der direkten Umgebung des Hauptgebäudes sind mit dunkelgrünen Planen abgehängt worden. Am Zufahrtstor prangt ein Schild mit deutlichen Hinweisen: "Keine Fotos", "Keine Videos". Die Frauen-Fußball-Nationalmannschaft von Äquatorial-Guinea will sich vor unliebsamen Kiebitzen schützen. Befohlen hat die Maßnahmen Trainer Marcelo Frigerio. Ein gebürtiger Italiener, der auch die brasilianische Staatsbürgerschaft besitzt. "Niemand soll wissen, wie wir spielen", sagt der 40-Jährige, auf dessen Visitenkarten gleich drei Handynummern stehen. In Bitburg entwickelt er mit seinen Spielerinnen eine geheime, neue Taktik. Ein System, mit dem er die WM-Gruppengegner Brasilien, Norwegen und Australien überraschen will.
Über die Nationalelf aus dem kleinen Land in Westafrika gibt es fast keine Informationen. So soll es bleiben, hofft Frigerio, der andererseits jede Quelle anzuzapfen versucht, um an Eindrücke der anderen Teams zu kommen. Das ZDF hat er zum Beispiel gebeten, ihn mit reichlich DVD-Material zu versorgen.
Im Kader Äquatorial-Guineas ist nur eine Spielerin halbwegs bekannt. Die Kapitänin Genoveva Añonma (21) spielt in der Bundesliga künftig für Potsdam. Die Offensivspielerin ist in ihrer afrikanischen Heimat der große Star. "Sie ist der ganze Stolz des Landes. Im Stadion will sie jeder berühren", sagt Frigerio.
Auch finanziell steht Añonma eher auf der Sonnenseite. Die Nationalspielerinnen, die in Äquatorial-Guinea eine höhere Aufmerksamkeit genießen als ihre männlichen Kollegen, verdienen offenbar sehr gut. Sie können sich ganz auf den Fußball konzentrieren. Üppig ist anscheinend auch der Prämientopf für die WM gefüllt. Genaue Zahlen bleiben jedoch geheime Kommandosache.
Añonma gibt sich selbst in ihren Trainingsklamotten modebewusst. Silberne Ohrringe, Ringe an der Hand, Haarsträhnen in den Nationalfarben Äquatorial-Guineas, um den Hals ein Kopfhörer der neuesten Generation. Die Spielerinnen nutzen die Freizeit im Bitburger Trainingsquartier zum Shoppen. Frigerio: "Sie waren schon zwei Mal in Trier. Auf dem Einkaufszettel standen vor allem elektronische Geräte."
Mahlzeiten als Herausforderung


Gewöhnen müssen sich die Spielerinnen ans Klima. Auch bei 25 Grad laufen manche mit Langarm-Shirts durch die Sportschule. Abends ziehen sie sich zum Teil gar Handschuhe an. "In Malabo, der Hauptstadt Äquatorial-Guineas, regnet es fast nie. Es ist dort immer heiß, 35 bis 40 Grad. Es ist nicht so wie in Deutschland", sagt Frigerio, der das Traineramt beim Afrikameister von 2008 erst im März angetreten hat. In der Ernährung müssen sich die Spielerinnen ebenfalls umstellen. Sie mögen\'s gerne scharf. "Wir essen schon vergleichbare Lebensmittel wie die Europäer, aber unsere Zubereitungsart ist anders. Vielen Mädchen fällt die Umstellung schwer. Aber sie gewöhnen sich daran und essen von Tag zu Tag mehr", sagt Añonma.
Trotz aller "Widrigkeiten" wirken die Spielerinnen quietschfidel. Sie sind stolz, Äquatorial-Guinea erstmals bei einer WM vertreten zu dürfen. Bis zum WM-Auftakt bleibt das Team in Bitburg. Ein geplanter Trip Mitte Juni in die Schweiz mit Testspielen gegen Kolumbien, Neuseeland und Dänemark wurde kurzfristig abgeblasen. "Eine höhere Instanz hat das beschlossen", sagt Frigerio. Details bleiben erneut ein Geheimnis. Dennoch soll es noch ein Vorbereitungsspiel geben. Der Gegner? Es gibt keine Antwort.
Weil so viel im Dunkeln bleibt, schießen die wildesten Gerüchte ins Kraut. Südafrika, Ghana und Nigeria beschuldigen Äquatorial-Guinea, mindestens zwei Männer im Kader zu haben. Trainer Frigerio lässt die Vorwürfe an sich abprallen: "Da ist nichts dran. Das sind gezielte Provokationen."Zum westafrikanischen Kleinstaat Äquatorial-Guinea (etwa so groß wie das Bundesland Brandenburg) gehört auch die vorgelagerte Insel Bioko. Auf ihr liegt die Hauptstadt Malabo. Die Angaben zur Einwohnerzahl des Landes schwanken (700 000 bis eine Million Menschen). Amtssprachen sind Französisch und Spanisch. Die Wirtschaft profitiert von Erdölvorkommen vor dem Festland. Kritik gibt es immer wieder wegen Menschenrechtsverletzungen und Korruption. red