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Spektakuläre Rennen auf einem 111-Meter-Oval

 Mut, Power, Technik  all das müssen Shorttracker in sich vereinigen. Zu den größten Talenten Luxemburgs gehören Peter Murphy (rechts) und Augustin Géré (Foto oben, an der Spitze liegend).
Mut, Power, Technik  all das müssen Shorttracker in sich vereinigen. Zu den größten Talenten Luxemburgs gehören Peter Murphy (rechts) und Augustin Géré (Foto oben, an der Spitze liegend). FOTO: Editpress / Photo:Jerry Gerard Jerry Gerard
Luxemburg. Shorttrack ist schnell, dynamisch und manchmal schmerzhaft. Während die Sportart in Asien große Beliebtheit genießt, entwickelt sie sich inzwischen auch in Europa. Mehrere Talente aus Luxemburg sorgen derzeit für starke Resultate auf internationaler Bühne.

Mit Ertönen des Startsignals geht es für die vier Skater, die über die 1000 Meter im Shorttrack-Finale des Beneluxcups stehen, gleich ziemlich ruppig zu. Die beiden Luxemburger Peter Murphy und Augustin Géré haben sich nicht überraschend für das Finale qualifiziert. Sie machen die Sache unter sich aus.

„Über die 500 und 1000 Meter ist der Start schon wichtig. Da kommt es auch mal vor, dass man einen Ellenbogen abbekommt, aber das gehört dazu“, erklärt der 18-jährige Murphy. An diesem Tag wird er Zweiter, Teamkollege Géré gewinnt. Für die beiden Luxemburger war der Wettbewerb in Kockelscheuer eine Ehrensache. 2017 fuhren beide ihre ersten Shorttrack-Weltcups, seitdem sind sie fast hauptsächlich mit den Profis unterwegs. „Ich würde sagen: Technik, Ausdauer, Mut, Taktik und Körperbeherrschung“: So lautet die Antwort von Murphy auf die Frage, welche Dinge ein Shorttracker besonders beherrschen muss.

Auch wenn viele Menschen die Sportart mit Eisschnelllauf vergleichen, gibt es doch klare Unterschiede. Murphy: „Unsere Sportart ist deswegen spektakulärer, da wir direkt Mann gegen Mann fahren.“

Während beim Eisschnelllauf die Rundenzeiten gemessen werden, befinden sich beim Shorttrack meist vier bis acht Fahrer gleichzeitig auf dem Eis. Das führt zu engen Duellen, gewagten Überholmanövern und des Öfteren eben auch zu Stürzen. „Wir brauchen eine gute Körperbeherrschung, da wir sehr eng aneinander fahren. Wenn ein Skater eine unkontrollierte Bewegung macht, kann das für ihn oder die anderen nicht gut ausgehen.“ 111,12 Meter misst die Runde beim Shorttrack, beim Eisschnelllauf sind es 400 Meter. Das führt dazu, dass ein Rennen sehr dynamisch abläuft und die beiden Kurven von hoher Bedeutung sind. In den Kurven findet eine Gleitphase statt, in der der linke Arm unterstützend das Eis berührt. Wichtig ist dabei auch das taktische Verständnis, da innerhalb von Sekundenbruchteilen die Chance ergriffen werden muss, den Gegner zu überholen. Auch deswegen sind die Sicherheitsvorkehrungen im Shorttrack sehr hoch, da es oft zu Stürzen in höchster Geschwindigkeit kommt.

Neben den Athleten, die sich auf dem Eis befinden, gibt es drei Schiedsrichter. Einer befindet sich in der Mitte der Eisfläche, die beiden anderen an den Kurven. Sie können auch mit Hilfe des Videobeweises eingreifen, wenn Skater unfair attackieren, Abkürzungen nehmen oder andere Shorttracker zu Fall bringen.

Die Wettbewerbe werden im K.o.-System durchgeführt, was zusätzliche Reize verschafft. Meistens kommen die beiden bestplatzierten Athleten jeweils eine Runde weiter, bis die besten Skater das Finale erreichen. Über 500 Meter, 1000 Meter, 1500 Meter und 3000 Meter duellieren sich die Eisläufer.

„Vor einigen Jahren waren wir in der Eishalle und sind Schlittschuh gefahren. Eines Tages begegnete mein Vater dann dem vorherigen Trainer der Shorttrack-Mannschaft. Er hat gefragt, ob wir mal vorbeischauen möchten“, erinnert sich Peter Murphy.

Seitdem ist alles sehr schnell gegangen. Der 18-Jährige nimmt an Weltcups der Profis teil, vor zwei Wochen war er bei den Junioren- Weltmeisterschaften im kanadischen Montreal. 2017 gewann er bei den „European Youth Olympics“ in der Türkei die Goldmedaille über 1500 Meter und wurde zu Luxemburgs Nachwuchs­sportler des Jahres gewählt.

Zusammen mit drei anderen Talenten bildet Murphy das luxemburgische Shorttrack-Team. Auch seine jüngere Schwester, Caroline Murphy, der 17-jährige Augustin Géré und die 16-jährige Anna Ruysschaert gehen mit auf Welttournee. Ruysschaert befindet sich zurzeit beim europäischen Jugend-Olympia-Festival in Sarajevo.

Murphy studiert an der Universität in Düdelingen, die anderen drei gehen noch zur Schule. Während des Schuljahrs trainiert die Mannschaft siebenmal in der Woche auf dem Eis, zweimal geht es in den Kraftraum. Am Wochenende stehen die Wettbewerbe an.

Im Training geht es oft darum, so viele Runden so schnell wie möglich zu drehen. Dabei kommt es dann auch vor, dass eine Einheit nur aus Rundenfahren besteht. „Es ist schon variabel. Wir müssen Fähigkeiten wie Balance, Ausdauer, Geschwindigkeit oder Kraft trainieren. Das Meiste machen wir aber wirklich auf dem Eis“, sagt Murphy. Vor allem die Technik spielt beim Shorttrack eine große Rolle. „Du kannst so viel Ausdauer haben wie du willst. Wenn die Technik nicht klappt, dann wird es nichts“.

2017 fuhren Murphy und Géré ihre ersten Weltcups im ungarischen Budapest und im niederländischen Dordrecht. Eine lange Eingewöhnungszeit gab es für Murphy nicht. Gleich im ersten Rennen stand er über die 1500 Meter neben dem zweifachen Weltmeister aus Südkorea, Seo Yi-Ran, und dem sechsfachen Olympiasieger aus Russland, Wiktor Ahn. Der Luxemburger wurde Fünfter und schied aus, die beiden Favoriten zogen im Gleichschritt weiter. „Wir sind damals noch dorthin gefahren, um Erfahrungen zu sammeln. Mittlerweile sind wir die Abläufe gewöhnt und kommen besser klar“, sagt Murphy, für den die aktuelle Saison nicht so gut läuft wie die vergangene. Den Studenten plagen Rückenprobleme. Eine starke Entwicklung weist sein Teamkollege Augustin Géré auf. Erst kürzlich überzeugte der Escher mit einem 24. Platz im Gesamtklassement bei den Europameisterschaften der Profis.

Vom 8. bis 10. März steht für die Luxemburger mit der Weltmeisterschaft in Sofia in Kürze der Saisonhöhepunkt bevor.