Das Ziel der Präsidenten: Mehr Neugier, weniger Tunnelblick

Das Ziel der Präsidenten: Mehr Neugier, weniger Tunnelblick

Dass die Präsidenten der Uni und der Fachhochschule Trier gemeinsam an die Öffentlichkeit treten, ist eher selten. Das große Projekt City-Campus, aber auch die Erkenntnis, dass eine regionale Allianz allen nützt, haben sie zusammenrücken lassen - wie auch das Gespräch mit TV-Redakteur Dieter Lintz zeigt.


Die Kunde, die von den Trierer Hochschulen ins Tal dringt, klingt ziemlich beunruhigend. Sparzwänge, überfüllte Vorlesungen, Strukturveränderungen, Finanznöte. Man könnte meinen, es gehe Ihnen herzlich schlecht. Wie ist denn nun das werte Befinden auf den akademischen Hügeln in Schneidershof und Tarforst?
Wallmeier: Ich finde meine Hochschule in Ihrer Beschreibung nicht so recht wieder. Die Lage bei uns ist weniger brisant als an der Uni. Wir haben zwei große Projekte in Höhe von acht Millionen Euro zusätzlich an Land gezogen, wesentliche Einnahmenverluste durch die Abschaffung der Gebühren für Langzeit-Studenten gibt es nicht. Unsere Probleme sind eher langfristiger Natur: Die Basis-Ausstattung ist schlecht, ein Drittel unserer Einnahmen erzielen wir über Programm- und Drittmittel. Da hat man mal Glück und mal Pech, keiner weiß, wie es in ein, zwei Jahren aussieht, da kann man nur schwer planen.
Jäckel: Bei uns sind zwei Dinge eher zeitlich zufällig zusammengekommen: Auf der einen Seite die Herausforderungen durch die Haushaltsentwicklung und die damit verbundene Notwendigkeit, unsere Strukturen auf den Prüfstand zu stellen - wobei sich das Thema seit dem Frühjahr zugespitzt und sehr auf die Frage des Sparens fixiert hat. Auf der anderen Seite entstand bereits Ende letzten Jahres die Idee, mit einer großen Veranstaltung in die Stadt zu gehen und dadurch die Bedeutung der Hochschulen für die Stadt und die Region in den Vordergrund zu stellen. Ich bin mir sicher, das wird ein entscheidender Impuls für die Gesamt-diskussion über die Zukunft der Hochschulen am Standort Trier.
Man hat das Gefühl, dass die Bedeutung der Hochschulen für die Region vielen nicht klar ist, dass aber auch umgekehrt die Hochschulen erst ganz allmählich verstehen, dass ihr Standing etwa beim Land auch davon abhängt, wie gut sie vor Ort verankert sind. Uni und FH einerseits, Stadt und Region andererseits leben doch ziemlich aneinander vorbei, oder?
Wallmeier: Es gibt über 22 000 Studierende in Trier, davon merkt man aber bis auf ein paar Studentenkneipen nicht so viel. Wir versuchen, unsere Verankerung in der Stadt zu vergrößern, und es gibt positive Signale für das Gebäude am Irminenfreihof, wo wir gerne die Architektur unterbringen würden, als Ergänzung zum Gestaltungs-Fachbereich am Paulusplatz. Dort könnten auf einer Art "Campus in der Stadt" verstärkt Veranstaltungen für Bürger angeboten werden.
Jäckel: Es gibt ja schon länger gute Ideen wie das Forum Hochschule-Wirtschaft. Da waren wir uns aber einig, dass man mal neue Wege gehen muss, weg von den reinen Insider-Veranstaltungen, hinein in die Öffentlichkeit. Das ist in die Idee City Campus eingeflossen - auch wenn uns klar ist, dass das keine ständige Einrichtung werden kann.
Aber das beantwortet nicht die Frage, warum Hochschulen und Stadt so wenig miteinander am Hut haben …
Jäckel: So krass nehme ich das nicht wahr. Es gab schon immer viele lockere und stärkere Verbindungen, die von Fall zu Fall aktiviert werden - etwa zum Landesmuseum, zum Stadtarchiv, zur Wirtschaft, zu Kammern, zu Schulen. Luft nach oben gibt es da sicher noch. Das kann man aber nicht über Zwang regeln, da ist eine Veranstaltung wie der City Campus der sinnvollere Weg, der diese Verbindungen direkt erlebbar macht, nicht theoretisch, sondern praktisch.
Uni und FH haben sich in diesem Fall sehr eng abgestimmt. Das war nicht immer so. Kann es sein, dass man in schwierigen Situationen enger zusammenrückt?
Jäckel: In Sachen City Campus ging das ganz schnell und unbürokratisch. Erst haben sich die Präsidenten zusammengesetzt, dann gab es die ersten Arbeitsrunden, jetzt machen wir das Programm gemeinsam.
Wallmeier: Die öffentliche Wahrnehmung der Hochschulen in Trier ist immer noch sehr unterschiedlich. Für viele sind wir als FH nach wie vor die "Werkkunstschule". Dabei bekommen alle Studenten, die heute bei uns anfangen, als Abschluss den Bachelor und den Master. In dieser Hinsicht gibt es keinen Unterschied mehr zur Uni. Wir werden konsequenterweise ja auch das "Fach-" in unserem Namen ablegen und künftig als "Hochschule für angewandte Wissenschaften" firmieren. Und dieses neue Profil wollen wir natürlich in der Stadt und der Region bekanntmachen.

Das sind ja eigentlich Entwicklungen, die man kennt. Und trotzdem sind sie in Trier in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Wenn Sie Passanten auf dem Hauptmarkt Fragen zu Uni und FH stellen würden, käme wahrscheinlich nicht viel heraus. Wo liegt da die Hürde?
Jäckel: Ich gebe Ihnen recht, auch wenn das nicht nur für das Thema Hochschulen gilt. Es ist nicht einfach, die richtige Dosis an Öffentlichkeitsarbeit zu finden. Manchmal ist es zu viel, manchmal zu wenig. Aber der City Campus ist nach meiner Auffassung eine hervorragende Gelegenheit zu zeigen, wie sehr die Wissenschaft unseren Alltag bestimmt. Über diesen Weg kann man sich öffnen, das sorgt für mehr Neugier und weniger Tunnelblick.
Wallmeier: Es ist offenbar auch schwierig, für den Normalbürger wie für den Geschäftsmann, zu erkennen, welchen Mehrwert er davon hat, sich für die Hochschulen zu engagieren …
Aber da hat man doch das Gefühl, dass die Defizite wechselseitig sind. In der Region und in der Stadt ist vielen nicht bewusst, wie sehr sie von den Hochschulen profitieren, aber an den Hochschulen verstehen auch viele nicht, dass sie sich um ihr örtliches Umfeld bemühen müssen.
Wallmeier: Das hat natürlich auch damit zu tun, dass wir permanent mit Überlast fahren und kaum Kapazitäten frei haben. Da muss man die Kollegen schon überreden, ein zusätzliches Pensum an Arbeit auf sich zu nehmen. Aber das wird sich ändern. Wenn die demografische Entwicklung kritisch wird, rennt jedes Fach in die Gymnasien der Region und wirbt um Studenten.
Jäckel: Wir haben da schon einiges an Projekten, die nicht immer so im Blickpunkt stehen. Die Kooperation mit der Region passt ja auch nicht für jede Disziplin gleich gut. Aber ich sehe es schon so, dass Leute, die gute Ideen haben, in einer Bringschuld sind, das auch umzusetzen. Und vielleicht bietet der City Campus die Chance, die eine oder andere neue Brücke zwischen der Stadt und der Tarforster Höhe zu bauen. Und natürlich muss man nachher auch darüber gehen.

Stadt, Region und Hochschulen Hand in Hand - zielt eine solche Allianz auch darauf, das Standing bei den immer härter werdenden Verteilungskämpfen um Hochschulmittel beim Land zu verbessern?
Wallmeier: Wir sind auf eine solche Allianz angewiesen. Aus meinen Zeiten als Vizepräsident der Landes-FH kenne ich noch einen bösen Spruch, der in Mainz kursierte: "In Rheinland-Pfalz gibt es eine richtige Universität und ein bisschen Gedöns drumherum". Wenn man als Standort außerhalb von Mainz zur Kenntnis genommen werden will, muss man gemeinsam auftreten.

Was würden Sie sich von der Stadt und der Region wünschen, um die Zusammenarbeit zu verbessern?
Jäckel: Ich habe OB Jensen kürzlich vorgeschlagen, dass wir uns gemeinsam ein konkretes Projekt pro Jahr vornehmen und das auch umsetzen sollten - ohne uns zu Sklaven dieses Zeitfensters zu machen. Gespräche sind wichtig, aber wir müssen gegenseitig verbindlicher werden.
Wallmeier: Es wäre schön, wenn die Stadt und die Region unsere Kompetenzen für ihre strategische Planung nutzen würden. Und zwar frühzeitig, und nicht erst als Notnagel, wenn einem nichts mehr einfällt. Das ist doch erstaunlich: Wir kriegen Aufträge für Projekte in der Türkei und auf den Kapverdischen Inseln, aber kaum von hier.