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Die Sportler schauen längst nach Schweich

Die Sportler schauen längst nach Schweich

Der Ortsbeirat des Schweicher Ortsteils Issel hat sich zu seiner konstituierenden Sitzung nach der Kommunalwahl 2009 getroffen. Ortsvorsteher Kurt Heinz wurde im Amt bestätigt - ebenso sein Stellvertreter Johannes Lehnert. Nach der Sitzung im "Isseler Hof" erhielt der Vorstand des Turn- und Sportvereins (TuS) das Wort, der sich für die geplante Verlegung der Isseler Sportanlagen aussprach.

Schweich-Issel. Der Schweicher Stadtrat hatte im Mai dieses Jahres beschlossen, den stark sanierungsbedürftigen Sportplatz Issel an der Straße Zum Meulenwald mitsamt seiner maroden Infrastruktur aufzugeben und die Fläche als Bauland zu verkaufen. Eine Rundumsanierung würde mit 400 000 bis 600 000 Euro zu Buche schlagen, ohne jedoch etwas an der beengten Lage des Platzes zwischen den Wohngebieten zu ändern.

Als Ersatz sollen aus dem Verkaufserlös und mit Fördergeldern des Kreises neben der neuen Schweicher Kampfbahn C am Schulzentrum ein Fußball-Kleinspielfeld für Trainingszwecke und ein Sanitärgebäude entstehen (TV vom 30. Mai).

Die Planung fand auch beim TuS Issel weitgehende Zustimmung, nicht aber bei allen Bewohnern Issels. Es formierte sich emotional geprägter Widerstand. Insbesondere Eltern von Fußballbegeisterten Jungen und Mädchen protestierten und sammelten Unterschriften. Ihr Hauptargument: Die Isseler Anlage sei der sicherste Platz. Und wo sollten die Kinder in Issel künftig bolzen gehen? Der entfernte Platz in Schweich sei kein Ersatz (TV vom 14. Juli).

Im Anschluss an die Ortsbeiratssitzung am Montag hatte der TuS-Vorstand Gelegenheit, vor den Ratsmitgliedern nochmals seinen Standpunkt darzulegen. Anwesend waren auch Stadtbürgermeister Otmar Rößler und Beigeordneter Achim Schmitt.

Sportler sehen in Issel keine Perspektive mehr

Die Sportler schauen längst nach Schweich
Foto: Friedhelm Knopp



TuS-Geschäftsführer Jürgen Schmitt und Vorsitzender Ferdinand Porten räumten ein, dass auch ihnen als alten Isselern der Platz ans Herz gewachsen sei - aber dies ändere nichts an der seit langem unzulänglichen Situation. Um dies zu untermauern, wies Schmitt auf die steile Entwicklung des TuS Issel hin: Von 242 Mitgliedern im Jahr 1984 auf nunmehr 650, was einer Steigerung in 25 Jahren um rund 150 Prozent entspricht. "Bei dieser Entwicklung war die überraschend frühe Entscheidung im Jahr 2004 für die neue Sportanlage C in Schweich für uns ein großes Ereignis", sagte Geschäftsführer Schmitt.

Die Vorstandmitglieder erinnerten auch an die Probleme mit den (lärmgeplagten) Anwohnern, die fehlenden Parkplätze und unzumutbaren Zuschauerbereiche bei Spielen sowie die unattraktiven Vereinsräume. Porten: "Früher haben wir nach Spielen oft noch alle zusammengesessen, aber heute zerstreut sich sofort alles. Niemand will sich da noch aufhalten."

Abschließend bekräftigen alle anwesenden TuS-Vorstandsmitglieder, dass es kein Umdenken in Sachen "alte und neue Sportanlage" geben werde. Die Unterschriftenaktion in Issel sei ohne Absprache mit dem Verein erfolgt - ein Gesprächsangebot an die Initiatoren ohne Resonanz geblieben.

Eine weitere Aussprache fand am Montag nicht statt. Stadtbürgermeister Rößler verwies aber auf ein Bürgergespräch zum Thema, das am 15. September in der ICV-Halle geplant ist.

Meinung

Unterschiedliche Sichtweisen

Umfänglich hat der TuS-Vorstand erläutert, warum der mitgliederstarke und sportlich erfolgreiche Verein mit der alten Anlage in Issel nicht mehr weiterkommt. Der Vorstand und die Mehrheit der TuS-Mitglieder werden schon im Interesse ihres Vereins nicht vom eingeschlagenen Kurs abweichen, sondern die Pläne der Stadt unterstützen. Dies ändert nichts an der Tatsache, dass Issel eine Grünanlage mit hohem Freizeitwert für Kinder (aber auch Erwachsene) verliert. Die Protestler interessiert nicht die Frage, wohin der TuS seinen Spiel- und Trainingsbetrieb verlagert. Ihre Frage lautet, ob sich die Verlagerung des Sportbetriebs nach Schweich nicht anders finanzieren lässt als durch den Verkauf und die Überbauung einer wohnortnahen Freizeitanlage. Zwei unterschiedliche Sichtweisen treffen aufeinander. f.knopp@volksfreund.de