"Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast"

"Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast"

Die meisten Menschen sterben im Bett, sagt eine Statistik. Ist die Gefahr, abends ins Bett zu gehen, nun tatsächlich so groß? Nein. Denn es liegt vielmehr daran, dass kranke Menschen häufiger im Bett liegen, wo sie dann auch sterben können. "Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast", sagt der Trierer Professor Dr. Rüdiger Jacob.

Trier. Im vergangenen Jahr lebte jeder vierte junge Erwachsene alleine. Und im gleichen Jahr kam es bei jedem fünften tödlichen Verkehrsunfall zu einem Aufprall auf einen Baum. Täglich begegnet man Zahlen, die ermittelt wurden.
"Doch Vorsicht", sagt Professor Dr. Rüdiger Jacob, "glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast." Dass der Professor, der seit 1990 an der Universität Trier im Studiengang Soziologie lehrt, so hart mit Statistiken ins Gericht geht, hat Gründe: Zum einen können sich Fehler einschleichen und zum anderen kann bewusst manipuliert werden.
"Am wenigsten fällt dies auf, wenn man dazu bereits bei der Datenerhebung ansetzt", sagt Jacob. Weil das Thema hochkomplex ist, wird er sich bei seinem 30-minütigen Vortrag "So lügt man mit Statistik" - der Titel ist an das Buch des populären Dortmunder Professors für Sozialstatistik Walter Krämer angelehnt -auf die Fragebögen konzentrieren.
"Laien sind häufig der Ansicht, dass eine Befragung eine relativ simple Angelegenheit ist", sagt der Professor. Doch weit gefehlt. Bereits dort könnten sich Fehler einschleichen, und wie man frage, sei entscheidend für das Ergebnis. "Nur zu häufig bekommen wir Fragebögen in die Hand, die man besser einstampfen, keinesfalls aber für die Forschung verwenden sollte", sagt Wissenschaftler Jacob.
City Campus Triers lange Nacht der Wissenschaft



Man könne mit Befragungen alles belegen, wenn man wisse, wie man den mentalen Prozess der Beantwortung der Fragen steuern und damit auch manipulieren könne. Er nennt ein triviales Beispiel: Zwei Priester treffen sich beim Beten. Priester A. sagt zu dem paffenden Priester B.: "Der Papst hat uns verboten, beim Beten zu rauchen! Ich habe ihn gefragt." "Dann hast Du ihm die falsche Frage gestellt", kontert Priester B. und hakt nach. "Wie hast Du ihn denn gefragt?" Priester A. antwortet: "Dürfen wir beim Beten rauchen?" "Ich habe ihn gefragt, ob wir beim Rauchen beten dürfen", sagt Priester B.

Wer mehr über die Wirkungen von Fragestellungen bei Erhebungen und warum Statistiken lügen können, erfahren möchte, kann sich den Vortrag von Professor Dr. Rüdiger Jacob am 28. September um 21.30 Uhr im Bischöflichen Priesterseminar anhören.Extra

City Campus ist eine Großveranstaltung von Universität und Fachhochschule Trier am 28. September in der kompletten Trierer Innenstadt. Es gibt neun unterschiedliche Themenbereiche mit mehr als 150 Projekten, die eine Brücke zwischen wissenschaftlicher Arbeit und der Lebenswelt der Bürger herstellen. Der hier vorgestellte Statistik-Vortrag gehört zum Themenbereich "Wirtschaft". Im Café Kokolores und im Bischöflichen Priesterseminar geht es in den unterschiedlichsten Formen auch um den aktuellen Zensus, die Zukunft des Euro, die Frage, ob Handys oder andere Konsumgüter glücklich machen oder um die Rolle von tierischen Verhaltensweisen in modernen "social networks". Das komplette Programm online: www.citycampus-trier.de