1. Dossier

Kommentar: Bunter, aber nicht mehr braun

Kommentar: Bunter, aber nicht mehr braun

Kundgebungen zu den abstrusesten Anlässen, die riesige Polizeiaufgebote beschäftigt haben, Fackelzüge an historisch zweifelhaften Daten, juristische Auseinandersetzungen bis in höchste Gerichtsebenen mit der Verwaltung - all das hat nichts gebracht, die NPD ist nicht mehr im Stadtrat vertreten. Das ist die gute Nachricht.

Braun ist nicht mit von der Partie - aber der Stadtrat ist bunter. Die Arbeit des Gremiums wird mit einer weiteren Fraktion (AfD) und einer einzelnen Piratin vielleicht nicht leichter, aber die Welt geht deshalb nicht unter. Das Wahlergebnis repräsentiert eben die politischen Meinungen der Wähler, die Vielfalt der Stadt. Die Neuen im Rat müssen nun zeigen, dass sie nicht nur auf Wahlplakaten groß sind, sondern die zeitraubende und komplexe ehrenamtliche Arbeit ernst nehmen. Die Europawahlkampagne der AfD war eine Anti-Kampagne mit populistischen Sprüchen - es wird spannend sein, zu sehen, ob die AfD diese Linie auch kommunal fährt oder konstruktiv mitarbeitet.

Verlierer sind die Liberalen, künftig nur noch eine Kleinstpartei, und die Freien Wähler, die sich immer weiter von den UBM-Glanzzeiten entfernen. Die großen Parteien im Rat, CDU, SPD und Grüne, halten ihre Wähleranteile fast unverändert wie 2009, die CDU legt um einen Sitz zu. Sie wird durch das Ergebnis gestärkt, denn jenseits der Christdemokraten eine Mehrheit im Rat zu finden, wird künftig schwierig.

Das Wahlergebnis lässt somit auch schon einen Blick in die Zukunft zu, denn nach der Wahl ist vor der Wahl: Ob sich in der Stadt mehr oder weniger bewegt, hängt davon ab, wie sehr es dem Oberbürgermeister gelingt, die drei großen Fraktionen mit ins Boot zu holen. Die Kandidaten mögen in der nun kommenden heißen Phase des OB-Wahlkampfes ihre Unterschiede noch so sehr betonen - spätestens mit dem Tag der Amtseinführung müssen sie wieder auf Mehrheitssuche gehen, auch beim politischen Gegner. Wer Trier führen will, braucht also gleichsam Führungskraft und Überzeugungsvermögen.

m.schmitz@volksfreund.de