Die Lyme-Borreliose

Die Lyme-Borreliose

1975 erkrankten in der kleinen Stadt Lyme in Conneticut, USA, zur gleichen Zeit zwölf Kinder an Gelenkentzündungen. Die ärztlichen Untersuchungen zeigten damals, dass es sich ursächlich um eine Infektionserkrankung handelte, die durch Borrelien (Spirochäten) ausgelöst und durch Zecken übertragen wird.

In Deutschland erkranken etwa 30 000 bis 60 000 Patienten jährlich neu. Einige Stunden bis Tage nach dem Zeckenstich kommt es meist zu einer charakteristischen Hautrötung mit zentraler Abblassung (Erythema chronicum migrans, "Wanderröte"). Wenn jetzt keine antibiotische Therapie erfolgt (zum Beispiel Doxycyclin, Penicillin) besteht ein hohes Risiko für eine weitere Ausbreitung oder gar Chronifizierung der Infektion. Nach Tagen bis Wochen kann es dann zu Gelenkschmerzen, neurologischen Symptomen mit Lähmungserscheinungen (zum Beispiel Gesichtslähmung) oder in selteneren Fällen (10 Prozent) auch Herzentzündungen mit Herzrhythmusstörungen (AV-Block) kommen. Wochen bis Monate später können chronische Gelenkergüsse auftreten (20 Prozent, häufig Kniegelenke). Noch nach Jahren können sich dunkle, livide Hautschrumpfungen an Händen und Füßen entwickeln, in denen Borrelien mittels Gewebeproben nachweisbar sind. Untersuchungen im Blut, Gehirnwasser (Liquor), Gelenkerguss oder Haut bestätigen schließlich die Diagnose. Antikörper im Blut sind wegen Kreuzreaktionen mit anderen Erregern allerdings nicht selten falsch positiv. Deshalb sind diese Blutbefunde nur im Zusammenhang mit den oben genannten Krankheitssymptomen aussagekräftig. Die Diagnose der fortgeschrittenen Lyme-Borreliose ist folglich häufig schwierig und erfordert viel Erfahrung. Bei Verdacht auf eine Borreliose sollten sich betroffene Patienten schnellst möglich ihrem behandelnden Arzt vorstellen um eine frühzeitige antibiotische Behandlung nicht zu versäumen. Dr. Walter Ziese, Trier Internist-Rheumatologie

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