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„Bei uns spielen Seeed auch ohne Sänger“

„Bei uns spielen Seeed auch ohne Sänger“

Das e-Lake Festival feiert sein 20. Jubiläum. Vom 06. bis 09.08. kann man sich am Echternacher See dieses Jahr vier Tage ins Getümmel stürzen – For Free! Im Interview berichtet Veranstalter Frank Rippinger über Sponsoring, Mitternachtssnacks und kleinere Katastrophen.

Unglaublich: Das e-Lake gibt es bereits seit 20 Jahren?
Frank: Wir feiern dieses Jahr unsere 20. Edition, das sind noch keine 20 Jahre, aber 20 Ausgaben. Vor dem e-Lake gab es am gleichen Ort ein Sommerfest, das waren zweimal drei Tage im Sommer. Es wurde auch vom Jugendclub organisiert, aber nach einigen Jahren eingestellt, weil es finanziell nicht mehr tragbar war. In den letzten drei Jahren des Sommerfests bin ich mit eingestiegen und wir haben uns damals immer super amüsiert. Dann fanden wir es schade, dass es plötzlich kein Festival mehr geben sollte, dass ich gesagt habe, wir machen jetzt etwas komplett Neues, ein richtiges Festival. Es sollte kostenlos sein und über Sponsoring finanziert werden können.

Welche Sponsoren sind jetzt mit dabei?
Frank: Wir haben zwei Hauptsponsoren, das sind die ING Investment Management und die Brauerei Bofferding. Dann haben wir auch noch einen Sponsorenpool von gut 40 Sponsoren. Dadurch können wir das Festival auch heute noch ohne Eintritt anbieten. Das war vom ersten Tag an der Gedanke.

Wie viele Organisatoren stehen hinter dem e-Lake Festival und wer sind diese?
Frank: Wir sind etwa 13 Leute. Das Festival wird von der e-Lake a.s.b.l. organisiert, zusammen mit dem Jugendverein Echternach. An sich besteht die e-Lake a.s.b.l. nur aus Mitgliedern des Jugendvereins. Die Organisatoren innerhalb des Vereins wechseln so alle drei bis vier Jahre. Mit mir sind es drei Leute, die von Anfang an dabei sind.

Was macht das e-Lake aus?
Frank: Es ist ein ausgeglichenes Festival von Jugendlichen für Jugendliche. Es ist von der Größenordnung überschaubar und familiär gehalten. Mit wechselnden Musikrichtungen an allen drei Tagen halten sich pro Tag etwa 8.000 bis 10.000 Besucher auf dem Gelände auf. Traditionell bieten wir am ersten Tag Rock, Pop und Hip-Hop, am zweiten Tag elektronische Musik. Der Sonntag steht seit einigen Jahren im Zeichen der Reggae- bis Lounge-Musik, früher hatten wir sonntags 70er- und 80er-Beats. Das gesamte Festival wird ehrenamtlich organisiert, etwa 250 freiwillige Helfer sind an jedem Festivaltag vor Ort. Es fließt kein Geld in private Taschen, sondern alles, was eventuell übrigbleibt, geht in das Budget für das nächste Jahr.

Womit verdienst du denn dann deine Brötchen?
Frank: Ich arbeite auf der Messegesellschaft Luxemburg und organisiere dort Veranstaltungen der Messe. Ich habe aber eigentlich Buchhaltung studiert und Zeit meines Lebens noch nie in der Buchhaltung gearbeitet. Seit ich das
e-Lake organisiere, hat meine Arbeit immer irgendwie mit Veranstaltungsmanagement zu tun gehabt. Erst hatte ich eine Marketingagentur, jetzt arbeite ich auf der Messe.

Wo liegt der Altersdurchschnitt der Festivalbesucher?
Frank: Es geht von 14 bis 40 Jahren - im Durchschnitt liegt das Alter bei ca. 22 Jahren. Es gibt aber auch viele 30- oder 35-Jährige oder gar über 40-Jährige - ich selbst gehöre seit einigen Tagen auch zu diesen "alten" Leuten, gehe auch immer noch dorthin und fühle mich trotzdem nicht fehl am Platz.

Welche Überraschungen erwarten die Besucher anlässlich des 20. Jubiläums dieses Jahr?
Frank: Die größte Überraschung ist die Ankündigung, dass das Festival dieses Jahr einen Tag länger geht, aber es wird noch kleinere Überraschungen auf dem Festival geben, die aber im Vorfeld noch nicht verraten werden.

Wer war in den vergangenen 20 Jahren der berühmteste Künstler, der auf dem e-Lake aufgetreten ist?
Frank: Also da ist mir eine Anekdote in Erinnerung geblieben: Vor ca. fünf Jahren waren Seeed als Headliner angekündigt. Alle kamen hier an, nur der Sänger Peter Fox bekam aufgrund einer Krankheit Flugverbot und konnte nicht kommen. Davon habe ich am Festivaltag gegen 13:00h erfahren und es war das totale Chaos. Die Band hat dann kurzfristig entschieden, dass sie uns nicht hängen lassen will. Sie haben sich den ganzen Nachmittag zusammen an den See gesetzt, die Show und die Aufteilung umorganisiert und eine neue Show einstudiert. Am Ende haben sie gesagt, dass sie eine halbe Stunde ein Programm zeigen - schließlich haben sie über eine Stunde eine total geniale Show abgeliefert. Das gab es so noch nie! Selbst die Agentur war überrascht, dass die Band ganz einfach ohne Sänger performed hat.

Wie wählst du die Künstler aus - sendest du einfach massig Anfragen raus?
Frank: Nein, ich gehe da sehr punktuell heran und schaue einerseits nach Künstlern, die ins Konzept passen und von der Musikrichtung geeignet sind. Andererseits müssen diese auch zu unserem Budget passen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, einen Day-Off zu erwischen, d.h. die Band hat beispielsweise am Donnerstag einen Auftritt im Umkreis von 400km und dann erst am Samstag wieder, dann kann uns das helfen und wir bekommen die Band, die sozusagen auf ihrem Weg zum nächsten Auftritt bei uns Halt macht. Unser Backstage-Bereich ist außerdem ganz toll und wird immer in den höchsten Tönen gelobt. Wir haben beispielsweise einen Koch, der vor Ort live für die Bands kocht und wir kümmern uns sehr um die Bands. Das spricht sich herum. Beispielsweise hat einmal die Band Juli gespielt, als die Sängerin Eva gerade einige Monate Mutter war. Sie hat ihr Kind mitgebracht. Wir haben uns zusammengetan, eine eigene Loge für das Kleinkind organisiert und verschiedene Sachen, wie einen Wickeltisch oder einen Spielteppich, hingestellt. Wir hatten sogar ein kleines Geschenk für das Kind. Die Sängerin war den Tränen nahe!

Welchen Act schaust du dir auf jeden Fall selbst an?
Frank: Ich freue mich sehr, dass wir endlich die H-Blockx bekommen haben. Im letzten Jahr waren wir sehr nah dran, aber dann kam eine kurzfristige Absage wegen eines TV-Auftritts des Sängers. Deshalb bin ich jetzt sehr stolz, dass sie in diesem Jahr dabei sein werden. Auch auf SDP freue ich mich sehr, denn die sind unglaublich gut. Und natürlich freue ich mich auch auf Emil Bulls, sie haben schon mal hier gespielt. Curse wird auch richtig gut , denn er ist einfach ein sehr sympathischer Typ und ich bin gespannt, welche Songs er im Gepäck hat.

Welche Anreise empfiehlst du und warum?
Frank: Das muss jeder nach seinen Möglichkeiten entscheiden. Ob Auto, Bahn, Bus oder zu Fuß - alles ist möglich. Wenn man auf einem der ausgeschilderten P+R-Parkplätze parken möchte, muss man sich auf ca. 15 Minuten Fußweg einstellen. Von Trier und Luxemburg fahren auch Bus-Shuttles.

Welche Verpflegung wird es geben?
Frank: Von vegetarisch bis zur Wurst gibt es eigentlich fast alles, was das Festivalherz begehrt, also Pizza, Hamburger, Falafel und auch Süßigkeiten. Das gesamte Campinggelände wird außerdem von Donnerstag bis Montagmittag geöffnet sein. Auf dem Gelände wird es wieder unseren berühmten Camping-Shop geben, in dem alle überlebensnotwendigen Artikel erhältlich sind. Beispielsweise kann man sich hier auch Deo kaufen, falls das notwendig ist (lacht). Dieses Jahr wird es auch nach Festivalschluss, also gegen 3:00h, noch warmes Essen geben. Am Morgen gibt es auch Frühstück. Die Leute, die den Campingbereich schon kennengelernt haben, kennen auch das freundliche Ehepaar, das schon seit einigen Jahren diesen Shop auf dem Festival betreibt. Die Atmosphäre ist eben echt familiär.