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Geocaching
Auf Schatzsuche an der Mosel

Nicht nur mit dem GPS-Gerät kann man auf Geocache-Suche gehen. Es gibt auch Smartphone-Apps, die die nötigen Informationen und Hilfsmittel bieten. An der Markuskirche in Wittlich ist ein Cache versteckt.
Nicht nur mit dem GPS-Gerät kann man auf Geocache-Suche gehen. Es gibt auch Smartphone-Apps, die die nötigen Informationen und Hilfsmittel bieten. An der Markuskirche in Wittlich ist ein Cache versteckt. FOTO: Adrian Froschauer / TV
Wittlich. Fast 100 Geocaches sind in und um Wittlich versteckt. Wir haben versucht, ein paar ausfindig zu machen. Und das ist schwieriger, als man denkt! Von Adrian Froschauer

Irgendwo hier muss das Ding doch sein! Ich suche jede Ecke und jede Lücke an der Fassade der Markuskirche in Wittlich ab, auf der Suche nach ... Ja, nach was eigentlich? So genau weiß ich noch nicht, was mir in die Hände fallen soll bei der allerersten Geocaching-Tour meines Lebens.

Klar ist: Die Geocaching-App auf meinem Smartphone zeigt mir an, dass ich nur ungefähr einen Meter von dem kleinen Schatz entfernt bin. Ein Kompass zeigt mir sogar die Richtung. Und immer noch finde ich nichts. Etwas frustriert lese ich mir nochmal die Beschreibung des Caches „Sankt Markus Wittlich“ auf meinem Handy durch. „Nano in Augenhöhe“ steht bei den Tipps. Ich schaue nochmal nach. Und tatsächlich: Da ist er! (Wo genau, das erkläre ich hier natürlich nicht).

Geocaches gibt es in vielen Größen und Formen, von kleinen Filmdosen bis zu großen Kisten. Sogenannte Nano-Caches dieser sind die allerkleinsten. Ich halte ein grünes Metalldöschen in der Hand, kleiner als mein Daumennagel. Darin: eine schmale Papierrolle, auf der alle vorherigen Finder ihren Online-Spitznamen und das Datum eingetragen haben. Ich verewige mich neben „Findefuchs“, der ein paar Tage vor mir seinem Namen Ehre gemacht hat. Die Dose muss nun wieder sorgfältig an derselben Stelle versteckt werden. Dann darf ich den Fund „loggen“, also online festhalten. Ein wenig stolz bin ich schon, als neben dem Namen des Caches ein kleiner Smiley und neben meinem Namen eine „1“ erscheint: die Anzahl meiner geloggten Caches.

Bei Michael Birkel sieht das anders aus: 11 500 Geocaches hat der Trierer bereits in 23 Ländern gefunden. „Ich plane mittlerweile meinen Urlaub danach, wo viele interessante Caches sind“, erzählt er. „Man wird immer wieder an Plätze geführt, die man als normaler Tourist gar nicht finden würde.“ Das ist für Birkel der große Reiz am Geocaching: neue Orte und Menschen kennenlernen.

Das macht Geocaching auch für die Tourismus-Branche interessant. Die Tourist-Information Bitburger Land etwa verleiht GPS-Geräte und stellt auf ihrer Homepage verschiedene Strecken für Caching-Anfänger vor. Geschäftsführerin Maria Arvanitis erklärt: „Beim Geocaching und GPS-geführten Wanderungen lernen Urlauber unterschiedliche Besonderheiten der Natur kennen, ganz ohne Schilder an Bäumen, die einen exakten Weg vorgeben.“

Fast 100 Caches sind alleine in und um Wittlich versteckt. Mein erster Geocache hat laut App den Schwierigkeitsgrad 1,5 von 5. Ich bin bereit für größere Herausforderungen. Denke ich zumindest.

Wenn ich schon an der Markuskirche bin, dann kann ich auch den Cache „Wittlicher Spitzen“ ausprobieren, der hier beginnt. Er ist ein sogenannter „Mystery-Cache“. Das bedeutet: Bevor man den Cache findet, muss man an den angegebenen Koordinaten ein Rätsel lösen. Wie schwer kann das schon sein?

Zunächst gilt es, ein Sudoku zu lösen. Die richtigen Zahlen helfen beim nächsten Schritt: Ich soll mit einem Zirkel auf einer topografischen Karte einen Kreis mit einem Radius von fünf Kilometern um die Kirche zeichnen. Die Zahlen ergeben Schnittpunkte, die mit Linien verbunden werden. Wo die Linien sich kreuzen, soll ich weitere Hinweise finden, und nach noch einigen Rechnungen ergeben sich die tatsächlichen Koordinaten des Caches ... Ganz einfach, oder? Spätestens jetzt merke ich: Zum Geocaching ist doch mehr Zeit und Vorbereitung nötig, als ich gedacht hatte.

Es geht noch extremer: Einer von Michael Birkels Lieblings-Caches in der Region ist ebenfalls ein Mystery-Cache: Ein Kollege hat die zum Finden nötigen Hinweise mit einer Enigma verschlüsselt, einer Maschine, die die Wehrmacht zum Verschlüsseln ihrer Nachrichten verwendete und die im Zweiten Weltkrieg lange als „unknackbar“ galt. „Wir haben in einer großen Gruppe sehr lange daran herumgeknobelt“, erzählt Birkel. „Gleichzeitig haben wir viel über die Geschichte und die Funktionsweise der Enigma gelernt. Das war toll!“

Birkel bezeichnet sich selbst als ein wenig „bekloppt“, was Geocaching angeht: „Ich wandere sehr gerne, war früher bei der Feuerwehr und bei den Pfadfindern, und als ich dann 2013 zum ersten Mal Caching ausprobierte, gab es kein Halten mehr.“

Mit seiner „Beklopptheit“ liegt Birkel im Trend: Mehr als 20 000 Geocaches sind laut geocaching.com in Rheinland-Pfalz versteckt, davon insgesamt gut 3000 alleine in den Kreisen Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm und Vulkaneifel. Auch ähnliche Angebote erfreuen sich immer größerer Beliebtheit: Vor zwei Jahren brachte die Smartphone-App „Pokémon Go“ Zigtausende Jugendliche dazu, kleine Monster in Wäldern und Städten zu jagen. Und in Bitburg lädt die „Felicio GPS-Rallye“ dazu ein, die Stadt mit dem GPS-Gerät oder dem Smartphone zu erkunden. „Dabei sind aber keine Caches versteckt“, erklärt Maria Arvanitis. „Stattdessen wird man zu den verschiedenen Stationen eines Eifelmärchens geführt und muss dort Rätsel lösen oder Fragen zur Stadt beantworten. Die Antworten führen dann zur nächsten Station.“

Allzu komplex sind die Wittlicher Geocaches nicht verschlüsselt. Dennoch: Die Koordinaten eines Caches sind auf einem Straßenschild versteckt – sichtbar nur unter dem Licht einer UV-Lampe. Andere Caches sind in mehrere Etappen aufgeteilt, wie der „Säubrenner-Cache“, der wie auf einer Schnitzeljagd von Hinweis zu Hinweis durch die ganze Stadt führt. Ich konzentriere mich zunächst lieber auf die „Traditional Caches“. Das heißt: Finde das Versteck, trage dich ins Logbuch ein, fertig.

Doch ganz so einfach ist auch das nicht immer. Am ZOB in Wittlich ist der Cache „Z(entrum) O(hne) B(edeutung)“ versteckt. Ich bin mir sehr schnell sicher, wo ich suchen muss. Das Problem: neugierige Augen. Familien kommen beim Bummeln vorbei, Schüler warten auf Busse, Taxifahrer auf Passagiere. Schon die Beschreibung des Caches warnt: „Seid bitte vorsichtig, hier sind fast immer Muggels unterwegs.“

„Muggel“: So nennen die Zauberer in den „Harry Potter“-Romanen normale Menschen, die nicht zaubern können. Den Begriff haben die Geocacher für Uneingeweihte übernommen. Man soll beim Suchen, Finden und Verstecken unauffällig bleiben, damit keine Muggel die Caches bemerken und eventuell wegwerfen, weil sie sie für Müll halten.

Das ist aber nicht das Schlimmste, was passieren kann. Michael Birkel erinnert sich: „Ein Geocacher hat mal in Trier am Frankenturm die Polizei auf den Plan gerufen. Er ist so auffällig unauffällig herumscharwenzelt, dass Leute dachten, er hätte da Drogen oder eine Bombe versteckt.“

Aber Birkel selbst hatte noch nie Probleme, wenn er „erwischt“ wurde: „Die Leute fragen eher, was man tut, bevor sie gleich die Polizei rufen.“ Nach einer kurzen Erklärung würden sich oft sogar interessante Gespräche ergeben. „Einmal hat eine ältere Frau gesagt, dass ihr Enkel auch mitmacht und er sich bestimmt freut, wenn sie ihm erzählt, dass ein Cache bei ihr in der Nähe versteckt ist. Da mussten wir ihr schnell erklären, dass sie das auf keinen Fall machen darf, weil es ihm sonst den Spaß verdirbt.“

Unauffällig zu bleiben ist gar nicht so einfach. Ich stehe lange am Wittlicher ZOB herum und „warte auf den Bus“. Endlich sitzen die meisten Schüler selbst in Bussen, und die Taxifahrer sind auch alle unterwegs. Ich eile zum Versteck. Dieses Mal finde ich den Cache sofort. Ich fühle mich wie ein Verschwörer, während ich meinen Namen auf den Zettel schreibe und den Cache klammheimlich wieder verstecke.

Kein Wunder, dass Geocaching so beliebt ist: Jeder Fund ist ein Erfolgserlebnis, gepaart mit einer Entdeckungstour und dem Gefühl, einer von wenigen Mitwissern eines Geheimnisses zu sein.

Weiter geht’s! In ein paar Hundert Metern Entfernung wird mir schon der nächste Cache angezeigt.

Gefunden! Und so sieht er aus, der sogenannte Nano-Cache bei der Markuskirche. Das genaue Versteck verraten wir natürlich nicht. In der kleinen Dose steckt ein Zettel, auf dem die Finder sich verewigen können, das sogenannte Logbuch.
Gefunden! Und so sieht er aus, der sogenannte Nano-Cache bei der Markuskirche. Das genaue Versteck verraten wir natürlich nicht. In der kleinen Dose steckt ein Zettel, auf dem die Finder sich verewigen können, das sogenannte Logbuch. FOTO: Adrian Froschauer / TV