1. Meinung

Glanzlichter im Bauerngarten

Glanzlichter im Bauerngarten

„Bitte um Rückruf“, tönte es vom Anrufbeantworter. Keine Telefonnummer, der Name von technischen Nebengeräuschen geschluckt. Der, den ich zurückrufen sollte, hatte mir den Mund mit einem Bauerngarten wässrig gemacht. Ich wählte die ortsansässige Gaststätte an.

"Gastwirtschaft haben wir nicht mehr", sagte die Frau am anderen Ende der Leitung, aber eine Idee, wie sie mir weiterhelfen könne. Ich dürfe aber auch gerne über "ihre alten Tiere schreiben". Sie hätten eine 33-jährige Stute. Das ist ein hohes Alter für ein Pferd - und bestes Pfingstrosenalter. Päonien gehören zu den Stauden mit der längsten Lebensdauer. Das heißt auch: Man darf sie nicht oft verpflanzen.

"18 Jahre haben wir unseren Collie und ein gleichaltriges Schaf", sagte die Frau. Die beiden seien zusammen aufgewachsen, gingen zusammen spazieren. Das Schaf meine "et wär en Hund".

Kenn ich von den Schwertlilien: Ich glaube, sie halten sich mit ihren Blattschwertern für Ritter. Als Fleur de lys ging die Blüte der Florentiner Schwertlilie ins Lilienbanner der französischen Könige ein. Den verblühten Schwertlilien schneidet man jetzt die Stängel ab und fleckiges Laub bis ins gesunde Grün runter.

Der bunteste Vogel sei ihr Papagei, erzählte die Frau. "Der Ring war so eingewachsen, dass ich zum Tierarzt ging." Der habe das Tier nur unter Vollnarkose befreien können. Der Mediziner schickte sie zum Juwelier. Der fuhr mit seinem Werkzeug unter den Ring.

Da sieht man mal wieder, wie wichtig Spezialgerät ist. Ich sage nur, die Kralle für frisch aufgekeimtes Unkraut. Die lockert gleichzeitig den Boden. "Jetzt find ich Ihnen den Mann heraus", sagte die Frau. Der Rückruf kam, bevor ich noch Gänsekresse, Blaukissen und Schleifenblume zurückgeschnitten hatte. Um ein Drittel gekappt bilden sie frisches Grün, bleiben kompakt und - die Glanzlichter im Bauerngarten.

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