Politik

Zur Berichterstattung über die Wahl des US-Präsidenten und die Konsequenzen diese Meinungen:

Erschreckend: der Wahlkampf in den USA und das Ergebnis. Der Mensch ist ein Vernunftwesen. Zwangsläufig ist er damit auch ein moralisches Wesen, das verantwortlich ist für sein Handeln, weil seine Vernunft ihn befähigt, zwischen richtig und falsch beziehungsweise gut und böse zu unterscheiden. Die Vernunftausstattung begründet die besonders hervorgehobene Stellung des Menschen unter allen Geschöpfen unseres Planeten, seine besondere Würde und die Verpflichtung, sein Verhalten nach den Vorgaben der Vernunft auszurichten. Tut er dies nicht, so verhält er sich im wahrsten Sinne des Wortes menschenunwürdig. Eine eindrucksvolle Demons tration eines solch menschenunwürdigen Verhaltens haben wir gerade im Wahlkampf um das Amt des Präsidenten in den USA erlebt. Donald Trump hat bei seinem Werben um die Wählergunst die moralischen Regeln und Pflichten, die sich aus der Vernunft ableiten, weitgehend ignoriert. Mit ganz offensichtlichen Lügen, mit proletenhaften sexistischen Aussagen, mit rassistischen Ausfällen und mit Versprechen an die Wähler, die er nicht erfüllen kann, hat er an die niederen Instinkte im Menschen appelliert. Wie der berüchtigte Elefant im Porzellanladen "trumpelte" er dabei die moralischen Grenzen und die zivilisatorischen Regeln nieder - und hat die Wahl gewonnen. Er ist nun in der Position, die man als die mächtigste in der Welt bezeichnet. Da kann, nein, da muss einem angst und bange werden um die Zukunft der menschlichen Gesellschaft. Sind wir mehrheitlich tatsächlich auf Kurs in die Irrationalität, in eine moralische Anarchie und damit in ein gesellschaftliches Chaos? Dann kann auch die Demokratie auf Dauer nicht mehr funktionieren, denn sie braucht verantwortlich mitdenkende Bürger, die die gesellschaftlich notwendigen Regeln respektieren. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Reaktion der rechten Parteien in Europa. Sie spenden dem Wahlsieger in den USA unverhohlen ihren Beifall und demaskieren und diskriminieren sich damit selbst. Es besteht die Gefahr, dass sie den Wahlkampfstil Trumps in ihren Ländern kopieren wollen und werden. Dann bleibt uns die Hoffnung, dass die Mehrheiten in den europäischen Ländern geistig noch gesünder sind. Herbert Reichertz, Bleialf Und wieder sind wir soweit. Es wird spekuliert und analysiert. Trump hat die Unzufriedenheit eines Großteils der Bevölkerung der westlichen Welt genutzt. Er hat erkannt, dass das Volk sich von der Politik nicht mehr vertreten fühlt. Jeder fühlt sich bemüht, ihn ob seines Verhaltens im Wahlkampf zu diffamieren. Hier sollte erst einmal abgewartet werden, wie er tatsächlich agiert. Wir sollten offen sein für die Aktivitäten eines neuen Präsidenten. Geben wir ihm eine Chance. Jutta Just, Trier In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts sprachen die Soziologen in Deutschland von der real existierenden Zweidrittel-Gesellschaft. Sie meinten damit, dass ein Drittel der Deutschen zu den Abgehängten zählt. Das ist jetzt gut 30 Jahre her. Besserung Fehlanzeige. Im Gegenteil, inzwischen dürften sich die Verhältnisse in ganz Europa eher in Richtung zur Eindrittel-Gesellschaft hin entwickeln, also Tendenz: zwei Drittel Abgehängte. In den USA ist das nicht anders, eher noch extremer. Jetzt haben die Abgehängten mit ihrer Mehrheit zugeschlagen. Sie haben auf die ebenso endlosen wie folgenlosen Versprechungen der politischen Eliten aller Couleur gepfiffen, einmal in vier Jahren geht das in einer Demokratie. Dass jetzt ausgerechnet ein Alpha-Kapitalist den Kapitalismus reformieren soll, ist natürlich ein Treppenwitz der Weltgeschichte. Der von der Politik geförderte, ungezügelte Kapitalismus hat längst aus dem Menschen ein Raubtier gemacht, ein Raubtier in freier Wildbahn, ungezähmt. Jetzt gab es den ersten Schmerzensschrei der Opfer, weitere werden folgen. Wenn in einer Boomstadt wie San Francisco eine Familie mit 10 000 Dollar Monatseinkommen als Sozialfall gilt, weil sie ihre Monatsmiete von 7500 Dollar für eine Drei-Zimmer-Wohnung nicht mehr bezahlen kann, dann ist das ein deutlicher Beleg für einen Systemfehler. Das Dumme ist nur: Trump wird den nicht beheben. Er ist selbst Immobilienhai. Vielleicht brauchen wir wirklich eine Weltrevolution im Sinne von Karl Marx. Sein 200. Geburtstag in anderthalb Jahren wäre ein ausgezeichnetes Startdatum. Nur dass sie ausgerechnet von Trier ausgehen wird, habe ich leider zu bezweifeln. Carl von Lieser, Trier Angela Merkel hat ihre Glückwünsche an Donald Trump mit einer Belehrung zu gemeinsamen Werten verbunden. Das war bemerkenswert. Vielleicht war dies eine Reaktion auf die Aggressivität seiner Wahlkampagne. Sie hätte auch gleichzeitig ihr Schreiben leicht verändern und vervielfältigen lassen können und an die Staatschefs dieser Welt versenden, die noch viel dringender einer Belehrung bedürfen. Die Namen der üblichen Verdächtigen fallen uns sofort ein. Trump als Chef der Exekutive wird mit einem Kongress mit einer republikanischen Mehrheit arbeiten, aber viele Abgeordnete müssen von seinen (teils extremen) Vorschlägen überzeugt werden, bevor sie die Gesetze dazu verabschieden. Nichtsdestotrotz ein großes Ausgabeprogramm mit höherer Inflation und Zinsen in den USA, Abstand von der unbedingten Beistandsgarantie der Nato und ein Zurückfallen in den Protektionismus würden den Euro betreffen, die Europäer zwingen, ihre eigene Verteidigung ganz zu finanzieren und Exportnationen wie die Bundesrepublik wirtschaftlich schwächen. Hier würden alle TTIP- und Globalisierungs-Gegner in Trump einen wahren Freund erkennen, der uns dann in die 30er Jahre zurückwerfen könnte, die wir am liebsten vergessen wollen. Peter Oldfield, Mertesdorf