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Missbrauchsopfer bekommen bald Geld

Trier. Die katholische Kirche will die Opfer sexuellen Missbrauchs in ihren Einrichtungen noch in diesem Jahr entschädigen. Das hat der Missbrauchsbeauftragte und Trierer Bischof Stephan Ackermann angekündigt.

(sey) Der seit knapp einem Jahr amtierende Missbrauchsbeauftragte der deutschen Bischöfe bestätigte in einem Interview mit der Deutschen Presseagentur erstmals, dass die Opfer mit einer Entschädigungszahlung zwischen 2000 und 5000 Euro rechnen könnten. In besonderen Härtefällen könne der Betrag auch darüber liegen. Zahlen soll laut Ackermann in der Regel der Täter; wenn dieser nicht mehr in die Pflicht genommen werden könne, springe das jeweilige Bistum ein. Dass sich die deutschen Bischöfe wohl auf dieses Vorgehen verständigen würden, hatte unsere Zeitung bereits vor zwei Wochen gemeldet.

Laut Ackermann soll das Paket, zu dem auch ein Präventivfonds und die Übernahme von Therapiekosten gehören, Anfang März der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Über die Opferanträge soll ein Gremium bei der Bischofskonferenz entscheiden, dessen Zusammensetzung noch nicht feststehe. Im Bistum Trier haben sich laut Ackermann bislang 40 Frauen und Männer gemeldet, die nach 1950 von katholischen Priestern oder kirchlichen Bediensteten missbraucht worden sind. Das Aktionsbündnis der Missbrauchsopfer im Bistum Trier (Missbit) geht davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist.

Aus welchem Topf das Bistum die Entschädigungen zahlen wird, ist weiter unklar. Eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung blieb gestern unbeantwortet. Indes sorgt das von über 200 Theologie-Professoren unterzeichnete Memorandum für eine Kirchenreform weiter für Streit im Bistum. Der Trierer Theologie-Professor Wolfgang Ockenfels bezeichnete das Memorandum gestern in einem österreichischen Internetportal als „grotesken Aufstand theologischer Zwerge, die sich als Koryphäen aufspielen“. Bischof Stephan Ackermann, der auch Großkanzler der Theologischen Fakultät Trier ist, hatte dagegen Reformbefürworter und –gegner zu einem respektvollen Umgang aufgerufen.