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SDP bewegen sich im den Atelier zwischen Tiefsinn und Klamauk

Konzert : Zwischen Tiefsinn und Klamauk

Das Berliner Duo SDP liefert vor vollem Haus im den Atelier in Luxemburg eine gute Show mit seinen größten Hits und zeigt seine große Bandbreite.

Die kleinste Show im kleinsten Land der Tour. Für das Duo SDP (dahinter steckt Stonedeafproduction – etwaige Ähnlichkeit zur Abkürzung SPD ist natürlich absolut zufällig) ist das Konzert im vollgepackten den Atelier in Luxemburg-Stadt im Vergleich zu den riesigen Hallen, die es aktuell meist füllt, winzig. Die beiden Musiker Vincent Stein und Dag-Alexis Kopplin wissen das zu schätzen und freuen sich mehr als einmal im Laufe des gut zweistündigen Konzerts darüber, das Publikum bis in die letzte Reihe sehen zu können.

Das ist vorwiegend jung und zeigt sich bei vielen Songs textsicher. Die sind bei SDP der wohl wichtigste Bestandteil ihrer Musik und lassen sich, genauso wenig wie die übrigen Bestandteile, kaum in eine Schublade stecken. Von ironischem Klamauk über tiefsinnige, teils balladeske Lieder findet man die ganze Bandbreite an Möglichkeiten auf den Alben, die das Duo seit den frühen 2000er veröffentlicht.

Der Durchbruch kam 2010 mit dem Song „Ne Leiche“. Dafür arbeiteten sie mit Rapper Sido zusammen – das Video bei Youtube wurde millionenfach geklickt. Seit diesem Moment sind Vincent und Dag offenbar erfolgsverwöhnt: Ihre Videos bewegen sich fast ausschließlich im zweifachen Millionenbereich, die eingangs erwähnten ausverkauften, sehr ausgiebigen Touren und hervorragende Chart-Platzierungen, das Duo trifft einen Nerv. Dass es dabei musikalisch ähnlich wild variiert wie textlich, scheint dem keinen Abbruch zu tun. Als Zuhörer bewegt man sich zwischen Pop, Rap, und karnevalesker Tanz-Saufmucke – langweilig wird das jedenfalls nicht.

Live liefern die Jungs gemeinsam mit ihrer Band eine mitreißende Show, wenngleich das Publikum in Luxemburg sich vor allem in den vorderen Reihen in Tanzlaune befindet, der Rest ist bis zum letzten Drittel des Gigs verhältnismäßig unbewegt. Was von der Bühne aus abgefeuert wird, ist ein Querschnitt der bekanntesten Songs, vom Party-Überhit „Die Nacht von Freitag auf Montag“ hin zur Ballade  „Millionen Liebeslieder“ oder dem herrlich Musikbranche-auf-die-Schippe-nehmenden „Das Lied“. Dabei achten die Künstler darauf, zu jedem Stück eine passende Anmoderation zu wählen. „Ne Leiche“ beginnt mit dem Besuch zweier (deutscher) Polizisten mit Durchsuchungsbefehl im luxemburgischen Club und der Aufforderung ans Publikum, den Gummipuppentoten „unauffällig“ verschwinden zu lassen. Zur „Nacht von Freitag auf Montag“ kommt ein Butler mit Bier, Schnaps und „Chrystal Meth“ auf die Bühne und gibt zumindest von den Flüssig-Drogen auch dem Publikum ein wenig ab.

Dass SDP trotz der Erfolge nahbar bleiben, merkt man nicht nur an der Nähe, die Vincent Stein immer mal wieder zu den ersten Reihen sucht. Einige Songs werden nach einer ersten kurzen Pause auf der Empore gespielt, bevor es quer durch den Club zurück zur Bühne geht, wo die Show unvermindert weitergeht.

Keine Frage – der Erfolg ist dank der interessanten Mischung und der sympathischen Künstler, die sich selbst und ihre Musik immer mit einem Augenzwinkern sehen, gerechtfertigt und hat das Zwischenspiel in Luxemburg zu einem amüsanten Schauspiel gemacht.