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Pellets – Heizen mit Holz: Wirklich nur aus Holzabfällen hergestellt?

Heizen mit Holz : Bestehen Pellets wirklich immer nur aus Holzabfällen?

Wenn Holzpellets aus der Produktion kommen, kann niemand mehr sehen, wie sie hergestellt wurden. Oft heißt es ganz pauschal, sie bestehen aus Sägespänen und ähnlichen Resten. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit.

Seit die Energiepreise in die Höhe schießen, erfährt das Heizen mit Holz wieder größere Aufmerksamkeit. Dabei geht es nicht immer nur um die Preisentwicklung oder um die Diskussion über Umweltfreundlichkeit von Pellets. Gelegentlich taucht auch die Frage auf, ob die Pellets denn wirklich rein aus Holzabfällen entstehen. Diese pauschale Aussage kann man nämlich sogar auf den Websites mancher Produzenten finden.

Könnte es denn nicht doch sein, dass diverses Rundholz in die Produktion mit einfließt? Werden Bäume extra gefällt, nur damit man sie zu Brennmaterial pressen kann? Ein Blick auf die Produktion in Deutschland kann zumindest beantworten, wie die Situation hierzulande aussieht.

Woher kommen die Pellets fürs Heizen mit Holz?

Mit Blick auf das Jahr 2021 lässt sich zunächst feststellen, dass der Verbraucht von Pellets in Deutschland zum größten Teil aus heimischer Produktion gedeckt wurde. Das zeigen Zahlen des Deutschen Pelletinstituts, einer Interessenvertretung von Unternehmen der Pelletindustrie.

Der Anteil der Inlandsproduktion am gesamten Verbrauch lag demnach bei 86,5 Prozent. Weitere 9,9 Prozent wurden aus Nachbarländern importiert, 3,1 Prozent stammten aus Russland, Weißrussland oder der Ukraine. Alle weiteren Importe machten weniger als 1 Prozent des deutschen Verbrauchs aus.

Holzabfälle und Rundholz: Was in Deutschland zu Pellets verarbeitet wird

Zu den großen Produzenten in Deutschland gehören beispielsweise die ante-Gruppe und Pfeifer. Beide Unternehmen bieten verschiedenste Produkte aus dem Bereich der Holzindustrie an und erklären, dass der Rohstoff für ihre Pellets rein aus den eigenen Sägewerken kommt.

So läuft die Produktion aber nicht immer ab. Einen anderen Weg geht zum Beispiel das Unternehmen Westerwälder Holzpellets mit einem Produkt namens Waldpellets. Hierfür werden „im Wesentlichen Durchforstungshölzer aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung“ genutzt. Mit dem Begriff Durchforstungsholz oder Schwachholz werden Bäume bezeichnet, deren Durchmesser zu klein ist, um in der Sägeindustrie verwendet zu werden. Es geht in diesem Fall also ausdrücklich nicht um Pellets, die aus Holzabfällen entstehen.

Es gibt darüber hinaus noch eine weitere Art von Holz, die verwendet werden kann. Sie hat sich in der Pellet-Produktion aber noch nicht im großen Maßstab durchgesetzt. Gemeint ist Holz von sogenannten Kurzumtriebsplantagen, die es auch in Deutschland gibt. Dabei handelt es sich nicht um Wälder, sondern um Baumbestände die auf Agrarflächen angepflanzt werden und meist als Energieträger dienen sollen.

Kurzumtriebsplantagen bestehen „aus schnell wachsenden und ausschlagfähigen Gehölzen wie Weide und Pappel“, erklärt der Umweltverband NABU. Sie sollen innerhalb weniger Jahre ihren Ertrag liefern. Der NABU stuft die Plantagen als „eine ökologisch sinnvolle und gleichzeitig wirtschaftliche Option für die Landwirtschaft“ ein. Falls der Bedarf nach Pellets weiter steigt, könnte er zukünftig stärker aus diesen Hölzern gedeckt werden.

Die aktuellen Zahlen zu Pellets aus Deutschland

Das Deutsche Pelletinstitut hat vor Kurzem erst seinen aktuellsten Überblick zur Pellet-Produktion in Deutschland veröffentlicht. Demnach gingen in die Produktion des Jahres 2021 rund 90 Prozent Sägenebenprodukte ein, also Hackschnitzel und Späne. Rund 10 Prozent kommen aus nicht-sägefähigem Rundholz, also zum Beispiel den Stämmen, die nach einer Durchforstung nicht anderweitig verwendbar sind. Bei importierten Pellets kann das Holz natürlich auch aus anderen Quellen stammen.

Die klare Antwort lautet also: Nein, Pellets bestehen auch in Deutschland nicht nur aus Holzabfällen, die in der Sägeindustrie anfallen. Eine solche Aussage kann immer nur ein bestimmter Hersteller für seine eigenen Produkte treffen. Sie ist keinesfalls allgemeingültig. Wenn Bäume direkt in die Pellet-Produktion gehen, muss das aber andererseits auch nicht bedeuten, dass extra für das Heizen mit Holz der Wald gerodet wird.