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Umwelt
Mehr Infos über Kerosinregen gefordert

FOTO: dpa / Frank Rumpenhorst
Mainz. Nach den zunehmenden Protesten gegen das Spritablassen von Flugzeugen hat die rheinland-pfälzische Landesregierung den Bund zu mehr Transparenz und einem raschen Handeln aufgerufen. Von Rolf Seydewitz

SPD-Fraktionschef Alexander Schweitzer wirft Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in diesem Zusammenhang eine unverantwortliche Blockadehaltung vor. Der Bund müsse endlich dafür sorgen, dass alle Fälle von Treibstoff-Notablässen nach spätestens 24 Stunden publik gemacht werden, fordert Schweitzer.

Das sogenannte fuel dumping ist in Rheinland-Pfalz seit Jahren ein Erregethema. Nach offiziellen Angaben wurden im vergangenen Jahr bundesweit 580 Tonnen Kerosin abgelassen, ein Großteil davon – 370 Tonnen – über Rheinland-Pfalz. Die Spritablässe dienen dazu, das Gewicht der Flugzeuge vor einer außerplanmäßigen Landung zu reduzieren. Jeder beabsichtigte Kerosinablass muss der Deutschen Flugsicherung (DFS) gemeldet werden, im militärischen Bereich dem Luftfahrtamt der Bundeswehr. Der Lotse weist den Piloten dann einen Luftraum zu, in dem das Flugbenzin abgelassen werden kann – ein bis zwei Tonnen pro Minute.

Das Kerosin wird von den Turbulenzen hinter dem Flugzeug  „zu einem feinen Nebel verteilt“, der größtenteils verdunste und in der Atmosphäre verbleibe, so die Bundesregierung in einer älteren Antwort an die Grünen. Nur ein kleiner Teil erreiche den Boden, die Kontamination sei vernachlässigbar.

Genau das aber bezweifeln die Kritiker, zu denen auch die regionale Landtagsabgeordnete und Grünen-Verkehrsexpertin  Jutta Blatzheim-Roegler aus Bernkastel-Kues zählt. Mit Spannung wird ein neues  Gutachten erwartet, das nach Angaben der Bundesregierung im November vorliegen soll.

Unabhängig von dem ausstehenden Gutachten soll der Bund künftig rasch über jeden Kerosinablass, die Menge, den Grund und das betroffene Gebiet informieren, fordert die Mainzer Landesregierung in einem Entschließungsantrag für den Bundesrat. „Wir wollen, dass die Bürger wissen, wenn Flugzeuge über ihren Köpfen Kerosin ablassen“, sagt auch der Mainzer Verkehrsminister Volker Wissing (FDP).

Die Fuel-Dumping-Debatte hatte in Rheinland-Pfalz zuletzt auch wegen einer Unterschriftenaktion der Initiative Pro Pfälzerwald an Fahrt gewonnen, an der sich bislang nach Angaben der Initiatoren über 73 000 Menschen beteiligt haben. In der  Internet-Petition wird gegen den „Kerosin-Regen“ über dem Pfälzerwald gewettert und zugleich gefordert, dass die Bürger zeitnah und umfassend informiert werden müssten. Auch der Kaiserslauterer Kreistag hatte diese Woche einstimmig eine Resolution gegen den Kerosinablass über der Region verbaschiedet. Rheinland-Pfalz und das Saarland sind nach Angaben der Bundesregierung wegen der Nähe zu den Flughäfen Köln/Bonn und Frankfurt überproportional oft von Spritablässen betroffen. Da ein notwendiger Treibstoffschnellablass in der Regel vor der Landung erfolge, sei dieser Zusammenhang naheliegend.