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Schatzsucher in der Eifel

Mainz. Schlauer Unternehmer oder eiskalter Abzocker? An Kai Richter scheiden sich die Geister. Der Geschäftsmann aus Düsseldorf spielt seit Jahren eine tragende Rolle am Nürburgring. Wie er überhaupt an die Eifel-Rennstrecke kam, bleibt ein Mysterium. Frank Giarra

Manche Menschen sagen, Kai Richter hätte das gewisse Etwas. Wer sich mit ihm unterhält, gewinnt den Eindruck eines cleveren, smarten und überzeugenden Gesprächspartners. So muss es 2007 wohl auch der damalige Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) empfunden haben, als Richter bei ihm vorstellig wurde. Der Kaufmann, stets bestens gekleidet, warb mit seiner Firma Mediinvest darum, beim großen Projekt "Nürburgring 2009" mitmachen zu dürfen. Und er durfte. Warum, bleibt eines der großen Rätsel der Nürburgring-Affäre. Deubel präsentierte Richter als Investor, obwohl der mit seiner Mediinvest GmbH laut Creditreform-Daten 2005 nur 236.000 Euro Jahresumsatz erwirtschaftet hatte. Ein Jahr später waren es 705.000 Euro. Dass dies nicht der erforderliche finanzielle Hintergrund war, um ein millionenschweres Investment zu stemmen, war offensichtlich. Als der vermeintliche Geldgeber, der mit der von ihm gegründeten Projektgesellschaft MSR zwei Hotels direkt an der Rennstrecke, das Partydorf "Grüne Hölle", einen Ferienpark in Drees und ein Personalhaus in Adenau errichtete, mit einem Baustopp drohte, bekam er am Landtag und an der Öffentlichkeit vorbei selber Geld. 85,5 Millionen Euro flossen über eine Tochter der landeseigenen Förderbank ISB an die MSR. Richter sitzt seitdem am Ring fest im Sattel. Erst als der TV die Hilfe des Landes enthüllte, schwenkten die Verantwortlichen in ihrer Wortwahl um. Plötzlich hieß es, Richter sei immer Projektentwickler gewesen. Nie Investor. Sonderbericht Rechnungshof Zweifel am Geschäftsgebaren des Managers keimten auf, als der Rechnungshof 2010 einen Sonderbericht zum Nürburgring vorlegte. Dort hieß es, Richter habe mit seiner Mediinvest "zu keinem Zeitpunkt über ein gesichertes Konzept zur langfristigen Finanzierung ihrer Investitionen" verfügt. Die Prüfer stellten auch fest, Richter oder Firmen mit seiner Beteiligung hätten immer wieder versucht, die landeseigene Ring GmbH mit überhöhten Rechnungen oder ungerechtfertigten Weiterleitungen zu belasten. Rund fünfeinhalb Millionen Euro habe Richter so kassiert. Offenbar aufgrund des Rechnungshof-Berichtes wurde im Juni 2010 die Staatsanwaltschaft Koblenz aktiv. Sie ließ Geschäftsräume Richters durchsuchen und nahm Ermittlungen gegen ihn und sieben weitere Beschuldigte wegen des Verdachts der Untreue oder der Beihilfe dazu auf. Gegen Ex-Finanzminister Deubel ist mittlerweile Anklage erhoben worden. Das Verfahren gegen Richter wurde abgetrennt. Hier laufen die Ermittlungen noch. Für den blonden Sonnyboy aus dem Rheinland, der in der Eifel ein Jagdrevier gepachtet hat, teure Autos fährt und angeblich eine Yacht besitzt, könnte es nach jüngsten Enthüllungen des "Handelsblatts" bald eng werden. Bis zu acht Millionen Euro sollen von den 85,5 Millionen Euro Landeshilfe an Richter persönlich oder Firmen, an denen er beteiligt war, abgeflossen sein. Dabei soll unter anderem Geld für ein anderes Mediinvest-Projekt im österreichischen Kössen abgezweigt worden sein, heiße es in einem Gutachten der Staatsanwaltschaft. Die Strafverfolger wollen sich "aus ermittlungstaktischen Gründen" nicht dazu äußern, ob es ein solches Gutachten gibt. Laut "Handelsblatt" wirft auch die Verwendung der Landesmillionen, die tatsächlich bei Richters MSR eingingen, Fragen auf. Richter soll über ein von ihm geschaffenes Firmengeflecht Gesellschaften Millionen entzogen haben. Richter will sich auf Anraten seiner Anwälte nicht zu den Vorwürfen äußern (siehe Extra). Das Land rückt mittlerweile deutlich vom zuvor gepriesenen Partner Kai Richter ab, wie die Kündigung des Pachtvertrages mit ihm und Hotelier Jörg Lindner beweist. SPD-Fraktionschef Hendrik Hering tat kund, er hätte sich schon früher von Richter getrennt, es aber nicht gekonnt. CDU-Fraktionsvize Alexander Licht schüttelt nur noch den Kopf. Er will gehört haben, Richter habe geprahlt, seine Vermögensbildung in der Eifel sei noch nicht abgeschlossen. Schlauer Unternehmer oder eiskalter Abzocker? Erst wenn die Staatsanwaltschaft die Ergebnisse ihrer Ermittlungen präsentiert, wird man diesbezüglich klarer sehen. Extra: Das sagen Kai Richters Anwälte

Auf Anraten seiner Anwälte wird sich Kai Richter zu den laufenden Ermittlungen nicht äußern. In einer Pressemitteilung heißt es, dass ein Ermittlungsverfahren gegen Richter in dem Hauptkomplex Nürburgring, das sich mit der Mittelbeschaffung befasse, eingestellt worden sei. Seine Anwältin Renate Verjans erklärt: "Ob die Ermittlungen in dem nunmehr verbliebenen und abgetrennten Verfahren gegen Herrn Richter hinsichtlich der seit langem bekannten und der Staatsanwaltschaft zur Prüfung vorliegenden Sachverhalte nicht zu demselben Ergebnis kommen, bleibt abzuwarten." Bisher habe die Staatsanwaltschaft strafrechtliche Vorwürfe, die sich daraus ergeben sollen, nicht konkretisiert. "Dies gilt auch für die vom Handelsblatt als angeblich neu veröffentlichten Sachverhalte."fcg