Durchsichtiges Manöver

Man kämpfe im Irak, damit man die Terroristen nicht im eigenen Land bekämpfen müsse. So lautet die von US-Präsident George W. Bush gebetsmühlenhaft bei jeder Gelegenheit vorgetragene Begründung für ein Militärengagement, das längst von der Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung nicht mehr mitgetragen wird.

Dieses Argument dient nun als Ersatz für das, was früher einmal als Grundlage der Invasion im Irak herhalten musste: Die Existenz von Massen-Vernichtungswaffen.Doch so recht mochte bis heute kein Sicherheitsexperte glauben, dass schiitische und sunnitische Extremisten sowie eingesickerte El Kaida-Kämpfer in dem Moment ihre Koffer packen und in Richtung USA abreisen würden, in dem das Weiße Haus die US-Truppen aus dem Zweistromland zurückruft.

Dass jetzt Bush unter Berufung auf bisher geheime Erkenntnisse behauptet, El Kaida-Chef Osama Bin Laden habe im Januar 2005 seinen mittlerweile getöten Irak-Statthalter Abu Mussab al-Sarkawi mit der Vorbereitung von Anschlägen auf US-Ziele und in anderen Ländern beauftragt, soll natürlich die Rechtfertigungsstrategie des Weißen Hauses untermauern. Doch zahlreiche Fragen drängen sich auf: Warum gab es keine Erhöhung der Terror-Warnstufe, als Bush von dieser Entwicklung erfuhr? Wie sicher sind die Ínfor mationen des bekanntlich nicht unfehlbaren US-Geheimdienstes? Und worauf stützen sich diese Erkenntnisse im Detail? Solange hier keine klaren und glaubwürdigen Fakten vom Weißen Haus in Washington präsentiert werden, muss man die "Enthüllung" als durchsichtiges Propaganda-Manöver einstufen, das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt stattfindet, an dem die Auseinandersetzungen über einen Truppenabzug und die weitere Kriegsfinanzierung zum wichtigsten innenpolitischen Thema in den Vereinigten Staaten geworden ist.

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