Eine neue Dimension

Vom Weltsozialforum 2003 in Porto Alegre berichtete ein Journalist, wohl nirgendwo sei es so leicht, von Tausenden Menschen bejubelt und beklatscht zu werden - egal wie weitschweifig oder langweilig eine Rede war, oder wie unschlüssig die Argumente: Hauptsache, die Worte "Kapitalismus", "Neoliberalismus" oder "Krieg" würden mit "Übel", "gestern" oder "nieder!" kombiniert. Soweit man das aus der Ferne mutmaßen kann, dürfte sich daran auch beim nun laufenden Weltsozialforum in Bombay wenig geändert haben. Wieder treffen sich Globalisierungsgegner zu einer völlig offenen Diskussion, bei der Platz ist für viele Meinungen und die unterschiedlichsten Strategien, und die auch dem einen oder anderen naiven Weltverbesserer oder verbohrten Verschwörungstheoretiker ein Forum bietet. Eine Abschluss-Erklärung wird es dabei nicht geben - wie auch, bei der Menge der Veranstaltungen und Teilnehmer. Und dennoch haben Regierungen wie Weltkonzerne allen Grund, sich das Forum genau anzusehen. Denn wenn sich die Teilnehmer in Bombay tatsächlich auf einen Boykott von Weltkonzernen einigen, die vom Irak-Krieg profitiert haben, dann wäre das eine neue Dimension ihrer Arbeit, die ihre Stärke aus der weltweiten Vernetzung und Unterstützung von Bewegungen der Benachteiligten zieht. Schon die erste weltweite Demonstration am 15. Februar 2003 - gegen den Irak-Krieg - zeigte, dass die Globalisierungsgegner Massen mobilisieren können. Massen, die mit der Umsetzung eines Boykotts auch Weltkonzerne das Fürchten lehren können - für die doch nichts wichtiger ist, als ein makelloses Image. Über den Sinn eines solchen Boykotts lässt sich streiten. Unstrittig wären seine Auswirkungen: Die Globalisierungsgegner würden sich endgültig als ernstzunehmender Akteur in einer längst globalisierten Welt etablieren. m.schmitz@volksfreund.de