Großregion als Müllkippe für Atom-Müll?

Großregion als Müllkippe für Atom-Müll?

Bei der Suche nach Standorten für die Endlagerung von Atommüll favorisieren die französischen Behörden offenbar Gemeinden in Lothringen. Im Gespräch sind auch Orte nahe der deutschen und der luxemburgische Grenze.

Metz. Ernsthaften Widerstand gegen Atomkraft gibt es in Frankreich eigentlich nicht. Strom aus Kernkraft - das ist für die meisten Franzosen nichts Anstößiges, immerhin stammen 80 Prozent des französischen Stroms aus Atomkraftwerken. Selbst die neuesten Pläne der Atombehörde, nach dem Standort für ein Endlager für hoch radioaktiven Müll im lothringischen Bure (der TV berichtete) in unmittelbarer Nachbarschaft und nahe der deutschen Grenze ein zweites Lager für schwach radioaktive Abfälle zu errichten, erregt keine große Aufmerksamkeit. Zwar melden die Grünen pflichtgemäß Bedenken an, auch hat sich eine Bürgerinitiative gegen die Pläne gebildet, aber breiten Protest in Frankreichs Bevölkerung hat die Ankündigung nicht ausgelöst. Dabei scheint nach einem Bericht der lothringischen Tageszeitung Republicain Lorrain bereits eine Vorentscheidung für einen Standort gefallen zu sein.

Insgesamt hat die Nationale Agentur für die Behandlung radioaktiver Abfälle (Andra) 3115 Bürgermeister in Frankreich angeschrieben. Bis Ende Oktober sollen sie mitteilen, ob sie an einem solchen Endlager, das ab 2019 in Betrieb genommen werden soll, interessiert sind. Offiziell wurde noch kein Standort favorisiert. Doch vieles deutet darauf hin, dass das Lager in Lothringen errichtet werden soll. Die Andra, die auch die offiziell noch als Versuchslabor bezeichnete Anlage in Bure (150 Kilometer von Trier entfernt) betreibt, hält den tonhaltigen Boden in Lothringen für am besten geeignet für die Lagerung von schwach radioaktivem Müll. Als denkbare Standorte kommen offenbar auch Orte wie Bouzonville, Saargemünd oder Freyming-Merlebach nahe der saarländischen Grenze infrage. Auch der 2000-Seelen-Ort Montmédy im französisch-belgisch-luxemburgischen Dreiländereck wird genannt. Gegner der Pläne befürchten, dass damit die Großregion zur Atommüllkippe Frankreichs werden könnte, wenn ein zweites Lager dort gebaut werde. Denn dass der 500 Meter tiefe Stollen in Bure tatsächlich zum atomaren Endlager werden wird, daran gibt es kaum noch Zweifel. Seit Jahren sucht Frankreich einen entsprechenden Standort. Bure ist die einzige Anlage, in der derzeit die Endlagerung von Atommüll getestet wird.

Derzeit lagern 1800 Kubikmeter Atommüll in Stollen der Wiederaufbereitungsanlage im nordfranzösischen La Hague. Experten gehen davon aus, dass ab 2025 in Bure Atommüll, möglicherweise auch aus Deutschland, gelagert wird.

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