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Im Wahljahr brodelt es bei der CSU

Im Wahljahr brodelt es bei der CSU

Wenn ab kommendem Montag die christsozialen Bundestagsabgeordneten in Wildbad Kreuth zur alljährlichen Klausur zusammenkommen, ist keine Revolte zu erwarten. Doch der Frust über den Parteivorsitzenden steigt.

Berlin/Wildbad Kreuth. Es gab einmal eine Tagung, da wurde ein CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident regelrecht vom Hof gejagt - das Schicksal ereilte im Jahr 2007 Edmund Stoiber. Seitdem gilt das idyllische Wildbad Kreuth am Tegernsee auch als Brutstätte für CSU-interne Revolutionen.
Horst Seehofer, derzeit Parteichef, weiß das. Er war am Putsch gegen Stoiber maßgeblich beteiligt. Wenn ab kommendem Montag die christsozialen Bundestagsabgeordneten wieder in Kreuth zusammenkommen, ist jedoch keine Revolte zu erwarten.
Die Bundestags- und insbesondere die Landtagswahlen stehen im September an und die CSU hat Chancen, in Bayern die absolute Mehrheit zurückzuerobern. Zwar sieht die Tagesordnung diverse Aussprachen vor. Um des lieben Friedens Willen werden die meisten Abgeordneten aber bloß die Faust in der Tasche ballen.
"Ach ja, der Horst", stöhnen sie in Berlin. Seehofer gilt in der Hauptstadt als unberechenbar. Sein Verhältnis zur Landesgruppe ist unterkühlt, die CSU-Abgeordneten fühlen sich missachtet und beklagen ihren Bedeutungsverlust. Selten agiert der Parteichef in Absprache mit seinen 44 Berliner Statthaltern. Das nervt die Landesgruppe. Deren Chefin Gerda Hasselfeldt macht aus unterschiedlichen Auffassungen inzwischen keinen Hehl mehr. Aber die direkte Konfrontation mit dem Vorsitzenden meidet Hasselfeldt. Das ist nicht ihr Politikstil. Hasselfeldt geht es um die Sache: "Für mich zählen die Ergebnisse", sagt sie. So soll es auch in Kreuth sein.
Das unterscheidet sie freilich von Seehofer. Der bayerische Löwe mit dem Hang zu beißendem Spott schlingert inhaltlich oft. Er stößt gerne Debatten zur Unzeit an, wie jetzt über schwarz-grüne Bündnisse. Das ist die Gemengelage ab Montag im Tegernseer Tal. Sie soll aber das christsoziale Treffen im Wahljahr möglichst nicht beeinträchtigen. Hasselfeldt und Seehofer werden deshalb "politische Berichte" abgeben, die vor Erfolgsmeldungen nur so strotzen dürften. Um den Takt für die Klausur vorzugeben, sendete Seehofer übrigens vor wenigen Tagen Liebesgrüße aus München an seine Landesgruppe: Er sei mit dem Auftreten der CSU in der Hauptstadt "sehr zufrieden", meint er, Kreuth dabei fest im Blick. has