1. Nachrichten
  2. Themen des Tages

Musste Lolita sterben, weil sie nicht erwünscht war?

Musste Lolita sterben, weil sie nicht erwünscht war?

Was ist das Motiv für die Ermordung der 18-jährigen Lolita Brieger vor 29 Jahren? Die Ermittler glauben, dass ihr damaliger Freund seine schwangere Verlobte getötet hat, weil sie sich nicht von ihm trennen wollte.

Trier. Vor 24 Jahren hat er bereits im Visier der Fahnder gestanden: Der damals 26-jährige Freund von Lolita Brieger soll der 18-Jährigen etwas angetan haben. Die Kripo hatte einen "heißen Tipp" bekommen, rechnete mit einer baldigen Festnahme. Sie startete damals im Juni 1987 erneut eine großangelegte Suchaktion rund um den Eifelort Scheid in Rheinland-Pfalz und das nur zwei Kilometer entfernt liegende Dorf Frauenkron in Nordrhein-Westfalen.
Doch auch diese Aktion blieb - wie schon die erste kurz nach dem Verschwinden der schwangeren 18-Jährigen im November 1982 - ergebnislos. Der Freund der Vermissten gab an, die junge Frau am 4. November, dem Tag ihres Verschwindens, nicht getroffen zu haben.
In jedem Fall waren sich die Fahnder von da an sicher, dass es sich bei dem Vermisstenfall Lolita Brieger um ein Kapitalverbrechen handelt. Ihnen fehlten allerdings die Beweise. Der einzige Hinweis auf die junge Frau war ihr Haustürschlüssel, der nach ihrem Verschwinden auf einem Parkplatz an der B 51 bei Stadtkyll gefunden wurde. Im Schlüsselanhänger war ein Foto ihres Freundes.
Zunächst sah es so aus, als hätte die 18-Jährige Selbstmord begannen. Doch im Laufe der Zeit verdichteten sich die Hinweise, dass ihr Freund oder sein Vater etwas mit dem Verschwinden zu tun haben könnten. Der reiche Eifelbauer soll der schwangeren Freundin seines Sohnes Geld angeboten haben, damit sie sich von dem drei Jahre Älteren, dem Erben seines Hofes, trennt. "Die kommt mir nicht auf den Hof", soll der Bauer damals gedroht haben. Vielleicht liegt in dem Vater-Sohn-Konflikt das Motiv für die Tat.
Nur Gerüchte


Der Jungbauer schwankte womöglich zwischen der Liebe zu der jungen Frau aus einfachen Verhältnissen, das dritte von sechs Kindern und dem Widerstand seines Vaters gegen die aus dessen Sicht vermutlich nicht standesgemäße Beziehung.
Hat der damals 21-Jährige seine Verlobte, die sich nicht von ihm trennen und das gemeinsame Kind austragen wollte, aus Angst vor seinem Vater getötet?
Zeugen haben damals von Auseinandersetzungen zwischen dem Bauern und seinem Sohn berichtet. Doch es gab nur Gerüchte, keine handfesten Beweise.
"Ich bin mir sicher, dass es jemanden gibt, der weiß, was mit Lolita passiert ist", sagte die Mutter zwölf Jahren nach dem Verschwinden ihrer Tochter unserer Zeitung. Hatte sie einen konkreten Verdacht? Meinte sie damit den Vater von Lolitas Freund? Oder vielleicht einen Bekannten des Verlobten ihrer Tochter? Der war es schließlich, der den Fahndern im September 2011 den entscheidenden Hinweis gab - nach der Ausstrahlung der ZDF-Sendung "XY ... ungelöst" Ende August. Nach 29 Jahren brach er sein Schweigen, gab zu, gemeinsam mit dem Freund die Leiche in eine Plastikfolie verpackt und auf der Mülldeponie von Frauenkron vergraben zu haben. Er zeigte den Ermittlern die Stelle. Nach elf Tagen Suche fanden sie dort am 19. Oktober die Überreste von Lolita Brieger. Das Geständnis war für den Zeugen ungefährlich. Zwar hat er sich der Strafvereitelung schuldig gemacht. Doch die gilt nach fünf Jahren als verjährt.
Anders als Mord. Dieser verjährt nicht. Daher habe man die Akte Lolita Brieger nie geschlossen, sagte der Trierer Leitende Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer. Neben dem Bekannten des Angeklagten hätten sich weitere Zeugen gemeldet. Die Zeugenaussagen hätten sich dann wie ein Mosaik zusammengefügt und einen "hinreichenden Tatverdacht" gegen den heute 50-Jährigen begründet. Mehr als Indizien gibt es derzeit aber nicht. An den Überresten der jungen Frau fanden sich keine Hinweise für eine Todesursache. Lediglich der an der Jacke haftende Draht bestätige, dass Lolita Brieger erdrosselt worden sei, sagte Brauer. Er ist sich sicher, dass der geschiedene Familienvater aus Scheid seine damalige Freundin heimtückisch ermordet hat.Extra

24. August 2011: Der Fall der seit 1982 vermissten Lolita Brieger wird in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst " gezeigt. 76 Hinweise gehen ein. Auch ein Bekannter des damaligen Freundes der schwangeren 18-Jährigen meldet sich, gibt an, zusammen mit dem Bauernsohn die Leiche der Frau auf einer Mülldeponie vergraben zu haben. 9. September 2011: Die Polizei nimmt im Eifelort Scheid (Vulkaneifelkreis) einen 50-jährigen Landwirt fest, den damaligen Freund Lolita Briegers. Seitdem sitzt der geschiedene Familienvater in Untersuchungshaft. Zu den Vorwürfen hat er sich bislang nicht geäußert. 6. Oktober 2011: Auf der früheren Mülldeponie im Eifelort Frauenkron (Nordrhein-Westfalen) beginnt die Suche nach der Leiche von Lolita Brieger. 19. Oktober 2011: Am letzten Tag der Grabungsarbeiten werden die in eine Plastikfolie eingewickelten Überreste einer Frauenleiche gefunden. Eine Woche später ergeben rechtsmedizinische Untersuchungen, dass es sich dabei um den Leichnam der seit 4. November 1982 vermissten Lolita Brieger handelt. 29. Dezember 2011: Die Trierer Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen den 50-jährigen Landwirt aus Scheid wegen Mordes. Er soll die Frau umgebracht haben, weil sie sich nicht von ihm trennen wollte. wie