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Wenn Familien vor Ferienbeginn in Urlaub düsen

Wenn Familien vor Ferienbeginn in Urlaub düsen

Einige Eltern melden ihre Kinder vor Beginn der Ferien in der Schule krank, um günstiger in den Urlaub fliegen zu können. Die Gymnasiallehrer sprechen von Tricksereien. Im Mainzer Bildungsministerium ist man aber gelassen.

Trier. 1824 Euro - so viel kostet ein Last-Minute-Urlaub, eine Woche Mallorca, all inklusive, im Vier-Sterne-Hotel in Cala Bona für zwei Erwachsene und zwei Kinder, Abflug heute 10.05 Uhr in Zweibrücken. Zwei Tage später kostet das gleiche Hotel über 500 Euro mehr, 2364 Euro sind dann fällig, Abflug in Saarbrücken um die Mittagszeit. Dumm nur, dass die Ferien erst morgen beginnen und damit für Familien mit schulpflichtigen Kindern keine Möglichkeit besteht, günstiger in Urlaub zu fliegen. Oder doch?
Glaubt man nämlich dem Verband der Gymnasiallehrer, dem Philologenverband, dann halten sich immer weniger Eltern an den offiziellen Beginn der Schulferien. Viele meldeten ihre Kinder einfach ein paar Tage vorher krank, um bei Flugreisen günstigere Preise außerhalb der Ferienzeiten zu ergattern.
Ein echtes Problem?


Das Vorgehen der betreffenden Eltern sei inzwischen zu einem echten Problem geworden, sagt Verbandschef Hans-Peter Meidinger. An gewöhnlichen Schultagen seien zwei bis fünf Prozent der Schülerinnen und Schüler krank, an den Tagen vor und nach den Ferien schnelle die Anzahl auf das Doppelte hoch. Doch offenbar scheint das Problem an hiesigen Schulen nicht als solches wahrgenommen zu werden. "Die große Mehrheit der Elternschaft respektiert die vorgegebenen Ferienzeiten. Wir haben kein Ausfransen der Ferienränder zu beklagen", sagt Armin Huber, Leiter des Trierer Max-Planck-Gymnasiums. Ein bis zwei Tage vor Beginn der Sommerferien bittet demnach ein Prozent der Eltern um vorzeitige Beurlaubung ihrer Kinder. Das laufe aber nicht als Trickserei ab, sondern es erfolge über eine schriftliche Anfrage, meistens zwei Monate im Voraus.
"Für uns als Schule gibt es dringendere Probleme", lautet der knappe Kommentar des Direktors der Integrierten Gesamtschule Morbach, Stefan Philippi. Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sieht keine Zunahme der "Krankmeldungen" vor den Ferien. "Es hilft auch nicht, das Problem zu lösen, indem man Eltern irgendwelcher "Tricksereien" bezichtigt und ihnen dabei geradezu asoziales Verhalten unterstellt", kritisiert VBE-Landesgeschäftsführer Hjalmar Brandt den Philologenverband. Im rheinland-pfälzischen Bildungsministerium reagiert man gelassen. Zwar sei das unerlaubte Fernbleiben eines Schülers vom Unterricht eine Ordnungswidrigkeit, die, wenn es häufiger vorkomme, mit einem Bußgeld von bis zu 1500 Euro geahndet werden könne; aber bei einer einmaligen "Ferienverlängerung" drohe sicherlich noch keine Strafe, sagt eine Sprecherin. Im kommenden Jahr dürfte sich das angebliche Problem ohnehin nicht stellen. Die Sommerferien beginnen dann erst am 28. Juli, mitten in der Hauptreisesaison. Einen Tag früher oder später in den Urlaub zu fliegen, dürfte da beim Preis wohl kaum etwas ausmachen.Extra

So kann man die Ferien genießen: Wer vom ersten Ferientag an die Schule vergisst, muss kein schlechtes Gewissen haben. Er hat sich vielmehr die Fähigkeit erhalten, abschalten zu können. Nur wer seine Seele baumeln lassen kann, fördert auch Fantasie und Kreativität und findet wieder Lust am Lernen. Schulstress sollte nicht durch Freizeitstress ersetzt werden. In den Ferien sollte man Dinge tun, die ansonsten zu kurz kommen und die ein Ausgleich für den Schulalltag sind: etwa Basteln, Handwerken, Sport oder Lesen. Ferienzeit ist Zeit, um Entscheidungen und Vorhaben zu durchdenken und Probleme anzugehen, die liegengeblieben sind. Das schafft einen klaren Kopf für die Schulzeit. Ferien sollten nicht vor dem Fernseher oder sonstigen Bildschirmen verbracht werden. Wer selbst aktiv ist, braucht keine Berieselung. Wer unbedingt etwas für die Schule tun muss, sollte sich das aufteilen, aber das notwendige Arbeiten auf keinen Fall vor sich herschieben. Ferien sollten auch der Besinnung auf eine gesunde Lebensführung dienen: weniger Ungesundes, mehr Bewegung. red Quelle: Verband Bildung und EriehungExtra

Kurz vor Beginn der Sommerferien warnt der ADAC vor der ersten Stauwelle des Sommers 2013. In Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland beginnen am Freitag die großen Ferien. Damit haben Schüler und Lehrer aus zehn Bundesländern Urlaub. Auch aus den Niederlanden rollt der Reiseverkehr an. Vor allem am Freitagnachmittag und am Samstag müssen Autofahrer mit den ersten längeren Staus rechnen, warnt der ADAC. Besonders betroffen sind in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland die Strecken Frankfurt - Würzburg - Nürnberg (A3), Kassel - Frankfurt - Karlsruhe (A5), Mannheim - Heilbronn - Nürnberg (A6) und Mönchengladbach - Koblenz - Ludwigshafen (A61). dpa