„Archäologischer Parcours“ auf Bitburgs römischen und frühmittelalterlichen Spuren

Tourismus : Multimedial auf römischen Spuren

Der „Archäologische Parcours“ auf Bitburgs römischen und frühmittelalterlichen Spuren nimmt Gestalt an. Die Infotafeln stehen bereits und eine App für das Smartphone ist auch schon aktiv.

Mit einer kleinen Fingerbewegung auf dem Bildschirm des Smartphones wird aus dem Luftbild der heutigen Stadt Bitburg eine digitale 3D-Rekonstruktion der römischen Siedlung. Der Nutzer kann das 360-Grad-Bild beliebig drehen und sieht so den Verlauf der Mauer, die Standorte der Türme sowie die der beiden Stadttore. Voraussetzung dafür ist die zuvor auf dem Handy aktivierte beziehungsweise installierte App, für die wiederum zuvor ein QR-Code eingescannt werden muss. Und den findet der Nutzer auf den Stelen, die in den vergangenen Monaten in der Innenstadt errichtet wurden. Die Säulen aus Cortenstahl markieren größtenteils den Verlauf der einstigen römischen Kastellmauer und sind  auch Bestandteil des neuen „Archäologischen Parcours“ durch Bitburg. Jede Stele markiert eine Station. Insgesamt gibt es elf.

Einen Rundweg, auf dem sich Besucher auf die Spuren römischer Geschichte begeben können, gibt es in Bitburg schon seit Mitte der 1990er Jahre. Mit dem neuen Parcours wurde dieses in die Jahre gekommene und von Touristen kaum wahrgenommene Angebot nun komplett überarbeitet. „Wir haben versucht, die bestehenden Elemente des alten Rundwegs weitgehend zu übernehmen“, erklärt Ferdinand Heimerl, der Archäologe ist und darüber hinaus für die Stadt Bitburg ein Glücksfall. Heimerl hat sich nämlich in Rahmen seiner inzwischen fertiggestellten Doktorarbeit mit dem spätrömischen Beda, also der römischen Siedlungsgeschichte Bitburgs befasst. Seine Informationen und Erkenntnisse ergeben ein recht umfassendes Bild.

Entlang der Stationen erfahren die Besucher viel über die Geschichte der Siedlung, die ihren Ursprung wahrscheinlich im ersten Jahrhundert nach Christi hatte und die sich in den beiden Jahrhunderten darauf zu einem großen Straßendorf mit Wohngebäuden, Handwerksbetrieben, Verkaufsläden, einem Gräberfeld und einem Theater entwickelte. Wo genau dieses Theater gestanden haben könnte, ist bislang noch ein Rätsel. Doch dafür gibt es Antworten auf viele andere Fragen und zudem auch zahlreiche Infos und Bilder zu den Grabungen und Fundstücken. Und die befassen sich genau wie der Rundweg nicht nur mit der römischen, sondern auch der mittelalterlichen Historie der Stadt.

„Wir haben einen Parcours entwickelt, über den analog viele Informationen vermittelt werden, und mit Hilfe der App zusätzlich noch ein etwas höherschwelliges Angebot geschaffen“, sagt Planerin Sabine Reiser. Sie hat den Rundweg gemeinsam mit Heimerl entwickelt und ist für die gestalterische Umsetzung zuständig. Die Tafeln an den Stahlstehlen seien bewusst zweiseitig bedruckt worden, nicht zuletzt auch, um die vielen Informationen möglichst anschaulich zu vermitteln, erklärt Reiser. Und damit die Besucher des Rundwegs beispielsweise auch eine Vorstellung davon haben, wie groß das nördliche Stadttor gewesen sein muss, wurde dort eine besonders lange Stele errichtet. Mit 5,07 Meter markiert sie die rekonstruierte Höhe der damaligen Tordurchfahrt. Darüber hinaus, ergänzt Bürgermeister Kandels, sei der ganze Parcours auch barrierefrei.

„Uns war es wichtig, die vielen Informationen auf mehreren Ebenen möglichst anschaulich zu vermitteln, um auf diese Weise auch ein Bewusstsein für die Dimension zu schaffen“, sagt Heimerl. Deswegen werde der Nutzer der App nicht nur mit zusätzlichen Informationen, sondern auch mit unterhalt­samen Elementen versorgt. Dazu gehören auch Filme, in denen neben Heimerl und Bürgermeister Kandels auch Bürger und Grabungsteilnehmer  zu Wort kommen oder aber Kinder der Grundschule Süd. Letztere bekamen Fundstücke vorgelegt und mussten dann gemeinsam überlegen, wofür diese wohl gut waren.

Alle Stelen stehen bereits, ganz fertig ist der Parcours aber noch nicht. So wird am Startpunkt auf dem Parkplatz Grüner See noch ein Monitor installiert, über den dann sämtliche Zusatzinfos der App abgerufen werden können. Und auch der Schaufensterraum im Hinterhof der Petersstraße, der seit Jahren leersteht, soll mit eingebunden werden. Spätestens im Mai sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. 

Im Zuge der Parcours-Einrichtung wird auch dieses seit jähren leerstehende Schaufenster mit eingebunden.   Im Zuge der Parcours-Einrichtung wird auch dieses seit jähren leerstehende Schaufenster mit eingebunden.  . Foto: Uwe Hentschel

Finanziert wird das rund 250 000 Euro teure Projekt unter anderem durch Mittel aus dem europäischen Leader-Programm und vor allem durch eine Spende der Dr.-Hanns-Simon-Stiftung.