Bitburger Chirurg Hankes kritisiert geplante Zusammenlegung chirurgischer Abteilungen

Krankenhaus-Fusion : Bitburger Chirurg Hankes: „Ohne Fusion oder Kooperation keine Zukunft“

Nach dem Bericht über das Bitburger Krankenhaus meldet sich der ebenfalls aus Bitburg stammende Chirurg Franz Josef Hankes zu Wort. Die in der Klinik geplante Zusammenlegung der beiden chirurgischen Abteilungen ist aus seiner Sicht der falsche Schritt.

Im vergangenen Jahr hat er sich mit 66 Jahren aus seiner Gemeinschaftspraxis verabschiedet und seinem Nachfolger das Feld überlassen. Wobei: So ganz im Ruhestand ist der Bitburger noch nicht. „Ich arbeite noch an zwei Tagen die Woche ein paar Stunden in der Praxis“, sagt Franz Josef Hankes, der zuletzt von 1992 bis 1996 am Bitburger Krankenhaus als chirurgischer Oberarzt praktizierte, bevor er dann zunächst mit weiteren Ärzten das erste Ärztehaus im Karenweg auf den Weg brachte und 2003 schließlich das ebenfalls von ihm initiierte Ärztehaus direkt neben dem Krankenhaus bezog.

Mit der Bitburger Klinik verbinden den gebürtigen Eifler also weitaus mehr als nur die insgesamt zwölf Jahre, die er dort in der Chirurgie verbracht hat.

Genau wie der Belegschaft und der Trägergesellschaft des Marienhaus Klinikums ist deshalb auch Hankes die Zukunft des Krankenhauses keineswegs egal. Wofür er aber kein Verständnis hat, ist die seiner Meinung nach vom Träger der Einrichtung praktizierte Methode, diese Zukunft schöner zu skizzieren, als sie ist. Denn der Chirurg ist davon überzeugt, dass das Bitburger Krankenhaus in absehbarer Zeit um eine Fusion oder Kooperation nicht drum herumkommen wird.

Der Chirurg Franz Josef Hankes hat zwölf Jahre am Bitburger Krankenhaus praktiziert. Die Entwicklung geht aus seiner Sicht in die falsche Richtung. Foto: Uwe Hentschel

Hankes vertritt damit eine andere Auffassung als Heribert Frieling, Leiter der Unternehmenskommunikation der Marienhaus Holding GmbH. Gegenüber dem TV hatte Frieling vor wenigen Tagen erklärt, dass es derzeit keinerlei Fusionsgespräche gebe und in dieser Richtung auch nichts geplant sei.

„Die Politik favorisiert dänische Verhältnisse“, sagt Hankes. „Dort versorgt ein Krankenhaus zirka 180 000 Einwohner“, erklärt er. Der Eifelkreis habe rund 96 000 Einwohner, die Stadt Trier 110 000. Dafür zuständig seien aber insgesamt fünf Krankenhäuser. „Es sind also durchaus eingreifende Veränderungen zu erwarten“, sagt Hankes. Die Frage sei nur: „Wie sehen diese Veränderungen aus?“

Was Bitburg betrifft, so hat der Chirurg die Befürchtung, dass dort durch Einsparungen und die Zusammenlegung von Abteilungen „das Rad der Zeit zurückgedreht wird“. Dramatisches Zeichen dieser Entwicklung sei der bevorstehende Weggang des derzeitigen Leiters der Unfall- und Gelenkchirurgie, Bert Laux. Hankes hat während seiner Zeit im Bitburger Krankenhaus mit Laux zusammengearbeitet und schätzt den Kollegen sehr. „Mit Dr. Laux verlässt ein überregional anerkannter, fachlich hervorragender unfallmedizinischer Chefarzt das Bitburger Krankenhaus“, bedauert Hankes und kritisiert zudem, dass der Chefarzt-Posten nicht neu besetzt wird. „Stattdessen werden die unfallchirurgische und die viszeralchirurgische Abteilung zusammengelegt, und eine Station wird geschlossen“, fügt er hinzu.

Dabei seien gerade angesichts der rasanten Fortschritte in der Medizin keine Zusammenlegungen, sondern Spezialisierungen gefordert, um Krankenhäuser zukunftsfähig zu machen, so Hankes. Dass das operative Spektrum und die Qualität nach dem Weggang von Chefarzt Laux und der Zusammenlegung der Abteilungen in der derzeitigen Form erhalten bleiben, bezweifle er. „Die früheren Entscheidungen der Geschäftsführung und der Klinikleitung sollten kritisch hinterfragt werden“, fordert der Arzt.

Was den Bitburger Chirurgen in diesem Zusammenhang aber am meisten ärgert, ist die Aussage des Krankenhausträgers. So hatte der Sprecher der Marienhaus Holding  dem TV erklärt, dass ein neuer Kollege das Team verstärken werde. Die Abteilungen würden demnach zwar zusammengelegt, der Wegfall des Chefarztes aber durch einen anderen Mediziner aufgefangen. Von „mehr Indianern“ und „weniger Häuptlingen“ war dabei die Rede.

„Angesichts der Ernsthaftigkeit der Lage finde ich den Indianer-Häuptling-Vergleich sehr unangebracht“, sagt dazu der Bitburger Arzt. Das Vertrauen in die unfallchirurgische Abteilung sei fest mit der Person des Chefarztes verbunden, meint Hankes. Und auch in der regionalen Sportlerszene genieße sein Kollege als Experte bei Sportverletzungen einen guten Ruf.

„Hier steht die auf hohem Niveau angebotene Versorgung der Patienten im Bitburger Krankenhaus auf dem Spiel“, so Hankes. „Da sollten wir Winnetou und die Indianer lieber Karl May überlassen.“

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