Damit Bitburg auf Wachstumskurs bleibt

Damit Bitburg auf Wachstumskurs bleibt

"Bitburg war, vorsichtig formuliert, mal eine nicht gerade besonders schöne Stadt", stellt Klaus Zimmermann vom Planungsbüro Isu fest. Doch in den vergangenen Jahrzehnten ist in Sachen Stadtsanierung und Stadtentwicklung eine Menge passiert.

Bitburg. Um Wachstum statt Wildwuchs zu ermöglichen, hat die Stadt Bitburg Mitte der 90er Jahre mit dem Büro Isu ein Konzept erarbeitet, das seither fortgeschrieben wird und 2005 vom Land ausgezeichnet wurde. Über die bisherige Entwicklung und Aufgaben der Zukunft sprach TV-Redakteurin Dagmar Schommer mit Isu-Geschäftsführer Klaus Zimmermann.Bitburg hat sich gemausert. Was hat die Stadt richtig gemacht? Zimmermann: Wenn man mal zurückschaut, wie es hier einmal ausgesehen hat, muss man sagen, dass es der Stadt in hervorragender Weise gelungen ist, die Altstadt behutsam zu sanieren und dabei die ursprüngliche kleinteilige Bebauung zu erhalten. Die einst völlig zerstörte Stadt hat ja nur wenige historische Gebäude und war von der Bausubstanz her nicht unbedingt die Perle unter den Städten. Ein weiteres gelungenes Stück der Stadtentwicklung ist auch, dass Bitburg recht früh erkannt hat, wie wichtig es ist, die Innenstadt als Handelsstandort zu stärken und den großflächigen Einzelhandel mit innenstadtrelevanten Sortimenten künftig nicht mehr "auf der grünen Wiese" anzusiedeln. Das jüngst beschlossene Stadtentwicklungskonzept legt dies ja auch als Ziel eindeutig fest.Und wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf? Zimmermann: Der Verkehr in der Innenstadt sollte neu geordnet werden. In der geplanten Einführung des Innenstadtrings sehe ich auch die Chance, Flächen freizubekommen, die bislang noch als Fahrbahnen benötigt werden. Wenn diese mit dem Einbahnstraßenring künftig partiell zurückgebaut werden können, kann man großzügigere Fußgängerwege, Kurzzeitparkplätze und auch Grünflächen einrichten. Das wäre funktional und würde die Stadt auch optisch aufwerten. Bevor dazu aber eine endgültige Entscheidung getroffen wird, muss man das Ergebnis der in Kürze anlaufenden Probephase abwarten und in Ruhe auswerten.Braucht Bitburg mehr Parkplätze? Zimmermann: Ob die Stadt tatsächlich mehr Parkplätze braucht, wird sich zeigen. Das ist ebenfalls ein Aspekt, den wir in der vorbereitenden Untersuchung im Zuge des Programms Aktive Stadtzentren prüfen. In jedem Fall aber sollte man das Bewirtschaftungskonzept diskutieren. Es erscheint wenig logisch, dass ich mitten in der Innenstadt an der einen Stelle kostenlos und ohne Zeitbegrenzung parken kann, an der nächsten Stelle zwar kostenlos, aber dafür mit Zeitbegrenzung, und auf dem Parkplatz am Alten Gymnasium, der am weitesten von der Innenstadt entfernt liegt, den PKW nur kostenpflichtig abstellen darf. Wo steht Ihrer Ansicht nach Bitburg, wenn Sie die Stadt mit dem benachbarten Mittelzentrum Wittlich vergleichen? Zimmermann: Ein Nachteil gegenüber Wittlich ist natürlich, dass es in Bitburg keine historische Altstadt gibt, da die Stadt eben nach dem Krieg so stark zerstört war. Auch ein zentraler Marktplatz, wie es ihn in Wittlich gibt, fehlt in Bitburg. Schön wäre, wenn der Postplatz im Zuge der Umgestaltung diese Funktion bekommt. Was in Bitburg meines Erachtens aber ganz klar besser ist: Hier hat man es verstanden, den Einzelhandel verstärkt in der Kernstadt zu konzentrieren. Das macht die Innenstadt sehr lebendig. In Wittlich hat man Handel an vielen verschiedenen Stellen zugelassen und mit dem ehemaligen Konversionsgelände oder auch mit dem Warenhaus Bungert am Stadtrand eine erhebliche Konkurrenz aufgebaut, die Käufer aus der Innenstadt heraus zieht und diese erheblich schwächt. Daran krankt Wittlich seit vielen Jahren. Was sind für Sie drei Schwerpunkte zukünftiger Stadtentwicklung in Bitburg? Zimmermann: Als Erstes ganz klar die weitere Innenstadtentwicklung. Stadtkerne müssen lebendig und lebenswert bleiben. Das ist eine Daueraufgabe. Dann natürlich die anstehende Umnutzung der alten Kaserne an der Mötscher Straße, wo ein völlig neues Stadtviertel in fußläufiger Entfernung zur Kernstadt entstehen kann. Perspektivisch steht darüber hinaus die Umnutzung der Housing an, die nach derzeitigem Kenntnisstand voraussichtlich 2017 frei wird. schoExtra

Klaus Zimmermann (54) ist Inhaber des Stadtplanungsbüros Isu und lebt mit Frau Heike und zwei Hunden in Ernzen (Verbandsgemeinde Irrel). Zu seinen Hobbys zählen Wandern und Klettern. scho

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