Damit das Wasser sauber bleibt

Damit das Wasser sauber bleibt

An der Oberen Kyll geht die Sorge um, dass die Trinkwasserquellen infolge landwirtschaftlicher Düngung auf den Feldern in gesundheitsgefährdender Weise mit Nitrat belastet sind. Jetzt versucht man, etwas dagegen zu tun.

Die Gülle, der Schlamm, das Nitrat: Die Belastung der Böden und der Trinkwasserquellen ist nicht nur an der Oberen Kyll ein Problem - in der bisher jüngsten Sitzung des Verbandsgemeinderats aber schlug die Sache besonders hohe Wellen: Etliche Fraktionsvertreter sorgten sich da über gefährlich hohe Nitratwerte. Aktuell vor allem wegen der Birgeler Quelle: Dort wurden 48 Milligramm Nitrat pro Liter festgestellt - und der Grenzwert liegt bei 50 Milligramm. Das ist kurz vor knapp (der TV berichtete). Diane Schmitz, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde, versprach, sich um die Sache zu kümmern - soweit möglich. Denn die Kommune kann da fast gar nichts machen, Düngung ist Sache der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier, für Trinkwasser ist die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD) in Koblenz zuständig.

Erste Schritte sind getan Also versuchte man es erst einmal im Guten und veröffentlichte in den beiden jüngsten Ausgaben des Amtsblatts eine ganze Seite zum Thema "Ausbringung von Düngemitteln in der Landwirtschaft" mit Hinweisen darauf, was der Bauer darf und was nicht (und wann er das darf und nicht) und rief dazu auf, die "gute fachliche Praxis" zu beachten. Und damit sich alle daran halten, bat man außerdem die Polizei, bei Streifenfahrten hin und wieder darauf zu schauen, ob eventuell jemand außerhalb erlaubter Zeiten etwas aufs Feld kippt. "Das hat uns die Polizei auch zugesagt", sagt Thomas Brost, der Leiter des VG-Ordnungsamts. Außerdem habe man die ADD angeschrieben und um Information gebeten, welche Landwirte mit Ausnahmegenehmigungen auch jenseits der Sperrzeiten mit Gülle oder Klärschlamm düngen dürfen. Kommt nicht bei allen gut an "Wir haben überlegt, was wir machen können", sagt Diane Schmitz.

Und diese bisherigen Schritte seien ein Teil davon. Außerdem soll ein Behördenvertreter in die nächste VG-Ratssitzung am Donnerstag, 16. Februar, 18 Uhr, eingeladen werden, um über das Thema zu sprechen. "Mir ist wichtig, das Trinkwasser zu schützen", sagt die Bürgermeisterin. "Das ist kein Affront gegen die Landwirte. Sondern eine Maßnahme von vielen, die man jetzt ergreifen muss." Das mit dem Affront ist allerdings bei Marco Weber genau so angekommen: Er findet die Kritik übertrieben und sieht die Landwirte in die Ecke gestellt. Der Schweinehalter aus Lissendorf, Vorsitzender des Kreisbauernverbands und FDP-Landtagsabgeordneter hat nach Erscheinen des TV-Artikels über die Ratssitzung den darin zitierten Fraktionsmitgliedern geschrieben, was er von ihrer Kritik hält. Denn die habe ihn "maßlos geärgert", sagt Weber.

"Da haben Leute diskutiert, die nicht ansatzweise Ahnung von der Materie oder sich damit beschäftigt haben. Das finde ich anmaßend, was da abgelaufen ist." Naja, aber woher kommt dann die Belastung der Birgeler Quelle? "Ich weiß es nicht", sagt Weber. Rundherum sei Schutzgebiet, dort dürfe man gar keine Gülle oder Klärschlamm ausbringen. Dass die Belastung aber dennoch irgendwo herkommen müsse und dass dafür vermutlich die Landwirtschaft mitverantwortlich sei, "das ist naheliegend", sagt immerhin auch Weber. "Es kann nicht sein, dass wir mit Nitrat überbelastet sind und dann auch noch Gülle und Klärschlamm aus anderen Bundesländern und aus Holland hier aufbringen", sagt wiederum ein anderer Lissendorfer - und ebenfalls Landwirt: Matthias Heinzen. Er fahre nur das auf die Felder, was seine Tiere hinten rauslassen.

Allerdings ist sein Hof eher klein: 34 Hektar Fläche, knapp 40 Rinder und Kälber. Dass die VG den Import zulasse, sei ihm jedenfalls "ein Rätsel". Nun ist die VG da gar nicht gefragt. Und zum Thema Gülle- und Klärschlamm-Import hat wiederum Marco Weber auch etwas zu sagen: Er nämlich macht das auch. Allerdings fügt er hinzu, dass alles genau dokumentiert werde und jederzeit überprüfbar sei. Außerdem könne er gar nicht anders: Seine 2000 Schweine produzieren etwa 2000 Kubikmeter Gülle im Jahr. "Das deckt etwa 15 Prozent unserer Flächen ab." Und die sind groß: 350 Hektar. "Man muss auf jeden Fall betrachten, wie sich die Messwerte in den letzten Jahren entwickelt haben", sagt ADD-Pressesprecherin Miriam Lange. "Und in Birgel sind sie seit den 1990er Jahren erhöht." Allerdings seien sie auch noch nicht über dem Grenzwert, gibt sie zu bedenken. Aber was soll denn nun passieren, um die Belastung zurückzufahren? Die SGD Nord, sagt deren Pressesprecherin Sandra Hansen-Spurzem, werde bei der Neufestsetzung der Wasserschutzgebiete bei Birgel "auf eine Kooperationsvereinbarung zwischen Wasserversorger und Landwirtschaft hinwirken".

Auch der Bauernverband wird aktiv: "Das Problem ist erkannt, die Nitratbelastung ist da", sagt Weber. "Wir verstärken jetzt in Kooperation mit dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum die Beratung bei den Landwirten." Die Landesregierung in Mainz hat sich den Schutz des Trinkwassers ebenfalls auf ihre Fahnen geschrieben: "Es besteht weiterhin Handlungsbedarf: 42 der 117 rheinland-pfälzischen Grundwasserkörper sind durch hohe Nitratwerte belastet", heißt es in einer Mitteilung des Umweltministeriums zum Informationstag am Dienstag in Prüm (siehe Extra). "Vor allem Regionen mit landwirtschaftlicher Produktion oder intensiver Viehhaltung - wie die Westeifel - sind betroffen."

Meinung
Fritz-Peter Linden

Problem Nitratbelastung: Die Verbandsgemeinde Obere Kyll und die Bauern unternehmen etwas - das ist gut und zeigt, dass man sich seiner Verantwortung bewusst ist. Trotzdem: Es muss noch besser kontrolliert werden, wer was auf welche Flächen bringt. Und man muss sich langsam die Frage stellen, ob vor allem das mit dem Klärschlamm wirklich weiterhin sein muss. Denn da ist nicht nur Gutes drin. Die EU hat die Bundesrepublik bereits vor Gericht gezerrt, weil unsere Böden und unser Wasser so hoch belastet sind. Es muss auch anders gehen. Und es ist Zeit dafür. f.linden@volksfreund.de Extra Der Bundesverband der deutschen Milchviehhalter (BDM) hat für Dienstag, 24. Januar, in die Karolingerhalle Prüm eingeladen: Bei dem Informationsnachmittag für Landwirte geht es auch ums Thema Nitratbelastung im Grundwasser. Beginn ist um 13.30 Uhr. Nach der Begrüßung spricht dazu um 13.40 Uhr Thomas Griese, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz, danach Diskussion.

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