Archiv : Das Windrad neu erfinden

Noch immer dreht sich rund um Speicher kein einziges Windrad. Wenn es nach einem Investor geht, könnte sich das bald ändern. Die Speicherer halten davon aber nichts. Sie befürchten, dass die Türme Flugrouten stören könnten.

Doch was, wenn plötzlich ein hundert Meter hoher Turm in der Einflugschneise liegt? Müssten die Bomber dann nicht abdrehen, eine andere Bahn ziehen, womöglich näher an Ortschaften herankommen?

Genau das könnte nach Befürchtungen des Stadtrats Speicher passieren, sollten einmal Windräder in der Verbandsgemeinde gebaut werden. Das Gremium will deshalb nicht, dass die Firma Juwi aus Wörrstand Windräder in den Wald baut. Die Gemeinden Preist und Orenhofen sind hingegen dafür.

Der Hintergrund: Die Geschichte der Windkraft in der Verbandsgemeinde Speicher ist lang. Sie lässt sich trotzdem kurz zusammenfassen: Viele Standorte in der kleinsten Eifel-Kommune eignen sich nicht für Rotoren. Der Grund ist die Nähe zum Flugplatz. Dass der US-Stützpunkt für Planer zum Problem wird, hat zwei Gründe. Zum einen können die Flügel der Türme Radarsingale verzerren. Und zum anderen stellen sie, bei entsprechender Höhe, ein Hindernis für Piloten da, die tief fliegen müssen – etwa bei Starts oder Landungen.

Das macht die Planung schwierig. Trotzdem wies die VG 2000 einen Standort aus.  15 Jahre später drehte sich dort noch immer kein Windrad und der Rat verwarf die Fläche wieder. Stattdessen brachten die Planer drei neue ins Spiel: die Waldgebiete A, B und C. Nachdem das Gelände B schnell aus der Planung flog, blieben A und C. Diese beiden Areale stehen im fertigen Flächennutzungsplan. Damit wurde eine Grundlage für den Bau der Anlagen geschaffen. Es gibt aber weitere Komplikationen:

Die Standorte: Wenn überhaupt ein Windrad in der VG Speicher gebaut werde, dann wohl nur auf der Fläche C nahe des Schönfelderhofes, meint Bauamtsleiter Edmund Weimann. Denn das Gelände A, das auf der Kuppe zwischen Speicher und Orenhofen liegt, sei wohl nicht weit genug von der Einflugschneise entfernt.

Auch der Investor Juwi, der Windräder im Bitburger Land betreibt, befasst sich mit der Fläche A nicht weiter, wie eine TV-Nachfrage ergab.

Dem Stadtrat Speicher ist das recht. Bei der jüngsten Sitzung hat das Gremium Windrädern auf eigenen Grundstücken eine Absage erteilt. Alle Fraktionen im Gremium befürchten nämlich, dass die Piloten die Türme als Hindernis betrachten und daher näher an die Stadt heranfliegen könnten. Und das würde zu mehr Fluglärm führen, den die Politiker den Bürgern ersparen möchten.

Für die Zone A würde dieser Beschluss des Rates eine Planung fast unmöglich machen. Denn von den 42 Hektar gehören den Speicherern 31, die mitten im Gelände liegen. „Der Standort A ist damit tot“, sagt Weimann.

Im Gelände C aber sind die Eigentumsverhältnisse unübersichtlicher. Die Stadt hat hier zwar 25 Hektar Land. Den Gemeinden Orenhofen und Preist gehören aber zusammen rund 100 Hektar, was genug wäre für drei Windräder. Und die wollen die Gemeinden auch haben. Zudem hat die Arenbergsche Forstverwaltung Nutzungsrechte im Wald. Auch dieser Gesellschaft wäre daran gelegen, wenn im Wald Rotoren kreisten. Drei Stück könnten auf dem Privatgrundstück Platz finden.

Die Bedenken der Speicherer teilen die Dorfchefs übrigens nicht. „Man müsste erstmal untersuchen, ob die Räder den Flugbetrieb stören würden. Bis dato ist das doch nur eine Befürchtung“, sagt der Preister Bürgermeister Edgar Haubrich. Er hat allerdings gut reden: Denn vom Fluglärm ist seine Gemeinde, genauso wie Orenhofen, nicht betroffen. Salopp gesagt könnte es Haubrich und Schönhofen also egal sein, wenn sich die Einflugschneisen ändern. Von den Düsenjägern würden sie ohnehin nichts sehen.

Das Geschäft: Dass die Anlagen sich reniteren würden, steht offenbar außer Frage. „Erste grobe Analysen lassen uns davon ausgehen, dass ein wirtschaftlicher Betrieb von Windenergieanlagen hier möglich sein wird“, meint ein Juwi-Sprecher. Auch Haubrich glaubt, dass im Wald nahe Orenhofen ein Geschäft lockt: „Es würde sich lohnen, den Wald zu verpachten.“ Sein Kollege Rainer Schönhofen aus dem Nachbarort sagt: „Die Verspargelung der Landschaft mag nicht jedermanns Sache sein. Die Sache der Orenhofener ist es schon.“ Denn die Verpachtung der Grundstücke eröffne finanzielle Gestaltungsmöglichkeiten, die man derzeit kaum habe.

Wie viel Geld jährlich in die Kassen fließen könnte, darüber wollen alle Beteiligten nichts in der Zeitung lesen. Nur so viel teilt Juwi mit: „Die Ortsgemeinden werden eine angemessene, marktübliche Pachtzahlung bekommen.“

Der Stand der Dinge: Bis es soweit ist, könnten Jahre ins Land gehen. Die Gemeinde Orenhofen, auf deren Gemarkung die Anlagen entstehen sollen, muss erstmal einen Bebauungsplan aufstellen. Bis der fertig ist, dauert es nach Angaben von Bauamtsleiter Weimann mindestens ein Jahr. Zeit, die sich der Investor Juwi nehmen will: Die Firma verspricht sich von dem Verfahren, dass „Detailfragen rund um die Planung offen und transparent diskutiert und beschlossen werden“. Während dieses Prozesses soll auch bekanntgegeben werden, wie lange die Gemeinden auf die Mühlen warten müssen. „Eine genaue Zeitangabe ist derzeit nicht möglich“, schreibt der Juwi-Sprecher: „Wir sind in einem sehr frühen Entwicklungs- und Abstimmungsstadium.“ Schönhofen wagt eine grobe Schätzung: „Bei so komplexen Planungen kann das bis zu vier Jahre dauern.“