Demo gegen Molkereien: Bauern beklagen bei Protesttag in Pronsfeld den Verfall der Milchpreise

Demo gegen Molkereien: Bauern beklagen bei Protesttag in Pronsfeld den Verfall der Milchpreise

Der Bund Deutscher Milchviehhalter fordert Großmolkereien und Politik auf, ein Krisensystem für sinkende Milchpreise zu entwickeln. In Pronsfeld demonstrierten 50 Bauern und übergaben einen Entwurf ihres Konzepts.

Vor fünf Jahren gingen Bilder von Milchbauern, die demonstrativ ihre Produkte in Gullys gossen, um die Welt. Mit der Aktion sollte gegen niedrige Erzeugerpreise protestiert werden. Heute sinken die Preise erneut - und wieder formiert sich Widerstand. Zwar wurde noch keine Milch verschüttet, doch vor dem Pronsfelder Standort der Arla Foods haben 50 Milchviehhalter am Mittwoch gegen die Geschäftspolitik von Großmolkereien demonstriert. Eingeladen zur Kundgebung hat der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) unter dem Motto: "Wir brauchen keine Molkereikonzerne, sondern Marktrahmenbedingungen."

Die Entwicklung der Erzeugerpreise sei sehr Besorgnis erregend, erklärt Kurt Kootz, Landesvorsitzender des BDM. Der Milchpreis sei im Sinkflug, weil die Molkereien viel zu viel Milch auf den Markt brächten. "Doch nicht sie leiden darunter, sondern allein wir Erzeuger", sagt er. Gemeinsam mit dem European Milk Board habe man ein Marktkrisenkonzept entwickelt, das einer neuen Krise entgegenwirken solle.

Das Prinzip sei schnell erklärt: "Aktuell hat die Marktbeobachtungsstelle für den Milchsektor keine Handlungsmöglichkeiten. Sie beobachtet nur und warnt vor Krisen. Und dann? Nichts." Die Stelle müsse weitere Kompetenzen erhalten, fordert der BDM. Bei einer Krisenwarnung müsse in zwei Stufen reagiert werden: "In einer ersten sollen auf freiwilliger Basis die Molkereien weniger Milch auf den Markt bringen. Führt das nicht zu einer Stabilisierung, muss dann halt mit Verordnungen regulierend eingegriffen werden."

Kootz übergab ein ausformuliertes Konzept an den Pronsfelder Standortleiter der Arla, Jürgen Wolf. Zwar sei der Entwurf bei ihm an der falschen Stelle, sagte Wolf, er werde ihn aber an die Arla-Leitung in Düsseldorf weiterleiten.
Kootz betonte, dass nicht die Arla Foods allein Ziel des Protests sei: "Wir wollen uns an alle Molkereien wenden und auch von der Politik gehört werden."

Dass jüngst 50 Milchbauern des BDM ankündigten, die Arla nicht mehr beliefern zu wollen, stehe übrigens nicht im Zusammenhang mit der Demonstration, sagte Kootz. Sie planten eine eigene Vermarktung ihrer Milch. "Das hat nichts direkt mit der heutigen Kundgebung zu tun."

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