Die Stadt braucht ein Gesicht

Die Stadt braucht ein Gesicht

BITBURG. Nicht alles, was erlaubt ist, ist auch schön. Das gilt auch für das Stadtbild Bitburgs. Stadtratsmitglied Willi Notte hat sich deshalb Gedanken über die Gestaltung der Stadt gemacht, um Bitburg ein unverwechselbares Gesicht zu geben.

Nicht Vorschriften über Dachneigungen, Wandfarben oder die Form der Fenster will Stadtratsmitglied Willi Notte festgeschrieben sehen. Dem Vertreter der Liste Streit im Rat geht es darum, dass die Stadt ein stärkeres Profil bekommt, um Bitburg so attraktiver zu gestalten. Im vergangenen Jahr trug er deshalb seine Gedanken zu diesem Thema den Fraktionen im Stadtrat vor. Eine öffentliche Debatte über das Schaffen von Grundsätzen zur Gestaltung der Stadt hat es bisher aber nicht gegeben. Betonkübel mit Massivholz

"Ich baue auf einen breiten Konsens und eine Diskussion", sagt Notte. Dazu hat er Überlegungen angestellt, die in einem so genannten "planlosen Konzept" (Notte) mündeten, das, anders als der Name vermutet lässt, sehr durchdacht ist. Grundgedanke von Nottes Überlegungen ist, dass es in der Stadtentwicklung keine architektonischen Fragen gibt, auf die es keine guten Antworten gibt. "Die Aufgabe der Politik besteht darin, die richtigen Fragen zu finden", zitiert Notte einen befreundeten Architekten. Es müssten nur die richtigen Themen gefunden werden, die richtig kombiniert werden müssten. Eine Möglichkeit der Entwicklung ist laut Notte, der Stadt ein Profil zu geben, dass Bitburg unverwechselbar macht. Bierstadt, Folklorestadt oder vielleicht auch Autostadt fallen ihm dabei spontan ein. Auch die Wahrnehmung der Stadt auf Sach- und Gefühlsebene müsse in ein Konzept aufgenommen werden. "Es gibt einen Zusammenhang zwischen den verwendeten Materialen und dem Wohlfühlgrad eines Menschen", sagt Notte. Pflanzen, Bäume, Naturstein, Massivholz und rostiges Metall kämen gut an, Edelstahl und verzinktes Eisen eher nicht. Er schlägt deshalb beispielsweise vor, die Glasschaukästen und Drahtbänke in der Fußgängerzone zu entfernen. Die Betonkübel - ebenfalls auf Nottes Liste - sind inzwischen teilweise mit Massivholz neu gestaltet worden (der TV berichtete). Ein wichtiger Punkt für Notte ist es zudem, einen zentralen Platz in einer Stadt zu haben, dem andere Plätze klar untergeordnet sind. "Das fehlt in Bitburg bisher", sagt Notte. Der Postplatz könnte diese Rolle aber übernehmen. Ein solcher Platz als zentraler Anlaufpunkt könnte das "Wir"-Gefühl der Einwohner stärken. Da eine gewisse Einheitlichkeit für Willi Notte unerlässlich ist, setzt er auf Gestaltungsregeln. Die sollen aber nur so genannte Basiskomponenten umfassen. Als Beispiele dafür nennt er Straßen, Bürgersteige, Randsteine, Straßenbeleuchtung und Kreisverkehre oder auch Bushäuschen. "Es geht um Dinge, die sich in der Stadt ständig wiederholen", sagt Notte. Auf einen Nenner gebracht: Sobald die Basiskomponenten vereinheitlicht werden, wird dem übrigen Dingen Dimension gegeben. Dabei spricht er sich klar dafür aus, echte und regionaltypische Werkstoffe zu verwenden. Auch warnt er davor, alle Basiskomponenten zu vereinheitlichen. Die Antwort auf die Frage, welche Komponenten wie gestaltet werden sollen, müsse diskutiert werden. "Die Stärke des Konzepts liegt in seiner Offenheit und Allgemeingültigkeit", sagt Notte. Wenn bereits ein Konzept konkrete Lösungen vorschreibe, gehe das zu Lasten der Realisierbarkeit. Weiterhin schlägt er vor, ausgehend von der Stadtmitte die einzelnen Gestaltungsgrundsätze immer weniger stark in den Vordergrund zu stellen. "Einige Elementen sollen sich aber in Mötsch genauso wiederfinden wie in Stahl oder in der Altstadt", sagt Notte. Die fehlende Praktikabilität ist es vermutlich, die dazu geführt hat, dass die bestehende Gestaltungssatzung das Papier nicht wert ist, auf dem sie gedruckt ist. 1979 wurde sie vom Stadtrat beschlossen. Auswirkungen auf die Gestaltung der Kernstadt hat sie aber nie so recht gehabt. Gehalten haben sich an die Regeln auch nicht alle. Das könnte theoretisch teuer werden. Denn das bestehende Regelwerk sieht Geldbußen von umgerechnet bis zu rund 5000 Euro bei Verstößen gegen die Satzung vor. Ein Marsch von Zangerles Eck bis Römermauer könnte sich angesichts mancher Häuser und mancher werblichen Anlagen lohnen.Braucht Bitburg eine Gestaltungssatzung für die Innenstadt, oder ist das derzeitige Erscheinungsbild des Zentrums in Ordnung? Wie könnte eine solche Satzung aussehen? Mailen Sie Ihre Meinung an eifel-echo@volksfreund.de in wenigen Zeilen oder per Fax an 06561/959539 (Name und Anschrift nicht vergessen)