Eifeler Priester im Kampf gegen Aids

Priester Stefan Hippler setzt sich in Südafrika für Aidskranke ein und will die Ausbreitung des Virus eindämmen. Er fordert, dass die Kirche den Gebrauch von Kondomen erlaubt. Heute ist er zu Gast in seiner Heimatstadt Bitburg, wo er mit Schülern über Aids spricht.

 Stefan Hippler engagiert sich in Südafrika für aidskranke Kinder. Heute ist er zu Gast in Bitburg. Foto: TV-Archiv

Stefan Hippler engagiert sich in Südafrika für aidskranke Kinder. Heute ist er zu Gast in Bitburg. Foto: TV-Archiv

Bitburg. Einer, der aufklären will: Seit 13 Jahren ist der aus Bitburg stammende Priester Stefan Hippler am Kap der Guten Hoffnung im Einsatz. Dort betreut er mit seinem Projekt "Hope" an Aids erkrankte Kinder und deren Eltern. Und er wird gebraucht.

Denn das tödliche Virus breitet sich rasant schnell aus. Tag für Tag infizieren sich in Südafrika rund 1700 Menschen neu. Täglich sterben 800 Infizierte an den Folgen der Immunschwäche-Krankheit. Etwa zehn Prozent der Südafrikaner sind bereits HIV-positiv. Das sind 5,4 Millionen Menschen, aber nur wenige haben die Chance, lebenserhaltende Medikamente zu bekommen. In Deutschland gibt es rund 63 500 "Positive", 650 starben vergangenes Jahr an Aids.

Doch jenseits des Welt-Aids-Tags macht die tödliche Krankheit kaum Schlagzeilen. Heute unterhält sich der "Aids-Priester" mit Schülern des Willibrord Gymnasiums Bitburg über HIV.

Vor 30 Jahren ging Hippler selbst in Bitburg zur Schule. Auf seinen Reisen durch Europa macht er immer wieder Station in seiner Heimatstadt, wo er Ende 2007 auch sein Buch "Gott, Aids, Afrika" (siehe Extra) vorstellte.

Später musste er auf Druck der Bischofkonferenz eine Lesereise absagen. Zuletzt ließ die Bischofskonferenz den Südafrika-Vertrag von Hippler auslaufen. Dank dem Trierer Bischof Stephan Ackermann war es möglich, Hipplers Engagement in Südafrika um fünf Jahre zu verlängern: Er wird nun vom Bistum Trier bezahlt (der TV berichtete). Ein Mail-Interview im Vorfeld des Heimat-Besuchs:

Sind Sie erleichtert, dass Ihr Einsatz in Südafrika weiter gesichert ist?

Stefan Hippler: Ich bin froh, das es eine sinnvolle Lösung gegeben hat, die den Menschen dient.

Ärgern Sie sich manchmal über die Kirche?

Stefan Hippler: Was wäre das Leben langweilig, wenn wir uns nicht manchmal ärgern könnten - das gehört dazu. Wobei "die Kirche" immer so ein Begriff ist - man äergert sich halt manchmal über einen Kirchenvertreter. Und ich bin sicher, das gilt auch umgekehrt. Aber das ist menschlich.

Was gibt Ihnen Kraft für Ihre Arbeit in Südafrika?

Stefan Hippler: Das Wissen, etwas Sinnvolles zu tun, und die Menschen dort. Die, die mithelfen und mitarbeiten, und die Menschen, denen Zukunft und Hoffnung gegeben werden kann.

Worauf freuen Sie sich, wenn Sie wieder hierher kommen?

Stefan Hippler: Die Vielfalt an Süssigkeiten. Haribo Lakritz und Gummibärchen sind mein besonderes Vergnügen.

Ist die Eifel noch Heimat oder inzwischen doch Südafrika?

Stefan Hippler: Heimat ist immer dort, wo ich mich zu Hause fühle, und das ist momentan Kapstadt, wo ich seit fast 13 Jahren lebe. Dort erlebe ich Extreme menschlicher Existenz hautnah und in einer Unmittelbarkeit, die ich von Europa her nicht kenne.

Was können wir hier von den Menschen in Südafrika lernen?

Stefan Hippler: Gelassenheit, Lebensfreude, eine Unmittelbarkeit von Leben und Sterben, von Natur und Menschlichkeit, das Leben im "Hier und Jetzt”.

Und umgekehrt?

Stefan Hippler: Ein wenig mehr Ausdauer bei so manchen Unternehmungen und Vorhaben würde sicherlich so manchem Südafrikaner gut tun.

Was sind weitere Stationen Ihrer aktuellen Heimat-Reise?

Stefan Hippler: Ich werde in Rom starten, wo ich mit Vertretern des päpstlichen Rates unter anderem über die Verbindung von Sport und Religion im Rahmen der Aufklärungsarbeit über Aids spreche. Ein Thema wird auch die Frage der pastoralen Betreuung von HIV-positiven Priestern, Ordensleuten und Seminaristen sein - eine sehr delikate Frage.

Wir haben diese Arbeit in Kapstadt bereits mit dem Segen des dortigen Erzbischofs begonnen. In Berlin geht es um eine Austellung im Museum der Charité. Von Bitburg aus fahre ich nach Aachen zur Katholischen Hochschulgemeinde, nach Dresden zur "Hope"-Gala und weiter nach München, wo ich Vertreter der Erzdiözese treffe.

Was ist Ihr Anliegen jenseits Ihres Einsatzes für Aidskranke und Ihres Kampfes gegen die weitere Ausbreitung des Virus?

Stefan Hippler: Mir ist wichtig, die Realitäten Südafrikas Menschen in Europa klarzumachen und umgekehrt. Es ist schön, Brücke sein zu dürfen zwischen so verschiedenen Welten.no/drEXTRA "Gott-Aids-Afrika" heißt das Buch, das Stefan Hippler mit Bartholomäus Grill 2007 veröffentlicht hat. Zitate aus dem Werk: "Die Tragweite der Tragödie wird offenbar immer noch unterschätzt. Denn der Pontifex bekräftigte, dass Keuschheit und Treue den ,einzig sicheren Weg' weisen, um der Ausbreitung der Seuche vorzubeugen." "Nicht unsere Predigten, nicht unsere guten Absichten zählen, sondern das angewandte Wort Gottes, die gelebte Liebe Gottes. Also müssen wir heute alles tun, um die Ausbreitung von Aids zu stoppen, damit wir als katholische Kirche vermeiden, in 50 Jahren wieder ein offizielles Schuldbekenntnis ablegen zu müssen. Es würde Millionen von Aids-Toten nicht mehr helfen." "Wir sollten unsere Gotteshäuser als Orte der Stille und der Diskretion nutzen, in denen Menschen sich testen lassen können. Unsere Kirche ist die größte religiöse Gemeinschaft der Welt, keine andere hat mehr Einrichtungen, die im Kampf gegen die Pandemie bereit gestellt werden könnten. Das würde sich vor allem in Entwicklungsländern positiv auswirken." (scho)ZUR PERSON Stefan Hippler: Der 49-jährige Priester stammt aus Bitburg. Er ist Seelsorger aus Berufung und betreut in Südafrika die deutschsprachige katholische Gemeinde in Kapstadt, wo er auch das Aids-Projekt "Hope" gegründet hat, das als Netzwerk aidskranke Kinder und deren Eltern unterstützt. 2008 wurde Hippler mit dem Erich-Kästner-Preis geehrt, der an Menschen verliehen wird, die sich "in hervorragender Weise um Toleranz, Humanität und Völkerverständigung verdient gemacht haben".