Islék ouni Grenzen

Kinder aus Belgien, Deutschland und Luxemburg trafen sich zum zweiten Mal in Vianden, um gemeinsam bei einem zweitägigen Workshop mit dem Künstler Dieter Nusbaum einen Kalender zu gestalten. Die Europäische wirtschaftliche Interessenvereinigung Islek ohne Grenzen (EWIV) lud zum zweiten Mal zu der Aktion ein - erstmals ist der Kalender auch im Handel erhältlich.

Arzfeld. Ein Landstrich, ein Kultur- und Naturraum, drei Nationen: Tief im Westen der Eifel, nahe bei Belgien und Luxemburg sind es die Menschen im Islek gewohnt im Grenzland zu leben. Über die Jahrhunderte waren die Grenzen mal geschlossen, mal durchlässig, doch egal wie die politische Lage aussah, irgendwie gehörte man zusammen. Wie sehr das Wir-Gefühl das Leben im Islek bestimmt und auch auf die Idee eines gemeinsamen Europas abfärbt, zeigen gerade Grundschüler aus allen drei Staaten - mit dem Kölner Künstler Dieter Nussbaum haben sie einen Kalender entworfen, der nun in der Arzfelder Raiffeisenbank vorgestellt wurde.
An zwei Tagen im Herbst haben die Viertklässler aus Belgien (Gemeindeschule Kreuzberg), Deutschland (Grundschulen Arzfeld und Daleiden) und Luxemburg (Primarschule Hosingen und Grundschule Weiswampach) in Vianden mit Nusbaum zusammengearbeitet. Der Auftraggeber: die "Europäische wirtschaftliche Interessenvereinigung Islek ohne Grenzen" (EWIV, siehe Extra).
Im vergangenen Jahr lud der grenzüberschreitende Wirtschaftsverbund zum ersten Mal zur gemeinsamen Malaktion ein. "Schon viele Jahr bringen wir einen Kalender raus. Die Beiträge malten die Kinder aber bis zum vorigen Jahr getrennt voneinander in den Schulen", sagt Francine Keiser, EWIV-Vorsitzende aus dem luxemburgischen Hoscheid. Versuchsweise habe man 2015 erstmals zum Workshop eingeladen (der TV berichtete).
"Ein voller Erfolg, es war gleich klar, dass das Ganze wiederholt wird", sagt EWIV-Geschäftsführer Josef Freichels.
Wie gut die Aktion tatsächlich ankommt, zeigen die Anmeldungen zur zweiten Auflage: 92 Kinder aus allen drei Nationen machten mit. "Das ist deutlich mehr und brachte eine ziemlich große wuselnde Gruppe hervor. Dank der Unterstützung aller Lehrer lief aber alles reibungslos", sagt Nusbaum.
Während er im Vorjahr thematisch noch komplett freie Hand hatte, wurde der Workshop diesmal unter das Motto: "Europa ohne Grenzen - Islek ohne Grenzen" gestellt. "Wir setzten uns erst mal zusammen und sammelten Themen und Ideen. Dann ging es gleich an die Arbeit - in gemischten Gruppen. Der grenzenlose Gedanke sollte sich auch bei der Arbeit wiederfinden", sagt Nusbaum. Nicht jedes Kind sei gleich hellauf von dieser Mischung begeistert gewesen, räumt Francine Keiser ein, kaum bei der Arbeit, seien die Grenzen in den Köpfen aber schnell gefallen. "Als erstes Argument kam oft ‚aber wir verstehen uns doch gar nicht'", sagt sie. Wenn die Kinder endlich miteinander sprachen, habe sich allerdings bald gezeigt, dass man sich sehr wohl versteht. "Jeder muss halt aufmerksam zuhören, dann zeigte sich schnell, dass man mit dem Luxemburgischen und den deutschen Dialekten gut zurechtkommt."
"Stimmt!", sagt Siljan (10, Arzfeld), "mir hat am meisten die Besprechung am Anfang gefallen. Es war toll, mit den anderen Kindern etwas zu planen und dann auch zu machen." Das Malen habe ihm Spaß gemacht, aber am tollsten sei wirklich der Kontakt mit den Kindern aus allen drei Ländern gewesen. Maren (9, Arzfeld) hat auch die Themenfindung gut gefallen. "Ich war in der Gruppe, die sich mit Tieren befasste", sagt sie. Zusammen habe man überlegt, wie ein Zoo aussehen würde, in dem alle Tiere Europas gezeigt werden.
Der EWIV-Kalender ist ab sofort für zehn Euro in der Tourist-Information Arzfeld sowie in der Arzfelder Filiale der Raiffeisenbank Westeifel erhältlich. Bis Anfang Dezember wird dort auch eine Ausstellung mit den Bildern der Kinder gezeigt.