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Kommission besucht Bitburg: Entscheidung zum Standort der Landesgartenschau 2022 fällt noch vor der Sommerpause

Kommission besucht Bitburg: Entscheidung zum Standort der Landesgartenschau 2022 fällt noch vor der Sommerpause

Sie treten an, um zu gewinnen. Bitburg und der Eifelkreis wollen die Landesgartenschau. Keine Frage, dass man vor Ort auf den Besuch der Landeskommission perfekt vorbereitet war. Die Stimmung soll gut, das Interesse groß gewesen sein. Ob es reicht? Das wird sich bald zeigen. Noch vor der Sommerpause fällt die Entscheidung.

Es gibt Tage, da läuft es einfach rund. So einen hatten Bitburgs Bürgermeister Joachim Kandels und Landrat Joachim Streit am Dienstag. Darauf hatten sich Stadt und Kreis seit Wochen und Monaten vorbereitet. Es galt, einer 24-köpfigen Kommission aus Vertretern von Organisationen und Verbänden aus den Bereichen Kommunalvertretung, Städtebau, Landesplanung oder Umweltschutz unter Leitung von Wirtschaftssekretär Andy Becht zu zeigen, warum ausgerechnet Bitburg und die Eifel es verdient hätten, den Zuschlag für die Landesgartenschau 2022 zu bekommen. Bis in den späten Abend hat die Kommission, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit unterwegs war, mit rund 30 Vertretern von Stadt und Kreis sowie von Wirtschaft, Freizeit und Tourismus noch im Rathaus zusammengesessen und diskutiert.

Zuvor lief eine minutiös geplante Präsentation ab: In Spangdahlem stieg Landrat Streit in den Bus zu und machte unterwegs schon mal deutlich, was in der Eifel alles so in der Mache ist - von Initiativen wie Baukultur Eifel bis Zukunfts-Check Dorf. Schwerpunkt war dann natürlich der Rundgang über das mit rund 65 Hektar riesige Housinggelände mit seinen 50 Blocks.
Das einzige Gebäude, das noch genutzt wird, ist die Schule. "Die Amerikaner haben beim Rundgang noch mal versichert, dass sie das Areal kommendes Jahr freigeben", sagt Streit. Dieser wichtige Punkt, über den anfangs spekuliert wurde, ist also klar: Die Verfügbarkeit des Geländes ist gegeben.

Die 65-Hektar-Herausforderung

Auf dem Weg durch die Housing, die sechsmal größer als die Innenstadt ist, machten Stadt und Kreis nicht nur deutlich, wie groß die Herausforderung ist, vor der man in der Eifel steht, wenn das riesige Areal an den Bund zurückfällt, sondern sie zeigten auch, wie stimmig sich diese Fläche mithilfe einer Gartenschau zu einem schönen, neuen Stadtviertel entwickeln ließe. Dafür brauchen Stadt und Kreis Unterstützung. Größte Sorge ist, dass die Blocks sonst zu einem Getto verkommen.

"Die Landesgartenschau ist ein geeignetes Instrument, eine zukunftsfähige stadt- und umlandverträgliche Entwicklung zu initiieren", sagt auch Maria Arvanitis, Leiterin der Tourist-Info. Sie verspricht sich einen Aufschwung für das ganze Umland von der Schau, die konservativ gerechnet mit rund 400?000 Besucher kalkuliert. Zum Vergleich: Die Trierer Landesgartenschau zählte 2004 rund 725?000 Besucher. Für Arvanitis würde das die Eifel, in der der Tourismus ja ein wichtiger Wirtschaftszweig ist, auf jeden Fall nachhaltig stärken.

Bürgermeister Kandels fasst später zusammen: "Für uns war das ein gelungener Tag. Es wurde deutlich, dass die gesamte Region mit Herzblut hinter der Bewerbung steht." Die enorme Bürgerbeteiligung, die in der Aktion "Ein Lied für Bitburg" gipfelte, sieht auch der Landrat als etwas, das Bitburg von seinen Mitbewerbern Bad Neuenahr-Ahrweiler, Neuwied und Bad Kreuznach, wo die Kommission am heutigen Donnerstag ist, abhebt. Wie man das beim Land wertet?

Das zuständige Wirtschaftsministerium bittet um Verständnis: "So lange das Bewerbungsverfahren läuft, können wir uns inhaltlich nicht zu einzelnen Kandidaten äußern." Eine Entscheidung soll aber noch vor der Sommerpause fallen. Das wäre Mitte Juli - also ziemlich bald. Ab jetzt heißt es also: Daumen drücken!
Meinung

Nichts wird die Zukunft der Stadt Bitburg so prägen wie die Entwicklung der Housing. Doch eine Landesgartenschau erschien vielen anfangs utopisch. Inzwischen sind die Skeptiker leise. Mehr als 2000 Menschen "Bitburg will die Gartenschau" für die Bewerbung von Stadt und Kreis gesungen. Das Konzept passt und hat die Bürger nicht nur überzeugt, sondern begeistert. Und Bitburg und die Eifel hätten die Chance, dieses Konzept umzusetzen, wirklich verdient. Es wäre ein Signal aus Mainz für den ländlichen Raum.
d.schommer@volksfreund.de
EXTRA So kalkulieren Stadt und Kreis

Bisher ist eine Kostenteilung von Stadt (zwei Drittel) und Kreis (ein Drittel) angedacht. Sollte Bitburg den Zuschlag für die LGS bekommen, wird die Verbandsgemeinde Bitburger Land prüfen, ob sie sich an Investitions- und Durchführungskosten beteiligt.

Investitionen: Elf Millionen Euro für Infrastruktur wie Parkplätze, Hallen und Wege (Land: acht Millionen Euro; Stadtanteil: zwei Millionen; Kreisanteil: eine Million Euro).
Durchführung: 9,6 Millionen Euro für die eigentliche Schau - samt Personalkosten für Kassierer wie Künstler; Einnahmen: 5,6 Millionen Euro (vor allem Eintritt); bleiben 2,7 Millionen für die Stadt und 1,3 Millionen für den Kreis.

Flankierend: 15 Millionen Euro für Projekte wie den Ausbau von Wander- und Radwegen; abzüglich Förderung müsste die Stadt knapp vier Millionen und die Verbandsgemeinde Bitburger Land eine halbe Million Euro beisteuern.