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Vom Rock River bis an die Kyll

Soziales : Vom Rock River bis an die Kyll

Der Kyllburger Bürgermeister Wolfgang Krämer hat Post aus Luverne in Minnesota (USA) bekommen. Die Gemeinde möchte eine Partnerschaft.

Anfang Januar klingelt bei Wolfgang Krämer das Telefon. Am Apparat ist ein Mitarbeiter des Zollamtes in Wittlich. Es sei ein Paket für den Kyllburger Bürgermeister angekommen, sagt er, aus den Vereinigten Staaten.

Zunächst kann sich Krämer das nicht erklären. Er fährt trotzdem hin: „Bis zu dem Tag war ich noch nie beim Zollamt gewesen.“ Er nimmt das Päckchen an. 35 Dollar Porto hatte der Absender gezahlt, um es ihm zukommen zu lassen. Was wohl drin sein mag?

Im Umschlag findet Krämer einen Brief und mehrere Prospekte. Auf ein Heft ist eine rote Felswand gedruckt. Sie steht im Blue Mounds Statepark in Minnesota, im Norden der USA, ist darunter zu lesen. Inmitten dieser Naturlandschaft, rund 7000 Kilometer Luftlinie von Kyllburg, liegt Luverne. Eine Kleinstadt, die vor allem für die größte „Nussknackersammlung im Mittleren Westen“ bekannt ist, wie es in einer der Broschüren heißt. Von dort stammt das Anschreiben, das Krämer erreicht.

Verfasst hat es eine gewisse Jane Lanphere vom Luverne Area Chamber, einer lokalen Organisation. Sie würde gerne mehr über „die wunderschöne Stadt“ Kyllburg und die Gegend erfahren, schreibt sie, vielleicht eine Art Städtepartnerschaft aufbauen. Für Krämer ist das natürlich „eine sehr nette Sache“. Ihm schwebt vor, dass sich die Vereine oder Feuerwehren der beiden Gemeinden ja mal treffen könnten. Für regelmäßige gegenseitige Besuche seien die Orte wohl zu weit voneinander entfernt, meint Krämer.

Doch wie kamen die Amerikaner überhaupt auf das kleinste Städtchen in Rheinland-Pfalz, das etwa 15 Flugstunden entfernt liegt? Das ist wohl Gerry Wenner zu verdanken, dem Vorsitzenden der Vereinigung „Sister Cities“ in Minnesota. „Sister Cities“ ist der englische Begriff für Partnerstädte und genau danach hatte die Gemeinde Luverne wohl seit Längerem gesucht. Als Wenner mal vorbeischaute, empfahl er ihnen Kyllburg. Denn hier kennt er sich aus.

Wenners Familie stammt nämlich aus der Eifel. Ab und an besucht er seine Verwandten in Oberkail und Fließem. Dabei hat er auch schon Ausflüge nach Kyllburg unternommen und sich dabei ein wenig in die historische Stadt verliebt, wie es scheint. Seit einigen Monaten schrieben Krämer und Wenner bereits „sporadisch“ Mails hin und her, sagt der Bürgermeister. Dass daraus einmal eine Städtepartnerschaft erwachsen könnte, hätte er aber nicht gedacht.

Nun gilt es Kontakt aufzunehmen. Ein Mitglied des Stadtrates soll den Briefverkehr übernehmen. Denn Krämers Schulenglisch sei ein bisschen eingerostet, sagt er.