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Luftverkehr
Wann fließt Geld für den Hahn?

Hahn/Mainz. Der chinesische Flughafenbesitzer hat noch keine Beihilfen beim Land beantragt. Es gibt keine Auskunft darüber, was genau geplant ist. Von Bernd Wientjes

Der Flughafen Hahn ist seit 9. August vergangenen Jahres in chinesischer Hand. Er gehört dem Mischkonzern HNA. 15 Millionen Euro hat HNA für die 82,5-Prozent-Anteile des Landes Rheinland-Pfalz gezahlt. Die restlichen 17,5 Prozent gehören weiterhin dem Land Hessen.

Christoph Goetzmann, der mittlerweile Chief Operating Manager von HNA am Hahn ist (also die Geschäfte am Flughafen leitet), war maßgeblich an den Kaufverhandlungen mit dem Land beteiligt. Außerdem war er davor – vier Jahre vor dem Einstieg der Chinesen – einige Zeit Vertriebschef auf dem Hahn. Goetzmann weiß also, wie es um den Hahn tatsächlich steht.

Kurz nachdem HNA im März vergangenen Jahres den Kaufvertrag unterzeichnet hatte, sprach Goetzmann davon, dass auf dem Hahn Investitionen von 50 bis 70 Millionen Euro notwendig seien. Wo genau investiert werden müsse, ließ Goetzmann jedoch offen.

Doch bislang hat der neue Besitzer des finanziell angeschlagenen Hunsrück-Flughafens noch nichts investiert. Jedenfalls hat HNA keinen Antrag beim Land auf Investitionsbeihilfen gestellt. Das geht aus der Antwort von Innenstaatssekretär Randolf Stich (SPD) auf eine Anfrage der CDU-Landtagsabgeordneten Alexander Licht, Hans-Josef Bracht und Martin Brandl hervor. Die Flughafengesellschaft habe mitgeteilt, so Stich, entsprechende Anträge vorzubereiten.

Das Land hat in Absprache mit der EU-Kommission zugesagt, dem neuen Hahn-Besitzer bis 2024 mit insgesamt 22,6 Millionen Euro bei geplanten Investitionen unter die Arme zu greifen.

Dafür habe das Land auch bereits Gelder im laufenden Haushalt eingestellt, teilte Stich mit. Für das vergangene Jahr seien es 8,5 Millionen Euro gewesen, in diesem Jahr stehen 10,25 Millionen und im kommenden Jahr 3,85 Millionen Euro zur Verfügung. Das Geld könne auch später noch abgerufen werden.

Vor dem Verkauf ist die Flughafengesellschaft von  Investitionen von durchschnittlich sieben Millionen Euro pro Jahr bis 2024 ausgegangen. Im Hinblick auf das Verkaufsverfahren sei allerdings eine „zurückhaltende Investitionstätigkeit“ der Flughafengesellschaft notwendig und sinnvoll gewesen, so Stich in seiner Antwort an die CDU-Parlamentarier.

Ob und was HNA auf dem Hahn investieren will, bleibt vorerst offen. Eine Anfrage unserer Zeitung ließ Goetzmann unbeantwortet. Wie auch schon vorherige Anfragen. Daher ist unklar, was der neue Hahn-Eigentümer im Hunsrück plant. Oder ob überhaupt Geld in den Flughafen gepumpt wird. Ende März hat die Flughafengesellschaft 96 Mitarbeitern einer externen Sicherheitsfirma, die für die Überwachung der Zugänge zum Flughafengelände und dessen Sicherung zuständig ist, die Übernahme angeboten.Die Zurückhaltung bei Investitionen könnte auch mit der finanziellen Lage von HNA zusammenhängen. Der Mischkonzern mit einer intransparenten Unternehmensstruktur, der weltweit über 400 000 Mitarbeiter beschäftigt und einen Umsatz von 80 Milliarden Euro macht, soll überschuldet sein. Laut Medienberichten hat die chinesische Regierung von HNA geplanten Übernahmen die Genehmigung verweigert. Im März hat der Konzern angekündigt, das Schweizer Unternehmen Gategroup, das Bordverpflegung für Fluggesellschaften anbietet, wieder zu verkaufen.

Vor ein paar Tagen teilte HNA mit, sich von seiner 26-Prozent-Beteiligung an der Hotelkette Hilton zu trennen. Gegenüber dem Branchenfachdienst airliners.de sagte Goetzmann, angesprochen auf die anhaltend negative Berichterstattung über den chinesischen Konzern kürzlich, es gebe keinen Grund, sich als Flughafen Hahn „auch nur einen Hauch eines Gedankens darüber zu machen“.