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Segelflieger oder Windkraft?

Kell/Waldweiler. Kell sieht den Luftsportverein als wichtig für den Tourismus an. Die Flieger wollen bei der zuständigen Behörde eine dauerhafte Genehmigung für den Flugbetrieb erwirken. Waldweiler fürchtet aber um seine Windkraftpläne auf dem Teufelskopf. Herbert Thormeyer

Kell/Waldweiler. Der bürokratische Aufwand für den Vorsitzenden des Luftsportvereins Kell, Stephan Hau, ist enorm: "Für jede Landung und jeden Start eines auswärtigen Flugzeuges müssen wir auf dem Hahn eine Erlaubnis einholen." Der Landesbetrieb Mobilität, Fachgruppe Luftverkehr, mit Sitz auf dem Flughafen ist die zuständige Behörde, an die sich der Verein gewandt hat, um eine dauerhafte Genehmigung für das Fliegerhobby zu bekommen.
Seit 1971, als der Flugbetrieb auf dem Gelände erstmals gestattet wurde, muss die Erlaubnis zudem alle zwei Jahre erneuert werden. "Das kostet uns 150 Euro und viel Mühe, auch für die Behörde", erklärt Hau das Ansinnen seines Vereins und ergänzt: "Es gibt keine baulichen Veränderungen und nicht mehr Flugbetrieb, auch nicht mit Motorflugzeugen."
Für den Tourismus wichtig


In einem solchen Verfahren müssen die betroffenen Ortsgemeinden angehört werden. Der Keller Ortsbürgermeister Markus Lehnen findet: "Hier geht es um die Sicherheit von Piloten und Flugschülern." Dittmar Lauer (CDU) ist Gründungsmitglied und sagt: "Das ist ein super Verein." Ratsmitglied Herbert Behres (Wählergruppe Jäger) betont die touristische Bedeutung des Vereins: "Da könnte ja mal ein Fest stattfinden oder zumindest ein Tag der offenen Tür." Das sei jedoch mit hohen Auflagen der Flugbehörde verbunden, so Hau, und deshalb finanziell nur schwer umsetzbar. Aber mitfliegen sei jederzeit möglich.
Während der Keller Rat geschlossen hinter dem Verein steht, sieht das Bild in Waldweiler ganz anders aus. Ortsbürgermeister Manfred Rauber und dem Gemeinderat liegen Pläne der Luftfahrtbehörde in drei Varianten vor, die eine Erweiterung der sogenannten Platzrunde ausweisen, des Bereichs, in dem Flugzeuge starten und landen. Deshalb darf ´dort kein Hindernis stehen. Solch ein Hindernis könnten jedoch die drei neuen Windräder darstellen, die Waldweiler gemeinsam mit Juwi plant. "Diese vorgeschlagene Platzrunde könnte doch gespiegelt werden, damit sie weder Waldweiler noch die Windkraftstandorte tangiert", schlägt der Ortschef vor. Geschehe das nicht, werde ja Waldweiler in seinem Planungsrecht ausgebremst. "Wir müssen für die Windkraftplanung Gutachten für Unsummen beibringen, und auf dem Flugplatz gibt es Quellen, und es werden Kraftstoffe gelagert, von denen wir nicht wissen, ob sie geschützt und genehmigt sind", gibt Rauber zu bedenken. Der Rat aus Waldweiler stimmte den Plänen des Vereins nicht zu. Waldweiler will sich jedoch mit Kell, den Luftsportlern und dem Windkraftplaner an einen Tisch setzen und sehen, wie sich die Planung auf den Flächennutzungsplan für Windkraft in der Verbandsgemeinde auswirkt.
"Es gibt bei uns höchstens 1500 Flugbewegungen mit Motorflugzeugen im Jahr", rechnet Stephan Hau vor. Er bietet Vertretern von Waldweiler an, einmal mitzufliegen, um zu erleben, wie gefährlich Windräder für Segler sein können.
Extra

"Es macht unheimlich Spaß, sich in der Luft wie ein Vogel zu fühlen", sagt Flugschüler Guglielmo Gubernator (14). Sieben Jugendliche und fünf Erwachsene erlernen derzeit beim Luftsportverein Kell das Fliegen ohne Motor. Derzeit gibt es unter den 70 Vereinsmitgliedern 30 aktive Flieger. Der Verein hat acht Flugzeuge, darunter einen Motorsegler, Ultraleichtflugzeuge und vier Segelflugzeuge. Rundflüge können unter Telelfon 06589/7777 gebucht werden. doth