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Gesundheit
In der Region nehmen Ärzte keine Abtreibungen mehr vor

FOTO: vetter friedemann
Trier. Die Lage für Frauen, die ungewollt schwanger werden, ist schwierig. Betroffene werden ins Saarland geschickt. Experten warnen vor einer großen Belastung. Von Bernd Wientjes

Wird eine Frau in der Region ungewollt schwanger und entscheidet sich gegen das Kind, muss sie für eine Abtreibung weite Wege auf sich nehmen. Nach TV-Recherchen gibt es in der Region keinen Arzt, der einen Schwangerschaftsabbruch vornimmt.

Kliniken mit gynäkologischen Abteilungen sind in der Region allesamt in katholischer Trägerschaft. Die katholische Kirche lehnt Abtreibungen ab. Selbst wenn die Gesundheit der Frau in Gefahr sei oder diese durch eine Vergewaltigung schwanger geworden sei, werde in den Kliniken der Region kein Schwangerschaftsabbruch vorgenommen, sagt Claudia Heltemes. Sie ist Geschäftsführerin bei der Beratungsstelle Pro Familia in Trier. Die Berater verweisen Schwangere, die sich für einen Abbruch entscheiden, zu den Kollegen nach Saarbrücken. Dort machen pensionierte Ärzte den Eingriff. Der weite Weg von bis zu 100 Kilometern sei für die betroffenen Frauen unzumutbar, sagt Heltemes. Zumal es bei einem medikamentösen Abbruch erforderlich sei, drei Mal innerhalb von zehn Tagen zu dem Arzt zu fahren.

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27 Prozent der insgesamt 3871 Abtreibungen bei rheinland-pfälzischen Frauen wurden im vergangenen Jahr in Nachbarländern wie dem Saarland und Nordrhein-Westfalen vorgenommen. „Für die betroffenen Frauen bedeutet das zu der ohnehin schon schwierigen psychischen Ausnahmesituation eine zusätzliche organisatorische und nicht selten auch eine finanzielle Belastung“, sagt Carsten Stumpenhorst, Geschäftsführer des Diakonischen Werks, das Beratungsstellen in Trier und Wittlich unterhält. Rüdiger Gaase, Landesvorsitzender des Berufsverbands der Frauenärzte, befürchtet, dass die Frauen dadurch in die Illegalität getrieben werden oder ihre Gesundheit gefährden durch dubiose Methoden womöglich aus dem Internet. Es sei ein großes Problem, dass in der Region Trier keine Abtreibungen möglich seien. „Die Frauen werden mit ihrem Problem alleingelassen“, sagt Gaase.

Ein Grund, warum immer weniger Ärzte Abtreibungen durchführten, sei die Angst vor militanten Abtreibungsgegnern und vor Strafe. Noch immer wird der Schwangerschaftsabbruch in Deutschland nach dem Paragraf 218 des Strafgesetzbuches mit Freiheitsstrafe bedroht. Allerdings lässt der Paragraf Ausnahmen zu, etwa wenn die Frau nachweist, dass sie an einer Schwangerschaftskonfliktberatung teilgenommen hat, wenn eine Gefahr für ihr Leben besteht oder wenn sie vergewaltigt wurde.

Der Trierer Gynäkologe Rudolf Sauter sagt, er sei Arzt geworden, um „Leiden zu lindern und Leben zu verlängern“ – eine Abtreibung stehe dem entgegen. Auch Sauter schickt Frauen, die sich nach dem vorgeschriebenen Beratungsgespräch für eine Abtreibung entscheiden, ins Saarland. Allerdings sagt Sauter: „Heute muss niemand mehr ungewollt schwanger werden.“