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Der Berg, der aus der Mosel kommt: Kieshaufen an B 419 stammt aus künstlichem Flussarm - Firma will Rohstoff verarbeiten

Der Berg, der aus der Mosel kommt: Kieshaufen an B 419 stammt aus künstlichem Flussarm - Firma will Rohstoff verarbeiten

Der riesige Erdhaufen an der B 419 bei Wasserliesch soll zu Geld gemacht werden. Der TV hat mit dem Unternehmen gesprochen, dem der künstliche Berg gehört. Die Firma hat die Erde aus Trier herangekarrt.

Wasserliesch/Trier. Es ist ein riesiger Hügel aus dreckig brauner Erde, der neben der B 419 auf dem Gelände der Firma Wacht liegt. Viele der rund 14 000 Menschen, die jeden Tag dort vorbeifahren, fragen sich, wo der Haufen herstammt. "Was soll denn der Riesenberg in Wasserliesch? Vielleicht ein neues Skiparadies?", fragt zum Beispiel ein Facebook-Nutzer in der Gruppe "Du bist Konzer, wenn …

Besitzer des Berges ist die Könener Firma Joh. Wacht GmbH. Geschäftsführer Hans Wacht erklärt auf TV-Anfrage bereitwillig, was es mit dem Berg auf sich hat. Obwohl der Kieshügel kein Skihang werden soll, will der Unternehmer damit Geld verdienen. "Dort liegen insgesamt 250 000 Tonnen Erdaushub", sagt er. Etwas anschaulicher: Wachts Angaben bedeuten, dass mehr als 19 000 Fahrten mit Kipplastern notwendig waren, um den Rohstoff nach Wasserliesch zu transportieren. Denn ein normaler Baustellen-Kipplaster fasst 12,9 Tonnen.

Sein Unternehmen werde das Material im benachbarten Kieswerk aufbereiten und weiterverkaufen, sagt Wacht. Bis zu 100 000 Tonnen könnten jährlich verkauft werden. Der Kies werde für den Straßenbau, die Betonherstellung und als allgemeiner Baustoff gebraucht. Der Berg werde nach und nach abgetragen. Die Kreisverwaltung habe die Stelle als Lagerort für Kies genehmigt.

Das Material stammt laut Wacht aus dem Moselvorland am Schloss Monaise. Dort hat das Konzer Unternehmen im Auftrag des Bundes und der Stadt Trier einen künstlichen, 800 Meter langen Nebenarm für die Mosel ausgehoben. Insgesamt haben die Mitarbeiter der Firma Wacht 135 000 Kubikmeter Erde weggeschaufelt.
Ende April wurde der zwölf Hektar große Park am neuen Moselufer eröffnet. Der Bereich soll ein Rückzugsort für Vögel und Fische sein und ist eine Ausgleichsmaßnahme für den Bau der zweiten Schleusenkammer in Trier und für verschiedene Bauprojekte in der Stadt Trier. Dafür investiere der Bund insgesamt 60 Millionen Euro, sagt Ralph Nettekoven, stellvertretender Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamts Trier. Das Großprojekt liege insgesamt im Zeitplan und werde voraussichtlich 2018 abgeschlossen.Ausgleich für Schleusenkammer

Diesen riesigen Kieshaufen an der B 419 bei Wasserliesch will die Firma Wacht verarbeiten und verkaufen. Foto: (h_ko )


Zum Ausgleich sei der künstliche Nebenarm des Flusses am Schloss Monaise geschaffen worden. "Es war von vornherein vorgesehen und mit der Firma Wacht besprochen, dass sie den Kies verwerten darf", sagt Nettekoven.
Noch mehr Kies zum Verwerten hat Wacht auf zwei Flächen direkt neben der L 138, die von der B 419 abzweigt und nach Wasserliesch und Könen führt. Der Abbau auf der Fläche, die näher an Wasserliescher Ortseingang gelegen ist, ist abgeschlossen. Dort hat die Firma insgesamt 240 000 Kubikmeter Erde bewegt. Genauso viel Material darf sie von einer weiteren Fläche abbauen, die auf der anderen Seite der L 138 liegt.

Während dort der Abbau noch laufe, sei die Renaturierung der Fläche am Wasserliescher Ortseingang fast komplett abgeschlossen, sagt Wacht. Es fehlten nur noch ein paar Pflanzen. Was allerdings mit der Fläche, auf der ein kleiner Baggersee liegt, passiert, ist noch offen. Die Ortsgemeinde würde den Bereich gerne für sich als Freizeitfläche nutzen. Allerdings ist sie nicht Eigentümerin des Grundstücks.
Der Besitzer sieht die Pläne eher skeptisch (der TV berichtete). Telefonisch war er für den TV nicht erreichbar. Vorerst bekommen die Wasserliescher also weder ein Skigebiet noch einen Badesee.