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Dienstmütze, alte Krone und Dorfschelle

Dienstmütze, alte Krone und Dorfschelle

Großen finanziellen Wert haben die aus dem kirchlichen und profanen Bereich stammenden Sammelstücke des künftigen Wiltinger Dorfarchivs nicht. Aber der ideelle Wert des in ihnen konservierten Wissens um Geschichte und Geschichten ist unendlich groß.

Wiltingen. Vor rund zehn Jahren hatte Thomas Müller (38) die Idee, die Dorfgeschichte Wiltingens zu recherchieren und aufzuschreiben. Seither sammelt, ordnet und katalogisiert er. Das Ziel "Dorfgeschichte" hat er nicht aus den Augen verloren, aber dessen Realisierung ist in eine nicht exakt zu bestimmende Zukunft gerückt. Denn aus der ständig gewachsenen und weiter wachsenden Dokumenten-Sammlung ist längst ein umfangreiches Dorfarchiv mit vielen verschollen geglaubten Zeugnissen der Vergangenheit geworden.Ursprünglich hatte sich um Thomas Müller eine kleine "Arbeitsgemeinschaft Dorfarchiv" geschart: Thomas Budack und zwei weitere Wiltinger Bürger. Übrig geblieben sind Müller und Budack, einer ihrer Mitstreiter ist gestorben, der Vierte im Bunde ist weggezogen.Während Thomas Müller eher Geschichtsforschung betreibt, hat sich sein Vornamensvetter Budack in erster Linie der technischen Aufbereitung der teils kaum noch lesbaren Dokumente angenommen. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit einem "handfesten" Objekt: dem geplanten Wiltinger Geschichtslehrpfad. "Technische Aufbereitung" der schriftlichen Vergangenheitszeugen bedeutet unter anderem: Einige tausend Blätter und/oder Buchseiten zu scannen und auszudrucken, vergilbte Fotos, kostbare, teils einige 100 Jahre alte, kaum noch lesbare Handschriften zu entziffern oder mithilfe hochmoderner Computertechnik zu konservieren und schließlich die professionelle Herstellung von Büchern zu organisieren.Schulchroniken sind alle verschwunden

Schon bald nach Beginn der Vorarbeiten war Thomas Müller klar, dass die weltlichen Zeugnisse der Wiltinger Vergangenheit lückenhaft waren. Auf der Suche nach Dokumenten bekam er zu hören: "Schulchroniken gibt es keine, die sind alle verschwunden." Dank Müllers und seiner Mitstreiter Beharrlichkeit wurden dann doch "drei Stück gefunden, sorgfältig kopiert und sauber eingebunden".In den gesichteten und gesicherten Dokumenten sind rund 500 Jahre der Geschichte Wiltingens, seiner politischen Zugehörigkeiten, Besitztümer oder des auch hierzulande wütenden Hexenwahns enthalten. Über dieses dunkle Kapitel berichten die Gerichtsbücher von 1563 bis 1741.Was die Vierer-Arbeitsgemeinschaft in den weltlichen Unterlagen nicht fand, entdeckte Müller unter anderem im Landesarchiv, im luxemburgischen Nationalarchiv oder bei der Inventarisierung des heimischen Pfarrarchivs. Als ergiebige Fundgruben erwiesen sich auch manche Nachlässe und Vereinsarchive.Die Funde im Pfarrarchiv sind besonders aufschlussreich: Die meisten Wiltinger Pfarrer hatten die Kirchenbücher sorgfältig geführt. Da war Müllers Wunsch verständlich, das kirchliche und das profane Archiv gemeinsam unterzubringen, zumal nach der Renovierung des Pfarrhauses kein adäquater Raum für die Kirchenbücher übrig war. Noch immer tauchen Fotos und Urkunden auf

Der Anregung stimmten Pastor Andreas Neumann und der Pfarrverwaltungsrat ebenso zu wie Ortsbürgermeister Lothar Rommelfanger und der Gemeinderat. Im Bürgerhaus hat das gemeinsame Dorfarchiv seine Heimat gefunden - zwar in einem kleinen Raum, aber säuberlich getrennt nach weltlicher und kirchlicher Zuordnung.Ob der Raum ausreicht, muss sich erst erweisen. Thomas Müller: "Noch immer tauchen aus Privatbesitz Fotos und Urkunden auf. Das wird vermutlich nie ein Ende nehmen." Letzte neue Funde: die Dienstmütze des früheren Forstflurwächters, eine alte Krone der Weinkönigin und die Dorfschelle.