Es gibt mehr Erstklässler im Kreis Trier-Saarburg - dennoch droht Unheil

Es gibt mehr Erstklässler im Kreis Trier-Saarburg - dennoch droht Unheil

Die Zahl der eingeschulten Kinder ist in diesem Jahr landesweit leicht gestiegen. Auch im Kreis Trier-Saarburg sind es mehr Abc-Schützen als im Vorjahr. Dennoch bangen in drei von sieben Verbandsgemeinden kleine Dorfschulen um ihren Erhalt.

Der erste Schultag ist nicht nur ein spannendes Erlebnis für die Abc-Schützen, ihre Eltern und Großeltern. Der Start ins neue Schuljahr bietet auch Gelegenheit, die Entwicklung der Schülerzahlen genauer unter die Lupe zu nehmen. Der Blick auf die Zahlen im Kreis Trier-Saarburg zeigt, dass dort Freud und Leid nah beieinander liegen.

Plus bei Einschulungen Wie das Bildungsministerium vergangene Woche bekanntgegeben hat, sinkt die Zahl der Schüler in Rheinland-Pfalz insgesamt von 536.615 auf 531.000 (TV vom 11. August). Bei den Einschulungen gibt es jedoch einen leichten Aufwärtstrend, auch im Kreis Trier-Saarburg. 1348 Kinder besuchen dort nach vorläufigen Angaben der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier das neue erste Schuljahr. 2016/17 waren es 1286.

Auf dem Prüfstand Doch nicht an jeder Schule im Kreis gibt es die mindestens zwölf Anmeldungen, die für eine eigenständige erste Klasse nötig sind. Liegt die Zahl darunter, werden Kombiklassen mit dem nächsthöheren Jahrgang gebildet. Das dürfte der Fall sein in Greimerath (4 eingeschulte Kinder, Verbandsgemeinde Kell, siehe Grafik), Schöndorf (8, VG Ruwer) und Trittenheim (11, VG Schweich). Diese drei zählen auch zu den landesweit 41 Dorfschulen mit weniger als drei Klassen, die das Bildungsministerium im Rahmen neuer Grundschul-Leitlinien ins Visier genommen hat.

Kampf ums Überleben Bis zum 30. September sollen die betroffenen Schulen mit ihrem Träger ein Konzept vorlegen, um ihren Fortbestand zu rechtfertigen. "Wir kämpfen mit all unseren Möglichkeiten gegen eine Schließung", betont der Greimerather Schulleiter Clemens Berwanger in der aktuellen Ausgabe des Keller Amtsblatts. Gekämpft wird auch in Trittenheim und Schöndorf. Neben den Schulgemeinschaften wollen auch die politischen Gremien den Erhalt ihrer Schulen. Der Wegfall der Trittenheimer Schule wäre "ein herber Schlag", war der Tenor im VG-Rat Schweich Ende Juni. Auch vom VG-Rat Ruwer und vom Ortsgemeinderat Greimerath gibt es Rückhalt für ihre Schulen. In Schöndorf stieg die Zahl der Erstklässler immerhin leicht an - von fünf im Vorjahr auf jetzt acht. Problematisch ist dort, dass viele Eltern ihre Kinder lieber nach Gusterath in die Ganztagsschule schicken.

Noch nicht gefährdet Auffallend wenig neue Erstklässler gibt es auch in Ralingen (4, VG Trier-Land) und Züsch (7, VG Hermeskeil). Diese Schulen stehen aber nicht auf der Landesprüfliste. Laut ADD gibt es in Züsch noch insgesamt drei Klassen. Damit werde die gesetzliche Mindestgröße in zwei Klassenstufen noch erfüllt. Gemäß den neuen Leitlinien werde die Entwicklung in den Folgejahren "beobachtet". In Ralingen gebe es erstmals zwei Kombiklassen. Definitiv klar sei das aber erst mit der amtlichen Statistik Anfang September. Davon seien "weitere Schritte abhängig". Bei der VG Hermeskeil als Schulträgerin sei die Grundschule Züsch "unumstritten", sagt Bürgermeister Michael Hülpes. Eine Diskussion könne jedoch aufkommen, wenn Malborn (VG Thalfang) im Rahmen der Kommunalreform in die VG eingegliedert werde. Denn die Schule in Malborn zählt zu den Wackelkandidaten auf der Landesliste. In Ralingen, sagt Johanna Fox, Pressesprecherin der VG Trier-Land, seien diesmal acht von zwölf potenziellen Erstklässlern aus dem Bezirk entweder in Luxemburg, an Ganztagsschulen oder an Grundschulen mit speziellen Schwerpunkten eingeschult worden. Für die nächsten fünf Jahre liege das Potenzial zwischen 15 und 20 Kindern. Insgesamt bleibe die Schülerzahl in der VG "in etwa konstant" bei "um die 750". Die VG arbeite "kontinuierlich" daran, Betreuung, Ausstattung und räumliche Situation zu verbessern. Die im Juli geschlossene Grundschule Hentern (VG Kell) stand nicht auf der Landesliste. Der VG-Rat beantragte das Aus, weil er sich langfristig auf die Standorte Zerf und Schillingen konzentrieren will.

Spitzenreiter Keinen Grund zur Sorge bereiten die Zahlen in und rund um Konz und Saarburg. Kreisweiter Spitzenreiter bei den Einschulungen (103) und auch bei der Gesamtschülerzahl (372) ist die Grundschule Sankt Johann in Konz-Karthaus. Laut Schulleiter Thomas Kürwitz wächst die Schule seit drei Jahren beständig. Am Zweitstandort Könen sorge ein Neubaugebiet für steigende Schülerzahlen. Wegen des Konzepts der Ganztagsschule, das auf Inklusion setze, meldeten Eltern auch Kinder von außerhalb des Schulbezirks an. Zudem sei der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund von 25 Prozent vor zehn Jahren auf heute 50 Prozent gestiegen. In der VG Saarburg haben die Schulen im Stadtgebiet die meisten neuen Erstklässler: St. Marien (74), St. Laurentius (45). Laut Bürgermeister Jürgen Dixius fließen in den Ausbau beider Schulen rund sieben Millionen Euro. Mit ein Grund dafür sei, dass die Zahl der Bürger in der Stadt steige - in den vergangenen zehn Jahren um etwa 13 Prozent.

IN KELL FEHLEN DIE FÜNFTKLÄSSLER
Bei den Zahlen für die neuen fünften Klassen im Kreis zeichnet sich ab, dass die Realschule plus Kell/Zerf ein Sorgenkind bleibt. 22 Fünftklässler werden dort in diesem Schuljahr voraussichtlich unterrichtet. Das Landesschulgesetz gibt für Realschulen plus drei Klassen pro Klassenstufe vor. Dank einer Sondergenehmigung dürfen es in Kell/Zerf zwei Klassen pro Jahrgang sein. Sollte die Gesamtschülerzahl wegen der schwachen Jahrgänge aber langfristig unter 181 sinken, droht die Schließung. Der Kreis Trier-Saarburg als Schulträger setzt auf den Fortbestand der Schule. Für rund acht Millionen Euro ist ein Neubau in Kell geplant. Ein Problem für den Standort ist, dass Eltern mittlerweile mit den Schulen in Saarburg, Waldrach und Hermeskeil gleich mehrere Alternativen haben. Das sind die vorläufigen Fünftklässler-Zahlen der ADD in Trier: Gymnasien/Integrierte Gesamtschulen: Saarburg 152 (161), Konz 106 (105), Integrierte Gesamtschule Hermeskeil 93 (81), Gymnasium Hermeskeil 81 (92), Schweich Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium 59 (57) Realschulen plus: Saarburg 95, Konz 72, Waldrach 40, Kell/Zerf 22. Hier liegen dem TV die Zahlen aus dem Vorjahr nicht vor. Gemeinsame Orientierungsstufe Realschule plus/Fachoberschule/Stefan-Andres-Gymnasium Schweich: gesamt 233, davon RS+/FOB 105, Gymnasium 128.

Meinung: Es geht nicht nur um Zahlen
Landesweit kämpfen zurzeit viele kleine Grundschulen ums Überleben, weil sie nicht vier eigenständige Klassen bilden können. Die drei gefährdeten Schulen im Kreis Trier-Saarburg haben in der Tat wenig neue Erstklässler. Bei anderen wie in Ralingen und Züsch sind die aktuellen Jahrgänge zum Teil noch schwächer - sie stehen aber nicht auf dem Prüfstand. Das zeigt: Es geht hier nicht um Momentaufnahmen, sondern um langfristige Entwicklungen. Und da können viele Faktoren dazu beitragen, eine Trendwende zu bringen - vom geplanten Neubaugebiet bis zur Verbesserung des Angebots. Natürlich wäre es nicht sinnvoll, Schulen, die jahrelang bei Zahlen um die fünf Neuanmeldungen herumdümpeln, künstlich am Leben zu erhalten. Das Ganze ist ja letztlich auch eine Kostenfrage. Aber Grundschulen sind oft das gesellschaftliche Herz in kleinen Gemeinden. Dort werden Feste gefeiert, dort trifft sich die Dorfgemeinschaft. Viele Eltern und Schüler loben gerade die intensive Betreuung in kleinen Klassen und auch das gemeinsame Lernen mit Älteren in den Kombiklassen. Wer diese Schulen schließen will, sollte schon ganz genau hinschauen, ob das wirklich notwendig ist. c.weber@volksfreund.de

Symbolfoto: dpa

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