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Frohe Weihnacht für Menschen auf der Schattenseite

Frohe Weihnacht für Menschen auf der Schattenseite

KONZ. "Fröhliche Weihnacht überall!" – Feststellung oder Wunsch? Viele Menschen auf der Schattenseite des Lebens sind nicht fröhlich, sie wissen, dass ihr Wunsch, eine fröhliche Weihnacht zu erleben, sich kaum jemals erfüllen wird. Die stille, die heilige Nacht wird für sie zum Sturz in eine Vergangenheit, die sie die triste Gegenwart noch intensiver erleben lässt. Ihnen vor allem gilt die Einladung der Kolpingsfamile Konz zum "Heiligabend der offenen Tür."

"Uns ist jeder, unabhängig von Hautfarbe und Religion, herzlich willkommen", sagen Vorsitzender Josef Maximini und Stellvertreter Bernhard Fritscher unisono. Auch Fremde kommen zur Feier

Ihre Einladung richtet sich vor allem an Bürger aus der Stadt und der Verbandsgemeinde Konz, die an diesem Nachmittag nicht allein sein wollen, oder die zu den sozial Benachteiligten gehören. "Dieser Nachmittag" - das ist die Zeit zwischen 15.30 und 20 Uhr an Heiligabend. 40 bis 50 Gäste werden erwartet, mehr fasst der Raum im Kolpingheim (Römerstraße 173 in Konz-Karthaus) nicht. Bei den bisherigen 17 Heiligabend-Einladungen hat der Platz ausgereicht. Auch Fremde, gelegentlich von der "Platte", sind in der Vergangenheit gekommen. Einer von ihnen ist dem Konzer Rechtsanwalt Josef Maximini und dem Soldaten Bernhard Fritscher besonders im Gedächtnis geblieben. Er hat, dick eingemummt, den Saal betreten. "Sieben Schichten", hat er stolz verkündet, "die halten warm." Der freundlichen Aufforderung, ein paar der wärmenden sieben Schichten abzulegen und es sich bequem zu machen, ist er nicht nachgekommen. Seine Antwort spiegelte konzentriert anderenorts gesammelte, schlechte Erfahrungen wider: "Wer weiß, ob die nachher noch da sind…" Trotz der (wohl unberechtigten) Sorge hat es dem Unbekannten gefallen, umsorgt zu werden, und er hat sich zum Abschied artig bedankt. Niemand weiß, wo er abgeblieben ist - die "Platte" ist unendlich groß.Für ein paar Stunden raus aus der Einsamkeit

Stammgäste der Heiligabend-Feier gibt es auch, einzelne, vor allem ältere Menschen, die sich schon lange auf den Nachmittag freuen, der sie für ein paar Stunden aus ihrer Einsamkeit erlöst, und auch die eine oder andere Familie mit Kindern, deren Alltag von Existenzsorgen bestimmt ist. Es sind nicht die Angehörigen der feinen oder nur fein tuenden Oberschicht, welche die Gastfreundschaft der Kolpingsfamilie genießen. Wer hierher kommt, den hat, ob selbstverschuldet oder nicht, das Leben so gebeutelt, dass er fremder Hilfe, und seien es auch nur ein paar freundliche Worte oder eine kurze Zeitspanne der Zuwendung, dringend bedarf. Was hinter oder besser vor dem Nachmittag steht, reicht aus, um gut und gern mindestens 120 Mann-Stunden auszufüllen. "Unermüdliche Helfer" nennen Maximini und Fritscher das Hausmeister-Ehepaar Ursula und Josef Schneider. In der Vorweihnachtswoche haben Fritscher (teils mit Familie) und Schriftführerin Heike Bartel eingekauft, was in die für alle Gäste bestimmten Geschenktüten gepackt wird, Fritscher hat für den Wein gesorgt, der zum Abendessen - in diesem Jahr Rinderbraten und Putenbrust, Kartoffeln und/oder Spätzle - gereicht wird, Mitglieder und Freunde haben den Nachmittagskuchen gebacken, ein Mitglied der Kolpingsfamilie hat das Essen beschafft, Kassierer Michael Reitz hat dafür gesorgt, dass die Spenden, welche die Bewirtung erst möglich machen, zusammenkommen und ordentlich verwaltet werden. Buntes Programm und Weihnachtsgeschichte

Reitz besorgt auch den Fahrdienst, der die Gäste, welche das Kolpingheim anders nicht erreichen können, abholt und nach Hause bringt. Und viele andere Hände haben bereits geholfen und helfen noch. Selbstverständlich gehört zu dieser Feier der besonderen Art auch ein Programm: Gegen 15.30 Uhr treffen die ersten Gäste ein oder werden vom Fahrdienst gebracht, um 16 Uhr wird Vorsitzender Maximini Gäste und Helfer begrüßen. Ihm folgt, wie in jedem Jahr, Manfred Wischnewski, Erster Beigeordneter der Stadt Konz. Präses Martin Nober wird ein kurzes geistliches Wort an die Versammelten richten, anschließend gibt es Kaffee und Kuchen. Es folgt die Lesung der Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium, bevor ab 18 Uhr Abendessen gereicht wird. Gegen 20 Uhr brechen die Gäste auf, jeder erhält zum Abschied eine Weihnachtstüte und ein kleines Präsent.Verpflichtung und Dank

Die Konzer Mitglieder der großen Kolpingsfamilie erklären ihr großes Engagement so: "Wir sehen es als unsere Verpflichtung an, im Rahmen unserer Möglichkeiten den Menschen zu helfen, die nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens stehen." Und: "Wir danken allen, die uns dabei unterstützt haben." Schlichter und treffender kann man es nicht ausdrücken.