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"Fünf nach zwölf - und das seit Jahren"

"Fünf nach zwölf - und das seit Jahren"

Die vielen leeren Geschäfte in der Fußgängerzone sind nach einem TV-Bericht das aktuell beherrschende Thema in Hermeskeil. Am Dienstagabend ging es nun auch im Stadtrat um das Problem, das den heimischen Händlern tiefe Sorgenfalten auf die Stirn treibt. In der Ratsdebatte spielte dabei überraschenderweise auch die Frage nach der richtigen Uhrzeit eine entscheidende Rolle.

Hermeskeil. Die bekannte Fernseh-Zeichentrickserie Der rosarothe Panther endet mit dem Lied: "Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät?" Zwischen diesem Text und der Sitzung des Hermeskeiler Stadtrats lässt sich durchaus ein Bezug herstellen. Denn der nach dem Treffen des Hochwald-Gewerbeverbands (HGV) entstandene TV-Bericht vom Samstag mit dem Titel "Fünf vor zwölf: Sorgen um die Innenstadt" beschäftigte am Dienstagabend auch die Lokalpolitiker. Das sagt die CDU: Fraktionschef Bernd Mende betonte: "Wir glauben, es ist schon eins vor zwölf. In den vergangenen dreieinhalb Jahren hat sich die Zahl der Leerstände verdoppelt." Deshalb richtete er an den seit Sommer 2009 amtierenden Stadtbürgermeister Udo Moser (Bürger für Bürger, BFB) die Frage: "Was wollen Sie tun, um das Problem zu beheben?" Das sagt der Stadtchef: Moser setzte nach Mendes Einwurf zunächst zum Konter an. "Ihre Feststellung ist falsch. Man darf nicht nur die Fußgängerzone losgelöst sehen. Insgesamt haben sich die Leerstände in der Stadt sogar verringert." Er verwies beispielsweise darauf, dass in der Trierer Straße einige Lücken wieder mit Geschäften gefüllt wurden. Der Schuhmaxx-Laden habe zwar die Fußgängerzone verlassen, sich dafür aber in der lange leerstehenden Immobilie des früheren Norma-Markts angesiedelt und sein Angebot gesteigert. Das Modehaus Astor habe einen neuen Besitzer gefunden, der sich zum Standort Hermeskeil bekennt. Trotzdem sagte Moser in Richtung Mende: "Ich stimme Ihnen zu. Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern schon nach zwölf - und das seit Jahren!" Die Gründe der Misere: Für den Stadtchef ist die Ursache des Problems nämlich klar: "Der Frequenzbringer in der Innenstadt ist weggebrochen, und daran sind Sie nicht unschuldig", sagte Moser mit Blick auf die CDU-Fraktion. Gemeint hatte der BFB-Politiker damit die Aussiedlung des Hela-Markts aus der Stadt auf die grüne Wiese nach Abtei. Diesem Schritt hatten 2002 die damalige Stadtchefin Ilona König und ihre CDU-Parteifreunde zugestimmt. Der damals noch der SPD angehörende und in der Opposition sitzende Moser war dagegen. Mit Blick auf die Gegenwart sagte der Stadtbürgermeister: "Wir sind immer noch dabei, die Situation zu reparieren, die durch die Aussiedlung von Hela entstanden ist." Nach seiner Auffassung habe die Stadt auch schon einiges getan, um Hermeskeil attraktiver zu machen. So habe man die Fußgängerzone umgestaltet und die Tiefgarage am Donatusplatz saniert. Zudem, so Moser, "bekenne ich mich ja gerade deswegen zum Bau des Feuerwehrmuseums, weil ich darin eine Chance sehe, die Innenstadtentwicklung voranzubringen." Privaten Immobilienbesitzern - so die durch die Schlecker-Insolvenz betroffene Familie Zimmer - stehe er bei der Suche nach Nachmietern beratend zur Seite. Die offenen Probleme: Allerdings räumte Moser ein, dass es mit den Bemühungen, den Handel in Hermeskeil zu aktivieren, in einigen Punkten "nicht so zügig vorangeht, wie gewünscht." So zieht sich beispielsweise die Wiederbelebung des früheren Hela-Baumarkts Am Dörrenbach (gegenüber Aldi) in die Länge. Ein Problem sei dabei, dass Firmen wie die Drogeriemarktkette DM, mit denen Gespräche laufen, "durch Gerüchte verunsichert" würden. "Diese Unternehmen haben Angst, sich am Dörrenbach anzusiedeln, wenn man gleichzeitig auch Mitbewerber im Sondergebiet Abtei zulassen würde." Moser stellte aber noch einmal klar, dass sich der Stadtrat einig sei, "dass es keinen weiteren Einzelhandel in Abtei geben wird". Die Kritik am HGV: Nachdem Moser die Frage Mendes ausführlich beantwortet hatte, meldete sich schließlich auch Berthold Grenz (FWG) zu Wort. Er kritisierte, dass in der HGV-Sitzung unter anderem von Hermeskeil als "Geisterstadt" die Rede war. "Ich finde, der HGV hat damit ein Beispiel für Negativ-Marketing gemacht. Solche Aussagen schrecken doch jeden Investor ab."Weitere Informationen zum Hochwald-Gewerbeverband mit einer Liste aller Mitglieder im Internet auf:hgv-hochwald.de