Kein Windrad am Schimmelkopf?

Skeptisch blickt Waderns Stadtrat nach Weiskirchen. Grund: Die Gemeinde plant Windräder auf dem Schimmelkopf. Doch dort sprudeln die Trinkwasserquellen von Wadern.

Wadern. Auf dem in der Gemeinde Weiskirchen liegenden Bergrücken Schimmelkopf solle es möglicherweise nicht zu einer Errichtung von Windkraftanlagen kommen. Grund: Der Stadtrat Wadern befürchtet Beeinträchtigungen der Trinkwasserquellen. Darüber waren sich in der jüngsten Sitzung im Oettinger Schlösschen alle Mitglieder des Rates einig. "Die Gemeinde Weiskirchen wird auch den im Norden der Kommune liegenden Schimmelkopf als Windkraftgebiet ausweisen", erläuterte Waderns Bürgermeister Fredi Dewald. Laut Baugesetz seien die Bauleitpläne benachbarter Gemeinden aufeinander abzustimmen. Bereits in den Ausschussberatungen habe sich die Frage nach den Trinkwasserschutzzonen gestellt. Daher werde man diesen Standort mit großer Sorgfalt unter die Lupe nehmen.
Enge Wasserschutzzone


Die Gemeinde Weiskirchen habe bekundet, dass Entscheidungen zum Bau dieser Windkraftanlagen, insbesondere über Größe und Leistungsfähigkeit, noch nicht getroffen worden sind. Wie in den Planungsunterlagen aufgeführt, liegt die Fläche "obere Hanglage Schimmelkopf" in der engeren Wasserschutzzone, habe der Waderner Umweltausschuss festgestellt. "Die dort entstehenden Quellwässer werden zur Trinkwasserversorgung herangezogen", hieß es weiter. Die Stadt Wadern beziehe einen Großteil ihres Trinkwassers von der Gemeinde Weiskirchen, stellte Dewald klar. Nach einer Verordnung aus dem Jahre 2005 seien unter anderem Baumaßnahmen, wie die zur Errichtung von Windrädern, in Wasserschutzgebieten verboten und erforderten eine Ausnahmegenehmigung durch das Landesamt für Umwelt (LUA). Da die Gründungen für Windkraftanlagen negative Einflüsse auf die Quellzuflüsse haben könnte, weise das LUA darauf hin, dass dies durch eine gutachterliche hydrogeologische Untersuchung geprüft und fortlaufend überwacht werden müsse. "Hätten sich aus dem Gutachten Bedenken gegen die Aufstellung von Windkraftanlagen ergeben, so hätte die Gemeinde Weiskirchen reagieren müssen", meinte Dewald.
Darum schlage er vor, ein Schreiben an das zuständige Planungsbüro zu verfassen. Darin werde die Stadt Wadern den Planungen der Gemeinde Weiskirchen zwar nicht widersprechen, jedoch darum bitten, im Bereich Schimmelkopf die Quellwässer des Wasserschutzgebietes zu beachten, "damit weiterhin eine einwandfreie Trinkwasserversorgung gewährleistet werden kann", sagte der Verwaltungschef.
Mehr Infos angemahnt


Dem Ratsmitglied Michael Dewald (SPD) ging diese Formulierung nicht weit genug: "Ich hätte mir in diesem Anhörungsverfahren einen anderer Informationsaustausch seitens der Gemeinde Weiskirchen gewünscht", sagt er. Schließlich beziehe die Stadt Wadern ein Drittel des Trinkwassers aus dem besagten Gebiet. "Wir wollen für unsere Bürger ein Höchstmaß an Trinkwasserqualität", unterstrich Dewald. Deshalb sei es geboten, diese Qualität auch von dem einzufordern, der dieses Trinkwasser liefere. Darum, so meinte Dewald, sollte die Stellungnahme an die Verwaltung in Weiskirchen nicht allzu neutral verfasst werden. "Wir müssen uns klar und unmissverständlich gegen die vorliegende Planung aussprechen." red
Extra

Der 695 Meter hohe Schimmelkopf ist eine Erhebung auf der saarländischen Seite des Hochwaldrückens. Er befindet sich in nur circa 300 Metern Entfernung vom Teufelskopf, der auf rheinland-pfälzischem Boden liegt. Der Teufelskopf ist einer von fünf möglichen Standorten für neue Windräder, über die derzeit in der Verbandsgemeinde Kell am See diskutiert wird (der TV berichtete mehrfach). ax