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Kurz vor Toresschluss in der Beuriger Kaserne

Kurz vor Toresschluss in der Beuriger Kaserne

Ein in der vergangenen Woche in der französischen Presse veröffentlichtes internes militärisches Dokument sorgt für Aufregung in Saarburg: Demnach steht das 16. Jägerbataillon in Beurig auf einer Liste mit weiteren 29 französischen Militär-Standorten, deren Schließung erwogen wird. In Saarburg allerdings gibt es dazu auch von Seiten der Garnison bislang keine offizielle Stellungnahme.

 „Tout devient possible“: Alles wird möglich, steht auf dem Plakat im Büro der Pressebeauftragten Lutz. TV-Foto: Susanne Windfuhr
„Tout devient possible“: Alles wird möglich, steht auf dem Plakat im Büro der Pressebeauftragten Lutz. TV-Foto: Susanne Windfuhr

Saarburg-Beurig. Der Schock kam für Stadtbürgermeister Jürgen Dixius am Freitag. "Aus Militärkreisen ist mir weitergeleitet worden, was in der vergangenen Woche in der französischen Presse zu lesen war." Demnach ist ein in Frankreich bis dato geheim gehandeltes Militärpapier mit brisantem Inhalt an die Öffentlichkeit gelangt. "Fakt ist, dass die französische Regierung ein Papier hat erarbeiten lassen, auf dem insgesamt 30 Militär-Standorte auftauchen, über deren Schließung aus Einspargründen nachgedacht wird. Dabei taucht auch das 16. Jägerbataillon in Saarburg auf, der letzte verbliebene Standort der Franzosen in Deutschland." Eine definitive Entscheidung sei noch nicht gefallen, betont Dixius. Dass die Zukunft der Franzosen in der Beuriger Kaserne seit langer Zeit mit einem Fragezeichen versehen war, ist Dixius und allen übrigen Vertretern der Kommunalpolitik bekannt. "1993 stand die Schließung des Bataillons schon einmal zur Diskussion, konnte aber von Helmut Kohl und François Mitterand abgewendet werden", so das Stadtoberhaupt. Bei vielen Begegnungen mit französischen Verantwortungsträgern sei das Thema immer wieder von den Saarburgern angesprochen worden, versichert Dixius. Tenor dieser Gespräche sei stets gewesen, dass man um das gute Verhältnis der Saarburger und Franzosen wisse und sich von französischer Seite aus um den Erhalt der Garnison bemühe. "Noch vor drei Wochen war der Drei-Sterne-General Perseval zu Besuch in Saarburg und hat sich sehr positiv über den Standort geäußert. Dass die grundsätzliche Entscheidung jedoch in Paris von Staatspräsident Nicolas Sarkozy gefällt wird, wissen wir auch." Wann das allerdings sein wird, sei derzeit völlig ungewiss. "Da gibt es nur Gerüchte, die von Angaben wie in dieser Woche bis hin zu Ende Mai oder Sommer reichen", so Dixius. In der Garnison selbst herrschte gestern beim Besuch des TV ebenfalls große Unwissenheit vor. Geraldine Lutz, die erst vor einer Woche mit einem Fünf-Jahres-Vertrag ihre neue Anstellung als "officier de communication", als Pressebeauftragte, angetreten hat, versicherte: "Das Gerücht macht zwar hier und da die Runde. Eine offizielle Information gibt es aber nicht." Zur Stimmung innerhalb der Garnison könne sie nichts sagen: "Dafür bin ich noch zu kurz hier." Colonel Rémi Seigle, der erst am Mittwoch wieder in Saarburg sein wird und gestern telefonisch nicht erreichbar war, habe sich bislang nicht geäußert. Zwei Soldaten, die der TV gestern in der Saarburger Innenstadt angesprochen hat und die ungenannt bleiben wollten, reagierten indes relativ gelassen. So sagte einer: "Wir haben davon gehört, vielleicht 2011 abzuziehen. Ein Schock ist das aber nicht. Für uns ist es normal, versetzt zu werden." Ein anderer Soldat sagte schulterzuckend: "Wir wissen nicht viel, aber ein Riesending ist das für mich nicht. Natürlich hat für uns die Stationierung in Saarburg klare Vorteile, denn wir zahlen weniger Steuern."Jörg Volk, Präsident der Deutsch-Französischen Gesellschaft in Saarburg, meinte: "Ich denke, dass die Schließung kommen wird. Für Saarburg wäre das ein sehr, sehr großer Verlust - nicht nur wirtschaftlich betrachtet, sondern vor allem ideell. Denn dann gehen Freunde." Meinung Hoffen ja, glauben nein Noch ist nichts entschieden. So lautet die offizielle Sprachregelung, die seit der neuesten Information aus Paris von Saarburg aus verbreitet wird. Da mögen vermeintlich gewichtige Argumente wie der gute Zustand der Kaserne, die generell perfekte In frastruktur für die Garnison, der Wirtschaftsfaktor für Saarburg und die nunmehr über vier Jahrzehnte gewachsene Beziehung zwischen dem letzten in Deutschland stationierten Bataillon und den Deutschen in die Waagschale geworfen werden. Dass sich die französische Regierung indes von ihrer eingeschlagenen strategischen Marschroute abbringen lassen könnte, werden viele ganz sicher inständig hoffen - ernsthaft glauben dürfte das allerdings kaum jemand. Die Würfel werden längst gefallen sein. s.windfuhr@volksfreund.de