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Bunte Welt an schwarz-weißen Tasten

Bunte Welt an schwarz-weißen Tasten

Wenn ihm etwas leicht fällt, dann ist es, Musik in Worte zu fassen, die Welt der Töne mit derjenigen der Buchstaben zu verbinden: Der 21-jährige Thorsten Hansen, geboren in Trier, aufgewachsen in Temmels und Montabaur, studiert Komposition und Musiktheorie an der Hochschule für Musik in Saarbrücken - und gilt schon jetzt als deutsches Ausnahmetalent.

Trier/Temmels/Saarbrücken. (kbb) "Ich komponiere nicht, weil ich der Welt unbedingt etwas Neues liefern will, sondern weil ich nicht anders kann." Wäre dieser Satz von Dieter Bohlen, würde man ihm wohl wenig glauben. Bei dem 21-jährigen Thorsten Hansen sieht das anders aus. Wenn er über Musik redet, befindet er sich in einer anderen Welt. In seiner Welt, die auf den ersten Blick so wenig mit dem gemein zu haben scheint, was ein durchschnittlicher Radiohörer dem Programm seiner Radiostation entnehmen könnte. "Wenn ich mir ein Konzert anhöre, kann ich das längst nicht so unbeschwert tun wie jeder Laie, weil ich die Musik im Kopf immer analysiere", sagt Hansen. Doch die Wirkungsweise von Melodien, Harmonien und Rhythmen ist im Grunde gleich, und das ist es, was das Phänomen Musik doch als ein konsistentes aussehen lässt. "Meine ästhetische Weltvorstellung ist nur völlig anders als die von Mozart", sagt der Nachwuchskomponist, "Kunst, egal in welcher Ausformung, ist immer ein Produkt seiner Zeit."Die große Liebe gefunden

Zum Handwerkszeug eines guten Komponisten gehöre es aber, diese raumzeitlichen Konstanten zu erkennen und beispielsweise in Mozarts Manier komponieren zu können. "Aber das reine Handwerk, der entsprechende Umgang mit den Tönen, ist nur ein Aspekt, der eine gelungene Komposition ausmacht", erklärt er. "Dazu kommt immer ein Einfall, eine Idee - wir nennen das Inventio." Erst die Verbindung von Inventio und Handwerk lässt ein Stück zu einer ansprechenden Komposition werden.Manchmal, so Hansen, gelinge diese Synthese innerhalb einer Nacht, für andere Stücke brauche er teilweise ein Jahr. Auf insgesamt 50 Werke hat er es bisher gebracht, darunter Stücke für Kammermusik, für Orchester, ein Bratschenkonzert, größere Kantaten oder Klavierstücke.Seit frühester Kindheit spielt Hansen Klavier, obwohl er eigentlich mit Trompete beginnen wollte. "Das ist aber schwierig, wenn man noch nicht einmal Zähne hat", sagt er lachend. Die 88 schwarzen und weißen Tasten sollten sich als "die große Liebe" herausstellen: Nach zwei Jahren auf dem Trierer Max-Planck-Gymnasium wechselte er zum Landesmusik-Gymnasium in Montabaur, war in der Klasse der russischen Klavierpädagogin Natalia Adomeit. Der ebenfalls in Montabaur lehrende Komponist Tilo Medek brachte Hansen dann zur Komposition: "Medek war es, der uns beibrachte, weiterzudenken und musikalische Türen selbstständig zu öffnen", erzählt Hansen. Mit 14 Jahren wurde er Pianist im rheinland-pfälzischen Landesjugend-Ensemble für Neue Musik und "entdeckte mit Stockhausen, Brandmüller und Feldman auch die praktische Seite der Musik". Gerade die experimentelle und für Laien oft befremdlich klingende neue Musik war es, die Hansen faszinierte. "Es ging mir dabei aber nie darum, mich bloß von anderen Komponisten abzugrenzen und nur deshalb etwas völlig anderes zu machen. Es ist aber wichtig, einer eigenen Ästhetik zu folgen, die nicht immer die Meinung der Zeit sein muss." Doch Hansen gibt zu: "Wo genau ich mit meiner Musik stehe, weiß ich noch nicht. Das wird sich herausstellen."Vielleicht hat er für seine Werke gerade wegen seiner Offenheit so viele Preise erhalten: 2002 gewann er den Bundeswettbewerb "Jugend komponiert" mit einer eigenen Klavierphantasie, 2006 erhielt er den Förderpreis der Stadt Saarbrücken, bei den Wettbewerben "Jugend musiziert" gewann er mehrmals. Wie es in Zukunft mit seiner Karriere weitergehen soll? "Erst einmal das Studium abschließen", sagt Hansen. "Und allgemein finde ich es wichtig, dass ich mich als Komponist immer weiterentwickeln kann - und niemals stehenbleibe."