Mit 265 PS über die Mosel

KONZ. Das ist Vergnügen vom Feinsten: Mit dem Segel- oder Motorboot auf Mosel oder Saar herumschippern oder, auf großer Fahrt vom Mittelmeer durch Holland nach Dänemark, im Sporthafen des Wassersportclubs (WSC) Konz festmachen und die Gastfreundschaft der Sportschiffer genießen.

Langsam gleitet das Kajütboot "Püppi" zwischen den im Hafen sauber aufgereiht liegenden Schiffen hindurch zur Hafenausfahrt. Rücksichtnahme ist angesagt - im Hafen und draußen im Fahrwasser, das sich die Sportschiffer mit der Berufsschifffahrt teilen. "Sog und Wellenschlag vermeiden" schreiben die in strenge Regeln gegossenen Umgangsformen für den Verkehr auf dem Wasser vor, besonders im Bereich von (Hafen-) Einfahrten oder Liegeplätzen. Dass die nicht immer befolgt werden, beweist just in diesem Augenblick der "Kapitän" einer laut Beflaggung im benachbarten Ausland registrierten Motoryacht: Er "brettert" mit Höchstfahrt dicht unter Land an den Konzer Hafenanlagen vorüber und bringt die am Außensteg festgemachten Boote heftig ins Schaukeln. Kommentar von Tom Dier, zweiter Vorsitzender des WSC Konz: "Man sieht, schlechtes Benehmen ist international." Während Dier die 235 PS seines Achtzylinder-Motors in Schach hält und "Püppi" behutsam durch die Hafenausfahrt ins Fahrwasser hinaussteuert, fahren wir moselaufwärts in Richtung Luxemburg. Doch kaum haben wir die Saarmündung verlassen und sind auf der Höhe von Euren angelangt, gibt es Wasser von oben. Was sich da zusammengebraut hat, beginnt sich nun zu entladen. Wir wenden und flüchten mit hoher Fahrt - die vor dem Konzer Sporthafen wieder herausgenommen wird - moselabwärts in Richtung Schleuse Feyen. Doch das Wetter verfolgt uns, und bereits auf der Höhe von Konz-Karthaus wendet Thomas Dier erneut und fährt dem heranrückenden Regen entgegen. Das Verdeck wird aufgezogen, der Scheibenwischer hält die Frontscheibe vor dem Fahrstand frei, aber hier und da dringt doch der eine oder andere kleine Schwall Wasser herein. Macht nichts; auch das gehört zu einer Bootsfahrt. Der Ausflug ist zu Ende. Der WSC Konz hat rund 220 Mitglieder, 120 von ihnen sind Inaktive oder Jugendliche. Das hat Geschäftsführerin Anne Schultz schon einen Tag zuvor berichtet. Sie führt ihr zehn Meter langes Boot allein, seit ihr Mann vor einigen Jahren starb. Mit 3,30 Meter Breite passt die "tezet" nicht mehr durch die kostenlosen Sportbootschleusen, sondern muss durch die großen Schleusen der Berufsschifffahrt gesteuert werden. Der "Schwall" - das ist die Hecksee der großen Pötte, der entsteht, wenn die Frachter oder Tanker ihre Maschinen anwerfen, um die Schleuse zu verlassen - macht das Manövrieren auch eines Zehn-Meter-Bootes in der Schleuse nicht immer einfach.100 Liegeplätze im Konzer Sporthafen

Begonnen hat die Geschichte des Konzer Sporthafens um 1960 mit einer Steganlage für Segler in Höhe des neuen Konzer Bahnhofs. Dann kamen Motorbootfahrer hinzu, der Hafen wurde ausgebaggert und erhielt Stege, später wurde der Hafen auf 100 Liegeplätze erweitert, von denen zurzeit der größte Teil vermietet ist. An Land "hauste" man zunächst in einem Container, heute ist der Club stolz auf seine "Turm-Gaststätte" und die gepflegten Außenanlagen. Den sommerlichen Freuden des Bootfahrens steht noch ein weiteres Muss entgegen: Jeweils am 31. Oktober müssen, entsprechend der Moselschifffahrts-Polizeiverordnung alle Boote den Konzer Hafen verlassen haben und ins Winterlager gebracht werden - wegen Eis- und Hochwassergefahr. Am 1. April beginnt dann die neue Saison. Alle zwei Jahre gibt es ein großes, zweitägiges Hafenfest, dazwischen wird ein jeweils eintägiges Fest veranstaltet. Jährlich gibt es eine Segelregatta, und alle zwei Jahre werden neue Boote getauft. Der Club bietet unter anderem Schulungen zum Erwerb aller Bootsführerscheine (auch für See bzw. Küste) an, außerdem Kurse für Sprechfunkzeugnis und die Erlaubnis zum Mitführen von Signalfeuerwaffen. Als Thomas Dier seine "Püppi" wieder an ihrem Liegeplatz festmacht, betont er noch einmal: "Unser Wassersport ist keine elitäre Angelegenheit, Boote gibt es schon zu kleinen Preisen, und ein guter - auch gebrauchter - Wohnwagen kostet ebenfalls richtiges Geld, oft mehr als ein ordentliches Boot."