Nationalpark: Natur genießen und nachdenken

Nationalpark : Natur genießen und nachdenken

Das ökumenische Projektteam Kirche im Nationalpark Hunsrück-Hochwald arbeitet mit Hochdruck an einem Wanderpfad, der Wege zur Schöpfung darstellen soll. Ein Teil ist fast fertig.

Eine kleine Gruppe stapft durch den verschneiten Wald in der Nähe von Neuhütten. Mit dabei sind Mitglieder der Initiative Kirche im Nationalpark Hunsrück-Hochwald, Vertreter des Nationalparkamts und Thomas Griese, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Umweltministerium. Der Gast aus Mainz ist gekommen, um sich den Fortschritt eines besonderen Projekts anzuschauen.

Entlang der Landesstraße 165 zwischen dem Neuhüttener Ortsteil Muhl und Börfink (Kreis Birkenfeld) entsteht ein Wanderpfad mit dem Namen „Wege der Schöpfung“. Konzipiert hat ihn eine Arbeitsgruppe des Projekts KiNa (Kirche im Nationalpark). Darin arbeiten seit 2016 Kirchenvertreter an Ideen und Veranstaltungen, die das Schutzgebiet im Hunsrück spirituell erlebbar machen. Beteiligt sind die Dekanate Hermeskeil-Waldrach, Bernkastel und Birkenfeld, die evangelischen Gemeinden und Kirchenkreise Hermeskeil-Züsch, Obere Nahe und Trier, die Pfarrei St. Franziskus Hermeskeil, das Nationalpark­amt und der Förderverein Dorf und Kirche im Nationalpark in Muhl.

Der Pfad Nach wenigen Metern macht die Gruppe halt. Unter einem Baum steht eine Holzstele, von denen insgesamt zehn auf 3,2 Kilometern Weg geplant sind. Dort angebrachte Texte sollen den Wanderer zum Nachdenken an zu regen. „Es wird kein Ökologiepfad“, erklärt Martin Backes vom Dekanat Bernkastel. Der Mensch stehe im Fokus und die Frage, welche Botschaften sich aus der Schöpfung für unser Leben ableiten ließen.

Zu sehen ist bisher nur die eine „Probestele“, die restlichen werden demnächst installiert. Auf den Holzstäben ist ein dreiseitiges Prisma aus Metall angebracht. Auf jeder Seite steht ein Text. Der erste bezieht sich auf den Ort, an dem sich der Wanderer gerade befindet. Der zweite zitiert eine Bibelstelle, der dritte stellt den Bezug zum Leben her. Als Beispiel nennt Backes eine Station, von der aus man einen weiten Blick über die Landschaft habe. „Text eins lädt dazu ein, sich umzuschauen.“ Die Bibelstelle beschreibe Moses, der sein Volk ins gelobte Land geführt hat, es aber selbst nicht mehr betreten kann. Text drei verweise auf das Thema Nachhaltigkeit. „Die Botschaft ist, dass man auch auf ein wichtiges Ziel hinarbeiten sollte, wenn man selbst nichts mehr davon hat.“ Martin Backes: „Soweit wir wissen, gibt es so etwas in keinem anderen Nationalpark.“

Fertig konzipiert ist die erste „Schleife“ des Wegs, der die Form einer Acht haben wird. Abschnitt eins soll am 1. Mai eröffnet werden. Teil zwei (5,1 Kilometer), der noch konzipiert werden muss, führt zum Kreuz am Tirolerstein auf dem Dollberg. Der Pfad nutze die Symbolik der Natur, um „Momente der Besinnung“ zu schaffen, sagt Staatssekretär Thomas Griese. Die Stationen seien gut durchdacht, die Umsetzung zurückhaltend. „Wir wollen im Nationalpark ja keinen Schilderwald.“ Die Stelen werden so im Boden verankert, dass sie ohne bleibende Spuren auf- und abbaubar sind. Die 5000 Euro sind aus dem Budget zu stemmen, das das Bistum Trier dem Projekt KiNa zur Verfügung gestellt hat.

Umbau der Kapelle In der Mitte der beiden Wege-Schleifen liegt die Muhler Kapelle. Das einzige Gotteshaus im Nationalpark ist Fixpunkt der spirituellen und kulturellen Angebote, die das KiNa-Team seit 2017 organisiert. Noch in diesem Jahr soll die Kapelle umgebaut werden, um sie besser auch für Konzerte und Ausstellungen nutzen zu können. Kosten: 168 000 Euro. Die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Erbeskopf hat einen 75-prozentigen Zuschuss aus EU- und Landesmitteln in Aussicht gestellt. Der Förderantrag wird laut dem Hermeskeiler Dechant Clemens Grünebach derzeit vom Land geprüft.

Ausgetauscht werde die alte Öl-Heizung gegen eine Elektroheizung. Damit sei es möglich, den Kirchenraum gezielt für die Veranstaltungen zu heizen. Der Zugang werde komplett barrierefrei gestaltet. Grünebach betont: „Es wird aber keine Mehrzweckhalle, sondern bleibt eine Kirche – allerdings ökumenisch ausgerichtet.“ Im September, wenn alles nach Plan verlaufe, wolle man die Wiedereröffnung feiern.

Engagement vor Ort Das Projekt KiNa ist laut Grünebach unerwartet früh erfolgreich. Schon im ersten Jahr hätten 800 Menschen die Veranstaltungen wie Lesungen, Pilgerwanderungen, ökumenische Gottesdienste, Yoga und Konzerte besucht. 2018 waren es 1000 Teilnehmer. Derzeit würden zehn spirituelle Wegbegleiter ausgebildet, um Gäste zu spirituellen Themen durch den Nationalpark zu führen.

Thomas Griese lobt das „beeindruckende Engagement“ der Menschen in Muhl, das er auch im Dezember bei der Einweihung des zur Nationalpark-Servicestelle umgebauten Bürgerhauses erlebt habe. „Da hat fast der gesamte Ort mitgewirkt.“

Dass sich die Bürger dort so stark einbringen, liegt laut dem Neuhüttener Ortsbürgermeister Peter Kretz auch an der schnellen Umsetzung der Projekte. „Schöne Konzepte reichen nicht. Die Leute sehen hier, dass auch etwas passiert.“ Der Nationalpark bringe Orten Auftrieb, die durch den demografischen Wandel ins Hintertreffen geraten seien, ergänzt Bernd Schmitt vom Förderverein Dorf und Kirche im Nationalpark.

Beim Nationalparkamt sei man „total glücklich über die Konstellation in Muhl“, sagt dessen Leiter Harald Egidi. „Wir wollen den Nationalpark ja gemeinsam mit der Region entwickeln.“ In Muhl flössen bürgerschaftliches, kommunales und kirchliches Engagement zusammen. Hinzu komme das „hilfreiche Wirken des Ministeriums“, lobt Dieter Skala vom katholischen Büro der rheinland-pfälzischen Bischöfe in Mainz.

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