Nicht richten, sondern schlichten

Nicht richten, sondern schlichten

Der Dienst fürs Vaterland als Berufssoldat und anschließend als ehrenamtlicher Schiedsmann wird beim Dank der Ministerpräsidentin Malu Dreyer zusammengezählt. Im Falle von Hans Koch kommen so 50 Jahre zusammen. Dem TV verrät er, wie er mit Streithähnen umgeht.

Hermeskeil. "Diese Urkunde ziert als eine der ersten Dokumente die Unterschrift der neuen Ministerpräsidentin Malu Dreyer", gibt die Direktorin des Hermeskeiler Amtsgerichtes, Claudia Meßler, dem Augenblick eine besondere Würde. Das Land Rheinland-Pfalz drückt in dem Schriftstück Hans Koch seinen besonderen Dank für seinen 50-jährigen Dienst für die Bundesrepublik Deutschland aus.
Menschen ganz nah


Koch war 31 Jahre lang Berufssoldat, danach von 1994 bis 2009 ehrenamtlicher Schiedsmann für die Verbandsgemeinde Hermeskeil.
"Ich war bereits als Soldat beim Truppengericht als Beisitzer tätig, beispielsweise bei Disziplinarverfahren", erklärt der heute 73-Jährige. Beide Dienste werden bei solchen Ehrungen zusammengezählt. Weiter stellt sich Koch als Stellvertreter seines Nachfolgers Willi Auler der Aufgabe der Streitschlichtung.
Koch übernahm das Amt von seinem Vorgänger Karl Mühl, in dessen Verhandlungen er erste Erfahrungen sammelte.
Gefragt nach seinem spektakulärsten Fall sagt der Jubilar: "Das war gleich mein erster." Da er jedoch zur Verschwiegenheit verpflichtet ist, und mit der Beschreibung auf die handelnden Personen geschlossen werden könnte, dürfe er darüber nichts sagen.
Sühnebescheinigung



Bis zu einem Streitwert von 5000 Euro darf ein Schiedsmann verhandeln. Die Gebühr liegt bei 30 bis 40 Euro, inklusive Spesen. Die Verhandlungen sind prinzipiell nicht öffentlich. Zuständig ist immer der Schiedsmann am Ort des jeweiligen Antragsgegners. Scheitert das Ausgleichsgespräch, bekommt der Antragsteller eine sogenannte Sühnebescheinigung um vor Gericht klagen zu können.
"Wichtigste Qualifikationen sind der gesunde Menschenverstand, ein ruhiges Wesen und eine gefestigte Persönlichkeit", weiß auch Nachfolger Willi Auler. Durchschnittlich sind es zehn Fälle im Jahr, die verhandelt werden. Meist saßen Männer vor Hans Koch, bei denen es am häufigsten um den ins Grundstück ragenden Ast oder eine wuchernde Hecke ging.
Doch in rund der Hälfte der Fälle tragen Frauen ihren "Zickenzoff" aus. Die klassische Beleidigung "Blöde Kuh" steht dabei immer wieder im Raum. Meist gelingt die Schlichtung: "Ich lasse die Leute schon mal die ersten paar Minuten rumtoben, damit der erste Druck raus ist."
Allgemein habe er festgestellt, dass viele Nachbarn friedlich zusammenleben, doch: "Wenn die Erben kommen, geht der Ärger los." Manchmal stecke auch ein ganz anderes Problem hinter dem Streit. Dann müsse man sich sensibel in die Sache hineindenken und mit Geduld zuhören.
Koch kann auf eine Erfolgsquote von rund 80 Prozent stolz sein. Er wendet schon mal unkonventionelle Lösungsvorschläge an: "Geht doch einfach mal einen zusammen trinken."
Wenn es nicht gerade einen trockenen Alkoholiker trifft, klappt diese Art der Schlichtung meist. Da sage noch einer, Alkohol sei immer schädlich. doth

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