Pächter kämpfen gegen schlechten Ruf

Pächter kämpfen gegen schlechten Ruf

Der schlechte Ruf des Hauses der Fischerei verhagelt den Pächtern das Geschäft. Obwohl sie sich inzwischen seit drei Jahren um die Einrichtung kümmern, haben sie wegen Fehlern aus der Vergangenheit einen schweren Stand.

Oberbillig. Das warme Licht einer Lichterkette erhellt den leeren Speiseraum im Haus der Fischerei. Im benachbarten Schankraum sitzen die Pächter Khanh-Tuan und Nadine Cao an dem Tisch vor der Theke. Sie haben Ruhetag, glücklich sehen sie aber nicht aus. Dass in ihrem Restaurant wenig los ist, ist in den Wintermonaten die Regel. Wenn die Touristen ausbleiben und das Wetter die Besucher von der Terrasse fernhält, läuft das Geschäft nicht.

Das ist das Schicksal vieler vom Tourismus abhängigen Betriebe. Doch beim Haus der Fischerei, das die Caos seit drei Jahren gepachtet haben, kommt seine Vergangenheit hinzu (siehe Extra). "Der Name ist schon so weit unten, dass es sehr schwer ist für uns", sagt Nadine Cao. Die zahlreichen Pächterwechsel haben den Ruf des Hauses ruiniert - schon bevor die Caos begonnen haben.

Mitte Januar kam eine weitere Hiobsbotschaft hinzu. Der Landesrechnungshof rügte die Landesregierung zum zweiten Mal, weil sie im Haus der Fischerei Fördergeld falsch eingesetzt habe (der TV berichtete). Danach haben laut den Caos gleich mehrere Leute angerufen, ob die Gaststätte jetzt geschlossen sei.

Dabei hatten die Caos große Pläne, als sie sich 2007 selbstständig gemacht haben. Sie haben viel Geld in den Umbau der Gästezimmer investiert. Zum Teil haben sie das vom Land finanzierte, aber abgenutzte Mobiliar erneuert. Auch den Speiseraum haben sie renoviert.

Nadine Cao war damals 24 Jahre alt. Sie ist gelernte Industriekauffrau und brachte die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse mit. Sie stammt aus Niedermennig. Ihr Mann, geboren in Vietnam, aufwewachsen in Frankreich, ist in die Heimat seiner Frau gezogen. Sein Bereich ist die Küche. Er ist Koch und Patissier. Ausgebildet wurde der 38-Jährige in Paris, danach folgten Stationen in der Schweiz, in New York und Luxemburg. "Er weiß, was er tut", betont Nadine Cao. In Oberbillig gibt es französische und regionale Speisen, selbst gemachtes Brot und eigene Torten. Laut Nadine Cao haben sie aber auch schon "verrückte Sachen" wie eine Westernparty mit Bullenreiten organisiert. Für die bisher weitgehend ungenutzte Demonstrationsküche haben die Caos ebenfalls Verwendung gefunden. Sie bieten Kochkurse an. Die Kamera überträgt das, was Khanh-Tuan Cao in der Küche macht, auf eine Leinwand, so dass die Teilnehmer ihn genau beobachten können.

Was ihnen weiterhelfe? "Ich denke schon, dass eine Namensänderung einiges bewirken könnte", sagt Nadine Cao. Dazu muss aber die Gemeinde, die das Gebäude für das Land verwaltet, Rücksprache mit dem Umweltministerium halten. Falls das Land das Konzept ändere, sagt Ortsbürgermeister Andreas Beiling, sei eine Namensänderung eine Option. Gespräche mit dem Landesministerium seien für März geplant.

Meinung

Konzept ohne Zukunft

Die Pächter führen das Haus der Fischerei als Speiserestaurant. Die Vereine aus Oberbillig dürfen die Räume nutzen. Die Gemeinde macht seit drei Jahren keine Verluste mehr mit dem Haus. Das hört sich eigentlich gut an, wäre da nicht die vom Landesrechnungshof betonte Zweckgebundenheit des Startkapitals. Das Konzept, an das das Geld gebunden ist, funktioniert aber nicht. Ein neues muss schnell her. Im Prinzip könnte das Haus als Restaurant mit angeschlossenem Bürgersaal so genutzt werden, wie es seit drei Jahren gehandhabt wird. Der Rechnungshof hätte keinen Grund mehr zur Beschwerde. Diese Lösung wäre im Interesse der Pächter und der Ortsgemeinde. Das Land muss jetzt den Weg frei machen, sonst wird die Geduld der Pächter überstrapaziert. c.kremer@volksfreund.deHintergrundDas Land wurde im Bericht des Landesrechnungshofs 2011 wegen des falschen Einsatzes von Fördergeld im Haus der Fischerei kritisiert. Mehr als eine Million Euro habe es in den Jahren 1996 bis 2005 zweckgebunden in das Haus investiert. Eigentlich sollten die beiden durch einen Innenhof verbundenen Gebäude zu einer einzigartigen "Heimstätte der Fischerei" werden. Nach der gefeierten Eröffnung 2001 wurde schon 2002 klar, dass das Konzept nicht aufgeht. Es kam zum Streit zwischen unterschiedlichen Pächtern über die Nebenkosten. 2004 rügte der Rechnungshof das Haus der Fischerei zum ersten Mal. Das Land und die Fischereiverbände zogen sich zurück, die Ortsgemeinde übernahm die Verwaltung. Die Pächter wechselten mehrmals, aber das Konzept wurde weiterhin nicht umgesetzt. Auch das hausinterne Fischereimuseum ziehe jährlich nur 20 Besucher an - eine Zahl, die die Caos, die den Eintritt im Auftrag der Gemeinde kassieren, bestätigen. So kam es zu der zweiten Rüge. Seit 2007 sind die beiden Gebäude erstmals in der Hand eines Pächters. Das wertet die Gemeinde als Erfolg. (cmk)

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