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Turbulenzen an Wincheringer Schule haben Nachspiel in Mainz

Turbulenzen an Wincheringer Schule haben Nachspiel in Mainz

Die Vorkommnisse an der Wincheringer Lehranstalt werden zum Thema im Landtag. Im Bildungsausschuss soll die Ministerin eine Erklärung dazu abgeben.

Vor fast einem Monat sind die Wellen an der Wincheringer Grundschule hochgeschlagen. Eltern und Schüler haben gegen die Versetzung eines Lehrers protestiert. Acht weitere Lehrer haben ihre Versetzung beantragt, vier AG-Leiter ihr Amt niedergelegt. Das Ganze gipfelte schließlich im Rücktritt der Schulleiterin.

Nun sollen die Wellen bis nach Mainz überschwappen. Die Querelen an der Schule werden Thema im Bildungsausschuss des Landtags sein. Und das kam so: Die Eltern hatten sich mit einem Hilferuf per Mail samt 274 Unterschriften an das Bildungsministerium, an Ministerpräsidentin Malu Dreyer und den Landtagsabgeordneten Lothar Rommelfanger (beide SPD) sowie an MdL Julia Klöckner gewandt. Geantwortet hat laut Verena Unger - sie spricht für die Eltern der 4a, deren Klassenlehrer versetzt worden ist - nur eine: Julia Klöckner. In ihrem Auftrag hat Gereon Geissler, Bildungsreferent der CDU-Landtagsfraktion, geschrieben.

Der Inhalt: "Da es sich dabei um eine derart außergewöhnliche Situation handelt, hat sich die CDU-Landtagsfraktion dazu entschieden, die Vorgänge an der Grundschule Wincheringen zum Thema im Landtag zu machen. Im kommenden Bildungsausschuss des rheinland-pfälzischen Landtages am 16. März werden wir von Frau Ministerin Hubig eine Stellungnahme und eine Erklärung verlangen." Denn jenseits der Fehler vor Ort in der Schule stelle sich die Frage nach der Schulaufsicht. Wieso hätten die Dinge derart aus dem Ruder laufen können, ohne dass eine übergeordnete Stelle eingegriffen habe?

Verena Unger und ihre Mitstreiter sind froh, dass die Arbeit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), bei der die Schulaufsicht liegt, im Bildungsausschuss hinterfragt wird. Unger: "Wir glauben, dass die Arbeit der ADD nicht mehr zeitgemäß ist. Sie sollte sich als Dienstleister und weniger als übergeordnete Behörde verstehen." Nach wie vor wollten die Eltern, dass der Klassenlehrer, der laut ADD aus dienstlichen Gründen versetzt wurde, zurückkommt - auch wenn die neue Klassenlehrerin "ganz toll" sei, wie Unger sagt. Aber sie sei nun für zwei Klassen zuständig. Überhaupt fehlten immer noch zwei Lehrer, das Kollegium nehme die Leitungsaufgaben im Team wahr. Das funktioniere bislang zwar gut, bedeute aber mehr Arbeit für alle.

Was konkret an der Schule schief gelaufen ist, lässt sich schwer greifen. Die Eltern betonten einerseits, dass sie nicht gegen eine bestimmte Person kämpfen wollten. Andererseits wiesen sie im Hilferuf ans Ministerium darauf hin, dass sich das Schulklima mit der neuen Schulleitung, die 2016 kam, drastisch verändert habe. Acht der 13 Lehrer hätten einen Versetzungsantrag gestellt. Kritisiert wurde die Versetzung des Klassenlehrers ohne Nennung eines triftigen Grundes. Die Eltern sorgten sich zudem um die Reputation der Europaschule mit zweisprachigem Zweig. Sie kritisierten, dass die Schulleitung das hart erkämpfte Erasmus-plus-Programm abgelehnt habe, und die Lehrkraft, die sich sehr für Zweisprachigkeit eingesetzt hatte, habe gehen müssen.KommentarMeinung

Ein Erfolg für die Eltern? Ja, aber …Es dürfte nicht so oft vorkommen, dass über Wincheringen mit seinen 2184 Einwohnern im Landtag debattiert wird. Da können es die Eltern als Erfolg für sich verbuchen, dass ihr Unmut im ländlichen Raum nicht einfach verhallt, sondern zumindest die Chance besteht, dass Ursachen und Versäumnisse in dieser Sache an oberster Stelle hinterfragt werden. Andererseits ist klar: Am 24. September ist Bundestagswahl und Julia Klöckner ist nicht nur CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag, sondern auch stellvertretende Bundesvorsitzende ihrer Partei. Das heißt: Es ist Wahlkampf. Logisch also, dass solch ein Thema auch dafür genutzt wird, doch hoffentlich nicht nur dafür. Bitte sachlich bleiben, Frau Klöckner! m.maier@volksfreund.de